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"Bremen hat faktisch ein Drei-Säulen-Schulsystem"

06.01.2017 - Christian Gloede

GEW zum Interview mit Prof. K. Maatz, Leiter der Evaluationskommission

Im "Weser-Kurier" vom 06. Januar stellte Prof. Maatz seine Überlegungen zur Evaluation des Bremer Schulsystems vor. Wie auch Prof. Maatz am Schluss seines Interviews ist die GEW der Überzeugung, dass "Eine Schule für Alle", anknüpfend an eine hochwertige frühkindliche Bildung, die beste pädagogische Lösung ist. Maatz jedoch hält dies bildungspolitisch für nicht durchsetzbar und spricht sich vorab für eine Beibehaltung des Zwei-Säulen-Modells aus. Unabhängig von pädagogischen und schulpolitischen Bekenntnissen erwartet die GEW jedoch, dass eine Evaluationskommission kritisch die Schwachpunkte des Bremer Systems aufarbeitet.

Bremen –  2009 wurden auf Veranlassung der damaligen Senatorin Jürgens-Pieper in der Stadtgemeinde Bremen die Oberstufenzentren quasi abgeschafft und an einigen Oberschulen neue kleine Oberstufen eingerichtet. „Es entstand faktisch ein Drei-Säulen-Modell in der Sekundarstufe“, so Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW. Durchgängige Gymnasien, bis zum Abitur durchgängige Oberschulen und Oberschulen ohne Oberstufe, parallel noch die Weiterführung der Förderzentren als quasi vierter Säule. „Aufgabe der Evaluation muss sein, die Wirkungen dieser Umorganisation auf die einzelnen Schulstufen zu analysieren.“

Begünstigt die Existenz von faktisch drei Schularten die soziale und leistungsmäßige Entmischung? Wie haben sich in der Sekundarstufe II Fächervielfalt und Wahlmöglichkeiten entwickelt? Welche Auswirkungen hatte dies auf die Grundschulen? Zeitgleich sollte die Realisierung der Inklusion beginnen. Die Gymnasien blieben davon weitgehend ausgenommen. Der Widerspruch zwischen der Auslese leistungsstarker Schüler*innen und dem umfassenden Anspruch der Inklusion wurde nicht aufgelöst, sondern spitzte sich in den Oberschulen eher noch zu: Mangelnde Vorbereitung, unzureichende Ausstattung, Überlastung vieler Lehrkräfte und sonderpädagogischer Fachkräftemangel kennzeichnen dies. „Aufgabe der Evaluation muss es sein, die Mängel offenzulegen und Lösungswege aufzuzeigen, im Interesse der Lernenden und Lehrenden“, so Gloede.
Es ist zu untersuchen, in wie weit das Missverhältnis von neuer Aufgabenstellung und unzureichender Ressourcen den gesamten Prozess beeinflusst, Auswirkungen auf Schulqualität und Lernerfolg, den Krankenstand und die Berufszufriedenheit der Beschäftigten hat. Dabei muss auch die Steuerungskompetenz der verantwortlichen Institutionen in den Blick genommen werden.

Die GEW erwartet Antworten zu diesen Fragen.

Für Nachfragen steht zur Verfügung:
Christian Gloede (mobil 0174-9790755)

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