GEW Bremen
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2020Ein Jahresrückblick und Ausblick des GEW Stadtverbands Bremen

GEW begrüßt freiwillge Testungen für Beschäftigte sowie Schülerinnen und Schüler

21.12.2020 - Barbara Schüll und Corinna Genzmer

Neujahr 2020 blickten wir nach China und hofften, die Corona Pandemie würde bei uns nicht so heftig wüten. Im März 2020 hatte die Pandemie jedoch auch uns erreicht, Shutdown - die Kitas und Schulen wurden geschlossen - wochenlang Sonntagsgefühl?

Weit gefehlt, viele Pädagog*innen waren auf dem Fahrrad unterwegs, um ihre Schüler*innen mit Unterrichtsmaterialien zu versorgen bzw. es begann Distanzlernen mit Einstellen von Material bei its learning.

Andere Kolleg*innen waren per Videokonferenz und Telefon mit ihren Schüler*innen und Eltern im Kontakt. Vor allem Pädagogische Mitarbeiter*innen wurden für die Notbetreuung an den Ganztagsschulen eingesetzt.
Alle atmeten auf, als der Halbgruppenunterricht im Wechselmodell begann. Dieser wurde von vielen positiv erlebt - endlich eine Schüler*innen- Lehrer*innen Konstellation, bei der die Vermittlung von Bildungsinhalten sehr gut möglich war. Zeit - um auf die heterogenen Bedürfnisse und Lernstände einzugehen. Selbst sogenannte Risikoschüler*innen [Anm,: Risikoschüler*innen sind nach Prof. Kai Maaz lern- und kompetenzschwache Schüler*innen, deren Bildungserfolg durch die Faktoren: Geschlecht, Migrationshintergrund und soziale Herkunft negativ beeinflusst wird. vgl. https://www.dgbv.de/veranstaltungen.html] konnten Schule als Ort erleben, in dem sie dort abgeholt wurden, wo sie in ihrer individuellen Schulentwicklung standen.

Nicht alle - einige fanden den Weg zur Schule nicht so einfach zurück oder hatten Angst vor Ansteckung.
Vor den Sommerferien begann dann der Regelbetrieb. Dieser setzte sich nach den Sommerferien fort mit langsam ansteigenden Infektionszahlen. Quarantäne und Testung wurden vertraute Worte in Bildungseinrichtungen und Elternhäusern. Die zweite Welle der Pandemie breitete sich aus und dauert bis dato an.
An einigen Schulen wurde kurzzeitig mit Genehmigung der Schulaufsicht auf Halbgruppenunterricht im Wechselmodus umgestellt, jedoch fand eine Rückkehr zum Regelbetrieb statt, sobald die Anzahl der erkrankten Schüler*innen und Kolleg*innen sank. Durch die Überlastung des Gesundheitsamtes wurde das Verfahren auf die Schulleitungen übertragen.
Ab 16.12.2020 wurde die Schulpräsenzpflicht ausgesetzt, viele Schüler*innen werden wieder in Distanz beschult. In den Schulen werden gerade nur wenige Schüler*innen betreut. Viele Familien nutzen die Möglichkeit durch selbst gewählte Isolation, das Risiko einer Infektion bei den bevorstehenden Weihnachtstreffen gerade auch mit älteren Familienmitgliedern zu minimieren.

 

We´ll be back soon, please try again later,

ist die Anzeige am 1. Tag des erneuten Lockdowns vor Weihnachten auf der its learning Plattform. Bald steht das Programm wieder zur Verfügung, bitte probieren Sie es später.

Its learning ist die Unterrichtsunterstützung für den Distanzunterricht. Sie wurde eingerichtet, um Lehrkräfte mit gesammelten Unterrichtsmaterialien zu diversen Themen der verschiedenen Jahrgangsstufen im digitalen Schulalltag zu unterstützen.

Seit Herbst 2020 ist für Lehrkräfte die Arbeit damit verpflichtend.

Onlinekurse für digitalen Unterricht sind seit dem Frühjahr ausgebucht. Zur Zeit des ersten Lockdowns besuchten viele Lehrkräfte die Fortbildungsmodule zu digitalem Lernen. Schnell kamen erste Rückmeldungen, wie zeitaufwendig die Suche im Internet nach passenden Angeboten ist und die Sichtung der Materialien oft nicht zielführend war.

Die Ausgabe der digitalen Endgeräte an Lehrkräfte, ab Herbst 2020, erfolgte schnell, die Vergabe an Schüler*innen ist noch nicht abgeschlossen, doch die Forderung, beides – Unterricht in Präsenz (vor Ort, in der Schule) und unterrichten in Distanz (an Tablets, PC s, Laptops) –  war schnell gestellt.

Noch herausfordernder ist hybrides Lernen: Lehrende übertragen den Unterricht direkt per Internet aus dem Klassenraum. Dazu braucht es noch mehr Technik, wie Whiteboards (elektronische Tafeln) oder Beamer, die das Unterrichtsgeschehen auf eine Projektionsfläche übertragen. Es braucht gute Internetverbindungen und natürlich die technische Ausstattung in jedem Klassenzimmer. Und es braucht die Selbstsicherheit, sich online zu präsentieren.

Wie viel Zeit und Energie bleibt nach einem Arbeitstag?

Durch Online Schulungen ist noch kein Arbeitsblatt erstellt, noch keine Handhabe, Gelerntes an Schüler*innen zu vermitteln, erreicht.

