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Sind mehr private Schulen eine Wohltat?

Zum Auftakt des Wahlkampfs machten die Grünen sich für die Entstaatlichung von Schulen stark.

16.01.2011 - von Petra Lichtenberg / Rüdiger Eckert

Wir fragen: Seit wann führt die private Verwaltung von Mängeln zu einer Qualitätssteigerung? Das größte Problem: Die Unterfinanzierung von Bildung wird dadurch nicht beseitigt. Auch der hohe Anteil an Kindern aus bildungsfernen Schichten in Bremen bleibt.
Mit Ziel- und Leistungsvereinbarungen soll (laut Frau Stahmann) festgelegt werden, wie viele Schüler den Abschluss schaffen. Solch eine Schule kann schwache Schüler nicht gebrauchen. Also werden die Schüler ausgesucht, die in dieses Raster passen. Die Guten ins Kröpfchen, der Rest ins Töpfchen, also in die staatlichen Schulen. Das befördert nur die soziale Spaltung in der Stadt!
Die zweite „innovative“ Idee: Sparen am Personal. An den Schulen selbst gilt dann: „hire and fire“. Die Schulen stellen selber einen bunten Mix (billigen) Personals ein und entlassen nach Bedarf. Hier kann man kräftig sparen. Bei freien Trägern stört dann auch das Personalvertretungsgesetz, das die Kollegen schützt, nicht mehr.
Professionalität ist etwas anderes. In den Schulen müssen gut ausgebildete Pädagogen unterrichten. Diese kosten in der Schule genauso viel Geld wie in anderen Bereichen. Hohe Professionalität und Kontinuität sind notwendige Voraussetzungen für Qualität. Die Forderung nach weiteren Professionen in den Schulen stellt nur dann eine Bereicherung dar, wenn sie zusätzlich in der Schule tätig sind, aber eben nicht als Ersatz für Lehrkräfte.
Recht hat Frau Stahmann mit ihrer Forderung nach weniger Bürokratie und mehr Spielraum für eigene pädagogische Konzepte der Schulen. Die dafür notwendigen demokratischen Strukturen hat es bis zu ihrer Abschaffung unter Bildungssenator Willi Lemke an Schulen gegeben. Leider sind sie unter der rotgrünen Regierung nicht wieder eingeführt worden. Es ist schwer zu glauben, dass eine entstaatlichte Schule – unter Erfolgsdruck und Sparzwang – demokratische Strukturen entwickeln kann, die das Kollegium und die Lehrkräfte zu „Kreativität“ beflügelt.
Demokratische Strukturen für pädagogische Konzepte und weniger Bürokratie sind an öffentlichen Schulen notwendig, aber an privaten Schulen – wenn überhaupt – nur auf Kosten der Sozialstruktur der Schüler und der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten möglich.

Nein! Entstaatlichung von Schulen ist kein Heilmittel. Auch nicht durch möglicherweise insolvenzgefährdete Wohlfahrtsverbände.

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