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Promovieren mit PerspektiveHilfe für Frauen

In Wissenschaft und Forschung sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert. Das Projekt perspektive promotion un­terstützt Promovendinnen in den Geistes und Sozialwissenschaften. Inge Kleemann hat die Mitarbeiterinnen Claudia Czycholl und Lisa Spanka über das Projekt befragt.

 

 

16.08.2018 - Inge Kleemann

Was macht die Perspektive Promoti­on und wer kann zu Euch kommen?

Claudia: Die Perspektive Promotion richtet sich an Promotionsinter­essierte und Promovendinnen in den Sozial- und Geisteswissen­schaften. Wir bieten Beratungen zu den unterschiedlichsten Fragen von „was kommt da eigentlich auf mich zu“ über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Wir bieten Workshops zu allen Pro­motionsphasen an. Ergänzend gibt es fortlaufende Gruppen wie das supervidierte peercoaching. Hier können sich Promovierende über den Promotionsprozess austau­schen.

Lisa: Darüber hinaus findet alle zwei Wochen das Schreiblabor statt, wo Promovendinnen mehrere Stunden intensiv an ihrer Promotion schrei­ben. Dabei ist immer eine Schreib­trainerin anwesend, die bei Bedarf individuell unterstützt.

Warum richtet sich das Angebot ausschließlich an Frauen in den Geistes- und Sozialwissenschaften?

Lisa: Das hat mehrere Gründe. In den Geistes- und Sozialwissenschaf­ten ist ein vergleichsweise hoher Anteil von Frauen, aber Frauen fallen auch hier in gravierendem Maße von der wissenschaftlichen Karriereleiter. In den GS-Fächern promovieren viele individuell und müssen sich ihr Promotionsverfah­ren vollständig selbst gestalten. Deshalb ist Unterstützung und Anbindung an die Universität aber auch die Vernetzung besonders wichtig.

Wie ist denn das Feedback auf Euer Angebot für Frauen

Claudia: Die Angebote von pers­pektive promotion werden stark nachgefragt. Dass sich die Ange­bote explizit an Frauen richten, ist einigen Promovendinnen bei der Anmeldung zu Workshops nicht bewusst. Allerdings geben viele Teilnehmerinnen bei der Evaluation an, dass es während der Veranstal­tung einen deutlichen Unterschied gemacht habe. Zum einen weil der Habitus ein anderer ist, zum ande­ren weil Themen wie Kinderwunsch eine Rolle spielen. Wir achten deshalb bei der Auswahl unserer Trainerinnen auf deren Gender- und Diversitätskompetenzen.

Apropos Kinderwunsch: was müsste sich ändern um Frauen mit Kindern den Beruf Wissenschaft zu verein­fachen?

Lisa: Es müsste einen großen Kul­turwandel geben. Sehr wichtig ist, wie Vorgesetzte damit umgehen, wenn die Mitarbeiterin ein Kind bekommt. Wird das erste Kind oft noch positiv aufgenommen, kann das zweite Kind das Aus für die Wis­senschaftskarriere bedeuten.

Claudia: Es müsste deutlich mehr unbefristete und volle Stellen geben. Frauen in der Wissenschaft haben überproportional oft prekäre Stellen. Wenn ich auf einer hal­ben Stelle befristet bin und einen Partner oder eine Partnerin mit einer vollen unbefristeten Stelle habe, dann ist das noch machbar aber für Alleinerziehende ist es extrem schwierig. Zudem ist es wichtig, dass Frauen bzw. Eltern die Teilnahme an Qualifizierungsan­geboten erleichtert wird. Deshalb bieten wir in unseren Workshops die Kostenübernahme für Kinderbe­treuung an. Im besten Falle sollten die Finanzierung und ausreichend Kinderbetreuungsplätze zur Selbst­verständlichkeit werden.

Habt ihr selbst auch promoviert?

Lisa: Ich habe in Bremen studiert und eine kulturwissenschaftliche Doktorarbeit geschrieben. In der Zeit habe ich selbst viele Angebote der Perspektive Promotion wahrge­nommen. Meine Promotion habe ich auf unterschiedlichste Weise finanziert, zuerst mit einem Stipen­dium. Zuletzt hatte ich eine befris­tete Stelle als WiMi. Mir macht es großen Spaß, meine Erfahrungen weiterzugeben. Ich kenne die Uni und die weiteren Anlaufstellen, sodass ich Promovierenden viele Tipps geben kann.

Claudia: Mir geht es ganz ähnlich. Ich habe hier studiert und pro­moviere auch an der Universität Bremen. Von meiner eigenen Pro­motionserfahrung profitiert auch die perspektive promotion, für die ich seit Herbst 2012 arbeite. Durch meine Arbeit im Projekt aber auch durch andere Tätigkeiten z. B. als Lehrbeauftragte hat sich ein breites Netzwerk entwickelt, das dann auch Kooperationsprojekte ermöglicht. Die Verbindung dieser unterschied­lichen Ebenen der wissenschaftli­chen Arbeit macht einfach Spaß.

Wie ist eigentlich die Perspektive der Perspektive Promotion?

Claudia: perspektive promotion wird über das Professorinnenpro­gramm des BMBF finanziert. In die­sem Rahmen sind unsere Angebote bis April 2019 gesichert. Derzeit befinden wir uns in der dritten Antragsstellung. Unabhängig davon beginnen wir gerade mit Angeboten im MINT-Bereich. Wo es sinnvoll ist, führen wir bereits fächerübergrei­fende Workshops durch. Darüber hinaus möchten wir in den nächs­ten Jahren auch fachspezifische An­gebote für Nachwuchswissenschaft­lerinnen der MINT-Fächer anbieten. Wir hoffen, dass wir unsere Arbeit erfolgreich fortsetzen können.

Ich wünsche Euch viel Erfolg mit dem Antrag. Für die GEW ist klar: Frauenförderung muss ein zentrales Ziel der Universität sein, ebenso wie die Unterstützung von Promovieren­den. Ein Projekt wie die Perspektive Promotion sollte deshalb unbedingt deshalb unbedingt verstetigt werden.

 

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