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GEW BremerhavenViele vor den Kopf gestoßen!

Erwiderung der GEW-Fraktion im PR-Schulen BHV auf den Artikel von Thorsten Maaß (BLZ 3-2019)

 

16.06.2019 - PR Schulen Bremerhaven (GEW-Fraktion)

»So kann gute Schule gelingen.« Nichts weniger, als uns auf »bewährte und neue Wege« zu diesem Ziel zu führen, ist die Absicht von Thorsten Maaß in seiner Funktion als 1. Vorsitzenderder Schulleitungsvereinigung Bremen e.V.

Herausgekommen ist ein wenig aussagekräftiger Rundumschlag, der einerseits einiges von dem enthält, wofür sich GEW in der Öffentlichkeit und Personalräte, oft gegen Widerstände bei der Schulaufsicht, schon lange engagieren. Andererseits deutet er Probleme an, die der interessierten Öffentlichkeit hinlänglich bekannt sind, ohne dabei allerdings sonderlich konkret zu werden. Auch, dass er keine Hinweise zur Analyse der Situation und ihrer Ursachen gibt, könnte man ihm durchgehen lassen und es wäre schade um das Papier dieser Erwiderung, wenn es Maaß bei alledem belassen hätte. Teile seiner Thesen enthalten jedoch vermeintliche Lösungsvorschläge, die dazu geschaffen sind, viele vor den Kopf zu stoßen.

Der Fantasie der Lesenden bleibt es überlassen, sich vorzustellen, was der so erfahrene Schulleiter in seinem Wirkungsbereich täglich erleben muss, wenn er mangelnde Professionalität und eine Schulwirklichkeit beklagt, die nach Verbesserungen rufe. Es müsse endlich wieder »guter Unterricht praktiziert werden« können. Das weckt die Neugier, wie Maaß sich das vorstellt.

Wer sich dann in seiner 2. These bis zu diesem letzten Satz durchgewurstelt hat, erfährt, dass all das zu beklagende Elend auf das Fehlen kompetenter Bildungsfachleute zurückzuführen sei.
In These 3 erfährt man dann, dass Maaß diese Kompetenz in Kreisen der Wirtschaft vermutet, die er gleich zur Mitarbeit an seinem neuen Bildungsplan einlädt!
Aber freuen wir uns doch an These 7 und der darin geforderten Initiative, die zur Lösung allseits bekannter Personalprobleme führen soll:

Endlich gebührende Anerkennung für Leistung! Ein gänzlich neuer und sogar differenzierender Ansatz! Schulen sollen die Möglichkeit erhalten, durch Gehalt (!), Entlastung, zusätzliche Anerkennung (!!) regulierend auf ihr Personal und dessen Leistung sowie ausgleichend auf deren Belastungssituation einzuwirken. Endlich werden die vielen ausgelaugten und aufgrund von Missachtung ihres bisherigen Engagements durch Schulleitungen und Schulaufsicht frustrierten Kolleg*innen gerechte Behandlung erfahren! Und die Zuwendungen des Schulleiters, welche die jungen, hoch motivierten Studentinnen so dringend benötigen, sie werden endlich offiziell legitimiert! Wer fragt denn da noch nach Transparenz? Wahrscheinlich diejenigen, die schon wieder gegen Vergleichstests wettern. Ach, wir sind von diesem Ansatz so begeistert, dass wir ihn auch auf andere Personengruppen im Schulbereich angewandt sehen möchten allen voran natürlich die Schulleitungen. Auch da soll es einige geben, die ihren Job viel besser machen könnten. Die sind nämlich für die Gesunderhaltung des Personals mitverantwortlich und bewirken nicht selten das genaue Gegenteil. Vielleicht können zusätzliche Leistungsanreize da ja auch helfen. Und vielleicht die schlechte Stimmung kompensieren, die im Kollegium gegen die Leitung aufkommen könnte.

Aber es kommt Hoffnung auf: zusätzlich zu alledem wird in der Not das sehnlichst erwartete neue Lehrpersonal helfen. Eigentlich nichts Neues: die Idee an sich ist alt. Eine schöne Wortschöpfung ist ihm gelungen: »Lehrkräfte aus anderen Berufen «. Zum Qualifizierungsproblem, das die Schulaufsicht damit (geschaffen) hat, schweigt er sich wohlweislich aus… Aus der Not der »Krisenzeiten mit knappen Ressourcen« heraus wird Personalmangel zur Tugend erhoben, um flexibler mit »reduzierten formalen Hürden« reagieren und die Mitbestimmung besser umgehen zu können. Aber letztlich wird dadurch ja alles »professioneller« werden.

Im Ernst*: wir fragen uns, mit welcher Intention dieser »Beitrag zur bildungspolitischen Diskussion« von der BLZ in der heißesten Zeit des Bremischen Wahlkampfes veröffentlicht wird. Ohne Mühen wird man darin Inhalte erkennen, die sich in Wahlprogrammen der A-, B-, C- und F-Parteien zum Thema Bildung wiederfinden (und wohl auch in nicht wenigen Köpfen der Grünen). Sicher will uns die BLZ damit auf unsere schwierige und verantwortungsvolle Rolle vorbereiten, die wir während der beginnenden Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen einzunehmen haben?
Dann noch einmal ein Dankeschön dafür an die Redaktion der BLZ! Denn in Zeiten zugespitzter Auseinandersetzungen um Bildungspolitik ist es immer gut zu wissen, mit wem man an einem Strang in verschiedene Richtungen zieht.

Zur Kritik an der BLZ:

Der Schwerpunkt fragte, was sich an der Bildung ändern muss. Eingeladen wurden Gruppen und Einzelpersonen, mit denen die GEW punktuell oder häufiger zusammenarbeitet: ZEB, GSV und u.a. eben auch der Schulleitungsverband – für diesen schrieb Maaß.

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