GEW Bremen
Du bist hier:

CoronaMit und ohne Corona: So, wie es jetzt aussieht, darf es nicht bleiben.

Rückmeldungen aus nahezu der Hälfte aller Bremerhavener Schulen zeigen, dass der Unterricht an vielen Stellen nur gerade eben gewährleistet werden kann.

24.09.2020

Bremen/Bremerhaven – „Die Kolleg*innen berichten von Vertretungen, die sie jetzt noch häufiger übernehmen müssen. Darüber hinaus übernimmt das Personal oft eine sehr hohe Anzahl an Pausenaufsichten“ sagt die Landesvorstandssprecherin der GEW, Elke Suhr.

„Durch gestaffelte Anfänge und versetzte Pausen verlängert sich der Schultag. Die Arbeitsbelastung steigt.“

Die Versäumnisse der Vergangenheit – der Rückbau von Studienplätzen im Bereich Lehramt im Land Bremen, fehlende Personalentwicklungskonzepte und nicht vorhandene Vertretungsreserven – werden durch Corona noch sichtbarer und tragen dazu bei, dass die Personallage sehr fragil ist. Das Kartenhaus steht kurz vor dem Zusammenbruch. Es ist bemerkenswert, wie gut den Schulen der Einstieg in das neue Schuljahr trotzdem gelungen ist. „Dies hängt auch wesentlich damit zusammen, dass ein Großteil des Personals, das zu Risikogruppen gehört, auf ‚eigene Gefahr‘ vor Ort tätig ist.

„Außerdem werden Lehrkräfte der weiterführenden Schulen und die Kolleg*innen in der Betreuung in vielen verschiedenen Gruppen und Kursen eingesetzt. Damit wird das das Kohortenprinzip zugunsten einer besseren Versorgung der Schüler*innen praktisch außer Kraft gesetzt“,

ergänzt der Bremerhavener Stadtverbandssprecher der GEW, Peer Jaschinski.

Auch wenn im Bereich der Hygiene zum Teil nachgesteuert wurde – es gibt jetzt tatsächlich Seifenspender an den Handwaschbecken – gibt es Schulen, in denen sich das Belüftungskonzept nicht umsetzen lässt. Häufig lassen sich die Fenster nicht öffnen oder nur ‚auf Kipp‘ stellen. Im Sportunterricht ist Lüftung und Distanzwahrung eine kaum einzuhaltende Anforderung.

„Die amtliche Vorgabe, möglichst viel von der Stundentafel zu schaffen, die Bezugsgruppen so klein wie möglich zu halten und die Hygieneregeln einzuhalten, stößt an praktische Grenzen.“ sagt Suhr. „Das ändert auch die Ausstattung mit digitalen Endgeräten nicht. Den Kolleg*innen muss Zeit gegeben werden, um sich in den digitalen Unterricht einzuarbeiten. Die Fortbildungen, die im Augenblick schnell ausgebucht sind und noch zusätzlich geleistet werden müssen, reichen nicht aus“, sagt Elke Suhr.

„Hier muss echte Entlastung in Form einer Stundenreduzierung bei der Unterrichtsverpflichtung erfolgen.“

„Der Sprung in den digitalen Distanzunterricht gelingt auch deshalb häufig nicht, weil Erziehungsberechtigte nicht in der Lage sind, Material aus den Schulen auszudrucken“ ergänzt Jaschinski. „Auch der Einsatz digitaler, interaktiver Programme statt dem Versenden von analogen Arbeitsblättern bedarf einer intensiveren didaktischen Auseinandersetzung als nur das Betätigen des Downloadbuttons mit dem Zeigefinger.“

So zeigt sich die ‚neue Normalität‘ im Herbst 2020. Trotz aller Maskierung scheinen aber immer wieder alte Strukturen durch:
Fachkräftemangel und funktionsuntüchtige Fenster in Schulen mit einem hohen Sanierungsbedarf sind wirklich nicht neu und bestärken uns in der Einschätzung, dass die Bremische Bildungspolitik und eine gute Bildung für alle in diesem Land nur schlecht zusammenpassen.

Für Nachfragen steht zur Verfügung:
Elke Suhr 
Peer Jaschinski