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Keine Bachelor-Absolvent*innen als Lehrer*innenvertretung

Seitens der Politik wurden 200 neue Lehrerstellen versprochen, die an die Tafel gebracht werden sollen. Derzeit wird ein erheblicher Teil dieser Stellen durch Neueinstellungen in die Stadtteilschule abgedeckt. Hier finden sich Kolleg*innen mit Staatsexamen, Diplom, Magister, Master und mittlerweile eine große Anzahl an Bachelor- Absolvent*innen.

16.06.2016 - Ina von Boetticher, Michael Mycik (Personalrat Schulen Bremen)

Für die Bildungsbehörde ist dies eine gängige Praxis um Unterrichtsausfall kostengünstig zu kompensieren. An vielen Schulen übernehmen die jungen Kolleg*innen mit Bachelor- Abschluss nicht nur Vertretungen im kleinen Stundenumfang, Hausaufgabenbetreuung oder Begleitung im Unterricht, sondern leiten auch eigenverantwortlich Kurse und Klassen. Das beinhaltet auch das Bewerten und Benoten der Schüler*innen. Diese inzwischen übliche Einsatzform von Bachelor-Absolvent*innen hat dazu geführt, dass ein großer Teil der Kolleg*innen mit einer hohen Stundenzahl, bis hin zu einer vollen Stelle, über die Stadtteilschule beschäftigt sind. Von einer Nebentätigkeit, parallel zum Studium, kann hierbei nicht mehr die Rede sein. Das führt neben dem Aufweichen der vorgegeben Qualitätsstandards auch zu einer erheblichen Belastung der Student*innen. Diese besitzen weder ein vollwertiges Studium und damit die entsprechende Ausbildung für die genannten Tätigkeiten, noch werden sie in irgendeiner Form betreut oder begleitet, wie z. B. Praktikant*innen oder Referendar*innen.
Aus einer anfänglichen Ausnahmesituation ist eine reguläre Vorgehensweise der Behörde geworden, sodass sich die Einsatzzahl der jungen Kolleg*innen ohne entsprechende Qualifikation im letzten Jahr erheblich erhöht hat. Mängel im Bildungssystem dürfen nicht durch Bachelor-Absolvent*innen kompensiert werden. Es darf kein Parallelsystem entstehen, in dem aus Zeitmangel sowie Gründen der gesundheitlichen Überlastung junge Menschen ihr Studium nicht beenden können.
Um Lücken in der Lehrerversorgung und in der Vertretungsreserve zu schließen fordert der Personalrat Schulen die Einstellung von voll ausgebildeten Lehrkräften, eine Aufstockung der Referendariatsplätze, sowie die bessere Organisierung der Qualifikation von Seiteneinsteiger*innen.
Aus den genannten Gründen wird der Personalrat Schulen mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 keinem Einsatz von Bachelor-Absolvent*innen in Schule mehr zustimmen.

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