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Bremerhavener „Aktionsbündnis für Bildung“Zukunft. Bildung. Jetzt Zukunft statt Verkleisterung

Demonstrativ haben Delegierte aller Schulstufen vom Bremerhavener „Aktionsbündnis für Bildung“ heute vor dem Rathaus in Bremen eine weitere Sitzung ihrer Zukunftskommission abgehalten.

24.10.2019 - Bernd Winkelmann

Bremerhaven – Die Demonstrierenden forderten eine sofortige Verbesserung der Situation an den Schulen und eine Kenntnisnahme der tatsächlichen Lage durch die Politik. Bürgermeister Bovenschulte erhielt von den Teilnehmer*innen einen „Kommissionssitz“, um sich als Teilnehmer an der nächsten Kommissionssitzung den drängenden Problemen direkt widmen zu können.

Das Motto „Zukunft. Bildung. Jetzt“ verweist auf die mit großem Aufwand betriebene Zukunftskommission des ehemaligen Bürgermeisters Sieling. Dieser ist zwar mittlerweile Geschichte, geblieben allerdings sind die Probleme in den Schulen, von der Versorgung mit Pädagog*innen über die mangelnden finanziellen Mittel bis zur Finanzierung der Neu- und Umbauten. Der Handlungsdruck ist enorm, deshalb werden Initiativen „Jetzt“ benötigt, nicht erst in weiter Zukunft.

Der Untertitel „Zukunft statt Verkleistern“ unterstreicht die Erwartung, dass die Realitäten an den Schulen gewürdigt werden – so wie sie sind. U.a. folgende Beispiele wurden vorgetragen:

  •  Doppelbesetzungen, unbedingt hilfreich für individuelle Förderung, werden aufgelöst;
  • zusätzliche Vertretungsstunden werden angeordnet, obwohl die Unterrichtsverpflichtung bundesweit in der Spitzengruppe liegt;
  • die parallele Betreuung zweier Klassen ist ein ebenso etabliertes Mittel wie
  • die Aufteilung ganzer Klassen auf andere Lerngruppen.

Alle die Maßnahmen gehen zu Lasten der Kolleg*innen und der Qualität des Unterrichts. Eine „versteckte“ Arbeitszeiterhöhung wird mindestens billigend in Kauf genommen.

Wenn im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung von „Attraktivitätssteigerung der Schulen“ und „Ausstattung mit Fachpersonal und Materialien“ die Rede ist, dann mögen die Koalitionäre doch endlich Programme auflegen, die sich den Anforderungen stellen, denn:

 

  • Wir haben keine Reserven: Die Unterrichtsversorgung in Bremerhaven beträgt 96,6 %, nicht 105 % wie versprochen;
  •  die Fachlichkeit des Unterrichts ist bedroht: Neben dem fachfremden Unterricht in erheblichem Umfang existiert ein hochgradiger Mangel in verschiedenen Fächern an diversen Schulen und
  • auch für den geforderten „Personalmix“ benötigt man – Personal. Schulsozialarbeit, Ganztagsbetreuung und gezielte Förderung gehören in eine zeitgemäße Schule. Jedoch ist auch dieses Fachpersonal schwer zu bekommen.

Damit wird deutlich: Wir benötigen eine tatsächliche Bildungsoffensive, die eine Ausweitung der Ausbildungskapazitäten aller pädagogischen Professionen beinhaltet sowie eine Attraktivitätssteigerung dieser Berufe umsetzt. Der Finanzierungsvorbehalt im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung, der alle Maßnahmen im Bereich Bildung betrifft, muss aufgehoben werden.

Hintergrund: Im Sommer 2019 wurden allein 40 Stellen für Lehrkräfte (von 1.196 Stellen insgesamt) nicht besetzt. Zur 105 % Versorgung der Schulen (einschl. Vertretungsreserven) benötigt die Stadt 60 weitere Lehrkräfte. Die Unterdeckung in Bremerhaven beträgt damit 100 Stellen.

Für Nachfragen steht zur Verfügung:
Bernd Winkelmann | 0162-97 31 230

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