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BildungsgerechtigkeitSchulen fühlen sich allein gelassen

GEW warnt vor Chaos durch übereilte Schulöffnung mit fehlenden Vorgaben

 

22.04.2020 - Elke Suhr

„Viele Fragen sind noch nicht geklärt“, berichtet GEW-Landesvorstandssprecherin Barbara Schüll, mit Blick auf die geplante schrittweise Öffnung der Schulen ab Montag. Die Personalräte in Bremen und Bremerhaven und auch die GEW berichten z.B. von vielen verzweifelten Beschäftigten, die anrufen und wissen wollen, ob sie zu einer Risikogruppe gehören und was das für sie bedeutet. Statt klarer zentraler Regeln erleben die Beschäftigten Schulleitungen, die sie für ein Attest zum Arzt schicken und überlastete Ärzte, die zum Teil auch nicht weiterhelfen können.

„Da sind andere Bundesländer weiter“,

berichtet Schüll. An weiteren Unklarheiten führt sie auf:
Wer sorgt bei pädagogischen Fachkräften etwa im Ganztag und bei Fachkräften für Inklusion, die einzelne Schüler*innen unterstützen, dafür, dass Hygienestandards und Abstände eingehalten werden?
Schützen die Schulen oder die Träger (z.B. Martinsclub, Assistenzgenossenschaft oder ASB) dabei Risikogruppen und wie soll das gehen?
Was geschieht mit Schüler*innen, die zu Risikogruppen zählen?
Wie werden sie informiert?
Wie groß dürfen Gruppen maximal sein?
Wie können die Abstandsgebote auch auf den Schulwegen bzw. in Schulbussen sichergestellt werden?

„Das alles muss die senatorische Behörde zügig klären – und man kann sich viel Ärger ersparen und einfacher vor Ort umsetzbare Lösungen finden, wenn man Interessenvertretungen und etwa Experten wie das Gesundheitsamt in solche Entscheidungen rechtzeitig einbezieht“, ergänzt die Grundschullehrerin. In anderen Bundesländern sitzen GEW-Vertreterinnen in den Krisenstäben der Ministerien und auch in Bremerhaven hat sich der Einbezug des Personalrats in die Planungen bewährt.

„Es geht hier um die Gesundheit von Beschäftigten, von Schülerinnen und Schülern und ihrer jeweiligen Kontaktpersonen und es geht darum, die Zahl der Kranken für das Gesundheitswesen verkraftbar zu halten. Bei solchen Fragen muss man klare Kante zeigen und auch mal Geld in die Hand nehmen, statt sich durchzumogeln“, so Schüll.

„Weniger ist mehr!“,

ergänzt GEW Landesvorstandssprecherin Elke Suhr. „Es ist sinnvoll, gut vorbereitet erst mit wenigen Klassen zu beginnen um dann aus den Erfahrungen lernen und nachsteuern zu können.

Dabei muss man sich nicht auf Abschlussklassen und Prüfungen fixieren.

Prüfungen sind wichtig, aber für manche Kinder in beengten oder schwierigen Verhältnissen ist es wesentlich existenzieller wieder aus der häuslichen Enge in die Schulen zu dürfen.“

Für Nachfragen steht zur Verfügung:
Barbara Schüll
Elke Suhr

Mehr Infos:

Besonders dringliche Maßnahmen des  Arbeits- und Gesundheitsschutzes im  Prozess der Öffnung der Schulen 
Prof. Dr. Wolfhard Kohte, Halle/Saale (27. April 2020) 

 

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