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Neue IQB-Studie an Bremer Schulen:

In Bremen sollen im Mai/Juni an etwa 77 Schulen in den 9. Klassen Vergleichstests im Bereich „Sprachen“ für eine neue bundesweite IQB-Studie durchgeführt werden. Im Vergleich: In Bayern und Niedersachsen werden je 90 Schulen getestet. Das Schuldatenschutzgesetz in Bremen soll schon zum 1. Mai geändert werden, damit Eltern ihre Zustimmung an der Befragung nicht mehr verweigern können.

16.03.2015 - Eltern soll die Mitsprache gesetzlich verweigert werden; GEW fordert stattdessen bessere Ausstattung der Schulen

Bremen – Zukünftig soll bei Schulleistungsstudien in Bremen, die im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) durchgeführt werden, für alle Schülerinnen und Schüler die Teilnahme an der Schülerbefragung verpflichtend sein. Obwohl der Landesdatenschutzbeauftragte seine Bedenken angemeldet, stimmte die Bildungsdeputation am 04. März der Gesetzesänderung zu. Die Schulen wurden von der Behörde bereits aufgefordert, die Anmeldungen der Klassen an der Vergleichsstudie vorzunehmen und die entsprechenden Daten einzugeben.

 

Petra Lichtenberg, Landesvorstandssprecherin der GEW Bremen stellt die Sinnhaftigkeit dieser Vergleichsstudie in Frage: „Wir Lehrkräfte brauchen keine neuen Vergleichstests, sondern eine bessere personelle Ausstattung der Schulen und ausreichend Zeit für den Unterricht und für die Schülerinnen und Schüler. Erst 2012 wurde mit PISA das Leseverständnis der 15-Jährigen getestet mit dem Ergebnis, dass deutsche Schulen sich „auszeichnen“ durch herkunftsbedingt ungleich verteilte Bildungschancen – und entsprechend ungleich erworbene Kompetenzen der Schüler. Die PISA-Ergebnisse haben aber zu keinerlei Verbesserungen an den Schulen geführt. Aber nur vom vielen Wiegen wird ein Schwein nicht fett.“

 

Lichtenberg kritisiert nicht nur, dass in Bremen unverhältnismäßig viele Schulen an der Studie teilnehmen, sondern auch, dass ausnahmslos alle Werkschulen in die Tests einbezogen werden sollen. „Die Sinnhaftigkeit erschließt sich nicht: Die Schülerinnen und Schüler der Werkschulen sind erst seit September 2014 in diesem Bildungsgang – mit sehr unterschiedlichen Schulbiografien,  einem hohen Bedarf an sozialpädagogischer Betreuung und an sonderpädagogischer Förderung und nur zwei Stunden Englisch in der Woche. Welche Aussagekraft und Akzeptanz soll das Bremer Ergebnis im Vergleich zu anderen Bundesländern haben?“, so Lichtenberg weiter. „Eltern und Beschäftigte an den Schulen beklagen seit Jahren die unzureichende Ausstattung der Bremer Schulen, insbesondere vor dem Hintergrund der Einführung der Inklusion. Hinzu kommt, dass Bremen bei der Kinderarmut an der Spitze liegt: In Bremen leiden 30 % aller Kinder unter Armut und es gibt einen ebenso hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. Unzählige Untersuchungen belegen den Zusammenhang zwischen Migration und Armutsrisiko und den Zusammenhang zwischen Armut und dem Mangel an Bildung.“

 

So lange die Schulen sich durch diverse Notmaßnahmen über die Runden helfen müssen, beispielsweise mit

-          Betreuung statt Unterricht;

-          Ausschöpfung bis Überdehnung des Beamtengesetzes in Form von Mehrarbeit;

-          Ausschöpfung des bedarfsdeckenden Unterrichts von Referendar*innen und Angebote an diese Personengruppe zusätzliche Stunden zu geben („Nebentätigkeit“);

-          Aufteilen von Klassen;

-          Einsetzen von sonderpädagogischen und weiteren ausgewiesenen Förderstunden für Regelunterricht;

-          Erhöhung der realen Klassenfrequenzen,

so lange wird kein „Durchbruch“ erzielt werden.

 

Und endlich muss man sich mit den Altlasten befassen. Bis 2005 war es der Großen Koalition „gelungen“, das Stellenvolumen im Schulbereich um 14 % zu kürzen – bei nahezu gleichbleibender Schülerzahl. Angegriffen wurde damals die Grundversorgung, bis heute sind die Folgen zu spüren.

Investitionen in Kitas und Schulen sind deshalb eine zwingende Notwendigkeit, eine Konzentration auf benachteiligte und kinderreiche Quartiere ist erforderlich. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz der BaFöG-Mittel für die Absicherung der Unterrichtsversorgung und die Sprachbildung in der Grundschule ein richtiger Schritt. Er wird nur nicht reichen! „Das Geld für weitere kostspielige Tests sollte lieber in die Ausstattung der Schulen fließen“, schließt Lichtenberg ab.

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