Und doch finden wir Haare in der Suppe, denn neben Unterrichtsvorbereitung, Durchführung, Konferenzen, Teamabsprachen, Elterngesprächen, dem also voll ausgelasteten Arbeitstag der Kolleg*innen an Schulen, stellen wir fest, dass die nichtunterrichtenden Kolleg*innen keine digitalen Endgeräte haben.

Okay, das wurde gesehen: Kooperationen, die sofort und ausschließlich mit Dienstgeräten seit Herbst geführt wurden, brauchen alle Beschäftigten an Schule. Es wurde nachgesteuert. Please, try again later...

Leider kamen für die Grundschulen kaum passende Informationen und Angebote.


Hier muss dringend nachgesteuert werden. We try later...
Dem großen Gefährdungspotential zur digitalen Abhängigkeit muss Rechnung getragen werden. Oft birgt ein neues Jahr, einen neuen Anfang, neue Chancen.

Ist die Lösung der Halbgruppenunterricht und die Halbierung der Kitagruppen bis zu den Osterferien 2021  das Gebot der Stunde?
Frau Bogedan, als Senatorin für Kinder und Bildung sagt: „NEIN!“ Was setzen wir als Gewerkschaftler*innen dagegen?

 

Pro Kontra
  • Möglichkeit der Einhaltung der AHA- Regeln bei geringerer Gruppengröße
  • Planungssicherheit für Bildungseinrichtungen
  • Geringere Schüler*innen- Pädagog*innen Konstellation sichert Bildungserfolge, durch intensivere Beziehungsarbeit
  • Die Nachverfolgung des Kontakts mit Corona Infizierten verringert sich. und so wird die Schulleitung entlastet
 
  • Was machen berufstätige Eltern, wenn ihre Kinder nicht betreut sind?
  • Heißt Halbgruppenunterricht Halbierung der Vermittlung der Lerninhalte?
  • Wie können Risikoschüler*innen trotz verringertem Aufenthalt in Bildungseinrichtungen Chancengleichheit erreichen, z.B. wenn ihnen der Zugang zum Internet von zu Hause nicht möglich ist?

Sicher fallen euch Kolleg*innen noch andere Pro- und Kontrapunkte ein, und wenn man sich die Bedingungen an den Bildungseinrichtungen ansieht, entstehen gleich weitere Gedanken wie:

  • Wann wird die Doppelbesetzung an den Grundschulen mit Pädagogischen Mitarbeiter*innen umgesetzt?
  • Wie kann eine Arbeitsentlastung gerade in Zeiten des Fachkräftemangels umgesetzt werden?
    Dies betrifft auch den Kitabereich - denn Fachkräftemangel ist auch dort spürbar. Wie ist umzugehen mit steigenden Kita - Kinder- Zahlen und zu wenig Personal, um frühkindliche Bildung qualitativ abzusichern?
  • Muss die Stundentafelreduzierung nicht endlich in den Fokus genommen werden? Und wie ist das mit den schlechten Pisa Ergebnissen vereinbar?
  • Wo ist Zeit für Fortbildungen gerade im Bereich Digitalisierung, um sich vertiefte Kenntnisse anzueignen, damit didaktisch sinnvoller Hybridunterricht angeboten werden kann?
  • Die Forderung, dass Schüler*innen erst wieder in Schule gehen sollten, wenn ein Negativ-Test vorliegt, muss weiter diskutiert werden. Sollte die Teststrategie ausgeweitet werden? Wie z.B. Reihentestungen im wöchentlichen Wechsel in den Schulbezirken?
  • Außerdem sollte Präsenz-, Hybrid- und Distanzunterricht weiter diskutiert werden, da die Meinung in den unterschiedlichen Schulstufen weit auseinander gehen.

GEW Bremen begrüßt, freiwilligeTestungen für Beschäftigte sowie Schüler*innen

Auf der Homepage der Senatorin für Kinder und Bildung ist seit dem 21.12.20 folgendes zu lesen:
„Gleich nach den Weihnachtsferien wird es vom 11. bis 15.01.2021 in Schulen eine "Übergangswoche" mit Testungen für Beschäftigte sowie Schülerinnen und Schüler auf freiwilliger Basis geben.“
Die Schulpräsenzpflicht bis zum 15.01.21 auszusetzen, um allen Schüler*innen und Pädagog*innen die Möglichkeit der Testung einzuräumen, unterstützt die GEW ausdrücklich. Deshalb rufen wir alle Pädagog*innen, Schüler*innen sowie bei minderjährigen Schüler*innen die Eltern auf, unterstützt die Initiative der Testung, damit der Schulstart nach den Weihnachtsferien sicherer sein kann.

Die Pandemie hat die bis dato unterfinanzierte Bildungslandschaft Bremens, vor noch größere Herausforderungen gestellt. Diese werden nicht einfach durch mehr Geld, Haltung und Engagement aufgelöst werden können.

Jedoch zeigt sich für uns in der Krise auch die Solidarität und das Demokratieverständnis, denn viele Kolleg*innen diskutieren, teilen dies ihrer Gewerkschaft mit und sorgen so für neue Ideen und regen innergewerkschaftliche Diskussionen an.

Für eure geleistete Arbeit, insbesondere möglichst jedes Kind, jeden Jugendlichen und jungen Erwachsenen Bildung teilhaben zu lassen, zollen wir Respekt und Anerkennung.

Wir wünschen euch frohe und besinnliche Weihnachtstage im Kreis eurer Familien sowie Zeit neue Energie zu tanken, um schwungvoll ins neue Jahr zu starten.

Für den Stadtverbandsvorstand
Barbara Schüll | Landesvorstandsspecherin und Corinna Genzmer | Stadtverbandsvorstandssprecherin

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