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BildungsgerechtigkeitBeschämende Abiturquoten im Bremer Westen

Wie kann das sein? Ein Beispiel

 

 

16.03.2020 - Wilfried Meyer

Im Quartier Ohlenhof in Gröpelingen liegen die Abiturzahlen zwischen unter 20 Prozent und knapp über 20 Prozent. In der Bildungsberichterstattung der Senatorin von Anfang 2018 heißt es: „In Ortsteilen mit hohen Indexwerten zur sozialen Benachteiligung fallen die Abschlussquoten höherwertiger Abschlüsse niedriger aus als in Ortsteilen mit geringer sozialer Benachteiligung“ (Bildungsberichterstattung 11-17 Senat/ Heft 1 2018). Und: „Im Vergleich gilt diese Koppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg für die BRD besonders hoch.“ Diese Erkenntnis liegt bei Lehrkräften schon lange vor, weil logisch. Politiker brauchen die statistische Beweisführung nun auch schon seit etlichen Jahren. Selbst Frau Bogedan als „SPD-Linke“ warnt schon seit mindestens 2007 vor der Spaltung in arm und reich. Und selbst die dadurch gefährdete Demokratie ist nicht verborgen geblieben.

Bedenken mehrmals ignoriert

Aber gemessen werden sollen sie doch an ihren Taten, und da bietet sich doch der sogenannte Campus Ohlenhof geradezu an. Vollmundig wurde schon 2012 eine Taskforce gegründet. Den Viertklässlern der Grundschule am Halmerweg wurde eine tolle, neue Oberschule versprochen. Einige gutgläubige Eltern meldeten ihre Kinder dort an. Start in einem unrenovierten Teil der Grundschule, deren Schüler weiterhin im Container unterrichtet wurden. Die Illusion, mit 14 Millionen Euro könnte die Schule in ein bis zwei Jahren dort stehen wurde geschürt. Von wem? Jürgens-Pieper, Othmer, SPD Gröpelingen, Beirat, Schulaufsicht Heinrichs, Kraatz-Röper und Genthe-Welzel, Baufrau Lücking, um die Hauptakteure einmal namentlich zu erwähnen. Bedenken des Grundschulkollegiums und des Personalrats wurden ignoriert. Gebaut wurde nicht, es gab auch noch keinen Bauort. So zog sich in schimmeligen Altgebäuden und engen Containern der Nichtbau in die Länge. Versprochene Leckerli über ca. 7000 Euro für das GS-Kollegium wegen allerlei Unbill wurden dann doch nicht vergeben, denn eine neue Senatorin übernahm.

Bildungsbenachteiligung geblieben

Dann 2015 die Bürgerschaftswahl, die im Koalitionspapier die Schule gar nicht mehr bauen wollte! Nur der Protest der Betroffenen führte zur Wiederaufnahme der Planungen. Aber vielleicht ohne Mensa und dann doch auf einem Grundstück, welches der Stadt schon gehörte. Dort musste dann ein EU-Projekt, der Streichelzoo mit Kleintieren weichen, angeblich fand man keinen Tierpfleger. Jetzt läuft das Jahr 2020 und der Bau hat tatsächlich begonnen. Damals Eingeschulte haben nie ein neues Gebäude gesehen, die Oberschule sitzt in Containern auf dem Hof der Grundschule, das Gerede eines Campus hat nie aufgehört, die Akteure sind inzwischen fast alle verschwunden. Und ob es für eine Mensa reicht, das Geld? Wer weiß? Ob an anderen Stellen in Gröpelingen die soziale Schieflage besser oder genauso ignoriert wurde, kann nicht beurteilt werden. Da sich aber im „sozialen Ranking“ der Schulen nichts getan hat in den letzten zehn Jahren, gehen wir davon aus, dass die Bildungsbenachteiligung geblieben ist. Fazit: Jeder Mitarbeiter von Schulen weiß das seit Jahren, die Fakten sind bekannt, es hat sich nichts geändert. Die Hoffnung siecht zuletzt.