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Hochschule und ForschungWissenschaftsplan 2025

Wissenschaftsplan 2025 | Promotion in Zeiten von Pandemie

16.03.2021 - Ralf E. Streibl

Gravierende Einschnitte beim „Wissenschaftsplan 2025“ geplant

Proteste sind gestartet: Unterschrift hilft Studierenden und Beschäftigten

Das Bremer Finanzressort plant gravierende Einschnitte im Wissenschaftsbereich. Es ist erst zwei Jahre her, dass der Senat als Reaktion auf die jahrelange Unterfinanzierung der Hochschulen einen „Wissenschaftsplan 2025“ verabschiedet hatte, der die schrittweise Anhebung der finanziellen Grundausstattung bis 2025 vorsah. Demit verbundene Ziele sind unter anderem: Steigerung der Qualität der Lehre, weiterer Ausbau von Studienplätzen und neue innovative Studiengänge, Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze im Wissenschaftsbereich, Herstellung guter Beschäftigungsverhältnisse an den Wissenschaftseinrichtungen. Doch bereits heute liegt der tatsächliche Wissenschaftshaushalt deutlich unter den zugesagten Zahlen.

Wenn die Hochschulmittel nicht wie geplant jährlich angepasst werden, wird ein drastischer Personalabbau folgen, der zuerst die Bereiche trifft, in denen viele befristet Beschäftigte tätig sind. Freiwerdende Stellen werden nicht wiederbesetzt werden. In der Folge wird sich die Zahl der zur Verfügung stehenden Studienplätze verringern, die Qualität der Lehre wird sinken und die Betreuung von Studierenden wird sich deutlich verschlechtern.

Nach massiven, von Beschäftigten, Studierenden, Hochschulleitungen sowie Gewerkschaften und Interessenvertretungen in seltener Einigkeit vorgetragenen Protesten verlautete aus der Finanzbehörde, dass die Kürzungen vom Tisch wären und die Finanzierung gemäß des aktuellen Status Quo fortgeführt werde. Dies ist jedoch reines Blendwerk: Jegliche Unterschreitung der im Wissenschaftsplan vorgesehenen finanziellen Anpassungsschritte wird die Hochschul- und Wissenschaftslandschaft in Bremen gravierend und nachhaltig schädigen und geht zu Lasten der Studierenden und auf Kosten der Gesundheit der bereits jetzt durch Arbeitsverdichtung und Überlast gebeutelten Beschäftigten. Insofern darf und wird der Kampf gegen diese Einschnitte nicht enden.

Die GEW Bremen ist Mitinitiatorin des neu gegründeten „Bremer Bündnisses für Wissenschaft“. Dessen offenen Brief zum Thema „Wissenschaftshaushalt“ können alle elektronisch mitzeichnen, die die Studierenden und Hochschulmitarbeiter*innen bei ihrem Kampf unterstützen möchten: https://tinyurl.com/Petition-WP2025

Corona gefährdet viele Promotionen

Pandemie hat negative Auswirkungen auf befristet Beschäftigte an Hochschulen

An den Hochschulen arbeiten viele Kolleg*innen auf befristeten Verträgen mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Qualifikation (vor allem Promotion). Die Auswirkungen der Pandemie bringen hier sämtliche Planungen durcheinander (Einschränkungen bei Bibliotheks- und Laborzugang, beim Umgang mit Interviewpartner*innen, bei Feldstudien und Experimenten). Angesichts der eng gestrickten Zeitpläne ist die Fertigstellung von Arbeiten innerhalb der Vertragslaufzeiten gefährdet oder unmöglich.

Sofern die Stelle aus dem Grundhaushalt der Hochschule finanziert ist, besteht die Möglichkeit, dass die Hochschulleitung Verträge aktueller Stelleninhaber*innen verlängert. Das ist für diese gut und notwendig – gleichzeitig führt dies dazu, dass es deutlich weniger freiwerdende Stellen für Studierende geben wird, die bald ihr Studium abschließen. Um zu verhindern, dass hier eine Absolvent*innengeneration in ihren Chancen auf Weiterqualifikation strukturell benachteiligt wird, müsste das Land für einen begrenzten Zeitraum zusätzlich Hochschulstellen finanzieren.

Bei wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, die mit befristeten Verträgen in aus Drittmitteln finanzierten Projekten arbeiten, ist die Lage oft noch schwieriger, denn längst nicht alle Mittelgeber sind bereit, die Laufzeit von Projekten zu verlängern und die dafür erforderliche zusätzliche Finanzierung bereitzustellen. Gleiches gilt für Empfänger*innen von Promotionsstipendien. Dies führt – da die Hochschulen über keinen finanziellen Puffer verfügen – dazu, dass begonnene und oft weit fortgeschrittene Doktorarbeiten abgebrochen und Karrieren zerstört werden.

Die GEW Bremen hat deshalb die Landespolitik aufgefordert, den Hochschulen durch kurzfristige, unbürokratische Finanzhilfen (z.B. Bremen-Fonds) in solchen Notfällen die Möglichkeit zur Verlängerung von Verträgen und Stipendien zu verschaffen (siehe auch: https://taz.de/!5749382/).