GEW Bremen
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Offener Brief der GEW an Herrn Oberbürgermeister Melf Grantz

Bremerhaven – Angesichts des Fehlens von 39 Lehrkräften im Bremerhavener Schuldienst zu Schuljahresbeginn wendet sich der Stadtverbandsvorstand der GEW in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Grantz. Dieser trägt in seiner Funktion als Personaldezernent Verantwortung für eine auskömmliche Personalversorgung, von der angesichts der vorliegenden Zahlen nicht die Rede sein kann.

25.08.2016 - Bernd Winkelmann

Die GEW bewertet die Situation als dramatisch. Sie fordert den Oberbürgermeister auf, Initiativen zur Absicherung der Arbeitsfähigkeit der Schulen zu starten.

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

vor kurzem hat sich der Magistrat der Stadt Bremerhaven der Situation an den Schulen angenommen und einige Maßnahmen zur Gewinnung weiterer Lehrkräfte beschlossen.

 So sehr wir jede Entscheidung begrüßen, die Arbeitssituation zu verbessern, können wir als Sprecher*innenteam der Bildungsgewerkschaft GEW diese Verabredungen nur als Einstieg in weitere Bemühungen werten, unsere Schulen mit einer ausreichenden Zahl qualifizierter Mitarbeiter*innen zu versorgen.

Wie Ihnen bekannt ist, konnten zu diesem Schuljahresbeginn 39 Stellen nicht besetzt werden. Darüber hinaus erweist sich die in der Zuweisungsrichtlinie gemachte Zusage, die Vertretungsreserve auf 6 % aufzustocken, als wertlos, da der so genannte Vertretungspool leer ist, d.h. niemand für Vertretungen zur Verfügung steht.

Unsere Kolleg*innen an den Schulen arbeiten mit aller Kraft daran, den Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden, damit sie tatsächlich Bildung erlangen können. Nur nehmen wir auch wahr, dass wichtige Fördermaßnahmen ausgesetzt sind, Fachkräfte fehlen, das Ganztagsangebot reduziert wird und die Ansprüche an das schulische Lernen erheblich unter Druck geraten. Dazu wandern Kolleg*innen in das niedersächsische Umfeld ab, die große Zahl auch dort nicht besetzter Stellen eröffnet ihnen neue Möglichkeiten. Als Begründung für diesen Schritt werden immer wieder die überlastenden Arbeitsbedingungen genannt und Beispiele von Kolleg*innen, die krankheitsbedingt ausscheiden. Wir befürchten, dass die Zahl der Wechselwilligen steigt, deshalb noch mehr Stellen vakant werden und die Belastung der Verbleibenden weiter anwächst.

Wenn Sie wie wir für ein funktionierendes Bildungssystem eintreten, dafür, dass Lehrer*innen und bleiben und dass das Ziel der Schulreform, „eine Schule für alle“ Wirklichkeit wird, dann bedarf es dringend weiterer Initiativen der Verantwortlichen dieser Stadt, also gerade von Ihnen. Unsere Überlegungen haben wir in dem Papier „7 Schritte zu einem Personalentwicklungskonzept“ zusammengefasst, welches wir diesem Schreiben beifügen.

Wir erwarten größere Anstrengungen von Parteien und Verwaltung in Bremerhaven, um auf die Landesregierung Einfluss zu nehmen. Ihr obliegt es, die grundständigen Bedürfnisse der Bevölkerung dieses Bundeslandes zu sichern – und das Recht auf Bildung gehört unbedingt dazu. Es versteht sich, dass die irrsinnige Politik der rigorosen Schuldenbremse gestoppt werden muss. Ebenso müssen Initiativen stärker unterstützt werden, die das Kooperationsverbot in Bildungsangelegenheiten zwischen Bund und Ländern aufzuheben suchen.

Bremerhaven steckt bildungspolitisch in einer schwierigen Lage. Hier fehlen, wir bezogen uns anfangs darauf, ebenso viele Lehrer*innenstellen wie in Bremen, obwohl die Landeshauptstadt fünfmal so groß ist.

Ohne übertreiben zu wollen, bewerten wir die Situation als dramatisch. Als Oberbürgermeister und Personaldezernent sind Sie jetzt dringend gefordert!

Zur Erörterung der Schulsituation und unserer Gedanken dazu möchten wir gerne ein Gespräch mit Ihnen führen. Wir würden uns freuen, wenn Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machten.

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Winkelmann

Inga von Hagen

Peer Jaschinski

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