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Das Schulprojekt-Ost im Taeter-Opfer-Ausgleich Bremen e.V.

Im Feld Schule findet sich ein breites Spektrum an sozialen Konflikten. Ausnahmslos berichten Schulen von Schwierigkeiten, einen reibungslosen Ablauf des Lehralltages zu gewährleisten, weil Konflikte natürlicher Bestandteil des Schullebens sind. Manche gravierende und eskalierte, bisweilen auch einzelne chronifizierte Konflikte stellen für Lehrkräfte eine nicht allein und nicht in der Rolle als Lehrkraft zu bewältigende Herausforderung dar.

16.12.2010 - von Stefan Hunold / Frank Winter

Bei der Bewältigung solcher Konflikte kooperiert der Täter-Opfer-Ausgleich Bremen e.V. (TOA) im Schulprojekt-Ost seit Januar 2010 im Rahmen des senatorischen Handlungskonzeptes „STOPP der Jugendgewalt“ mit Schulen im Bremer Osten.

Das Konzept hat als Ziel, frühzeitig Norm verdeutlichend zu intervenieren und sich abzeichnende delinquente „Karrieren“ zu unterbrechen, Gewaltdelikte von Kindern und Jugendlichen zu bearbeiten, ihre schädlichen Folgen möglichst zu verringern und gewaltfreie Problemlösungs-, aber auch Wiedergutmachungskompetenzen zu stärken. Zielgruppe des Schulprojekt- Ost sind auch Strafunmündige, vornehmlich aber Jugendliche und Heranwachsende, die mit gravierenden jugendtypischen Konflikten im schulischen Feld oder Umfeld aufgefallen sind.

Seit Projektbeginn konnten mehr als 60 gravierende Konfliktfälle zwischen Schülern bzw. zwischen Schülern und Lehrkräften vollständig abgeschlossen werden. Zu den Vorwürfen, die den Beschuldigten gemacht wurden, zählten schwere Verleumdungen und Beleidigungen (Bullying), Körperverletzungen, Nötigungen, Erpressungen, Diebstähle, Raubtaten, Anstiftungen zu Körperverletzungstaten und Mobbing und Vandalismustaten.

Konfliktbeteiligte, ihre Erziehungsberechtigten, Kontaktpolizisten, Schulleitungen, Lehrkräfte, aber auch Professionelle anderer Jugend- oder Jugendhilfeeinrichtungen können sich im Bedarfsfall an die zuständigen MitarbeiterInnen des Täter- Opfer- Ausgleichs wenden. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Strafanzeige vorliegt oder ob (noch) keine Anzeige erstattet wurde.
Als zusätzliches Instrument einer nachhaltigen Gewaltprävention an den Schulen sollte das Schulprojekt Ost des TOA als außerschulisches, aber auch außerjustitielles. Konfliktbearbeitungsverfahren möglichst frühzeitig eingeschaltet werden.

Durch die außerschulische Konfliktbearbeitung werden Lehrkräfte und Schulleitungen entlastet und Schüler und Pädagogen können von einem entspannteren Lernumfeld profitieren und sich im sicheren Rahmen der wiederhergestellten Regeln ihren eigentlichen Aufgaben widmen.

Zur Beilegung der Konflikte wird sich im Rahmen des Schulprojekt-Ost in vertraulicher Atmosphäre und auf „neutralem Boden“ mit dem Geschehenen auseinandergesetzt.
Auch wenn es den Beschuldigten zur Auflage gemacht worden ist, eine Konfliktbearbeitung im Schulprojekt Ost zu versuchen, so ist doch für alle und insbesondere für die Geschädigten die Teilnahme am Konfliktbearbeitungsprozess zu jeder Zeit freiwillig. Natürlich ist auch das Einverständnis der Erziehungsberechtigten Voraussetzung für den Schlichtungsversuch und für eventuelle Vereinbarungen, die zur Konfliktbeilegung getroffen werden.
Im Rahmen des Arbeitsfonds des TOA Bremen können so z.B. durch gemeinnützige Tätigkeiten die Beschuldigten finanzielle Wiedergutmachungsleistungen für Opfer erbringen.

Bei der Konfliktbearbeitung stehen den Konfliktbeteiligten jeweils eine Diplompsychologin oder ein Diplompsychologe des TOA Bremen mit jeweils einem Co-Vermittler zur Seite und unterstützen sie auf dem Weg zu möglichst einvernehmlichen Konfliktbewältigungen.

Ausführliche Einzelgespräche erlauben es, das Tatgeschehen und seine Hintergründe zu reflektieren und Sichtweisen, Gefühle und Folgen zu besprechen. Konfligierende Gerechtigkeitsprinzipien werden aufgezeigt und damit die sich aus ihnen ergebenden „universellen“ Ansprüche relativierbar gemacht.
Die Verdeutlichung gesellschaftlicher und rechtlicher Normen ist unbedingter Bestandteil jeden Ausgleich-Versuchs.
In einem oder mehreren gemeinsamen Treffen können sich abschließend die Beteiligten über den Vorfall verständigen und sich auf konkrete Wiedergutmachungsleistungen einigen.
Im Verlauf des Verfahrens wird den Konfliktparteien einfühlsam die Sichtweise anderer Konfliktbeteiligten vermittelt. Diese Perspektivenverschränkung ermöglicht es den Parteien, sich von der Absolutheit eigener Ansprüche zu distanzieren und bedürfnis- und interessenorientierte Lösungen zu erarbeiten.
Am Ende des Verfahrens steht eine Vereinbarung, in der die nachhaltige Beilegung des Konfliktes und zu erbringende Wiedergutmachungsleistungen schriftlich festgehalten werden.

Kontakt:

Das Schulprojekt-Ost des TOA Bremen e.V. ist ein auf zwei Jahre befristetes Modellprojekt.
Konfliktfälle können Sie per Email oder Fax an die zuständigen Mitarbeiter des TOA Frau Weitzel und Herrn Hunold senden. Interventionen und der Ausgang der von Ihnen angeregten Konfliktbearbeitungsverfahren werden Ihnen zeitnah zurückgemeldet.
Für weitere Informationen und zum Download des Fallanregungsformulars besuchen sie die Website www.toa-bremen.de oder rufen Sie an unter 0421/79282896 (Frau Weitzel) oder 0421/79282893 (Herr Hunold)

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