GEW Bremen
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GEW BremerhavenSo sieht's aus (2018)

Eine Übersicht über die Situation an den Schulen der Stadt zeigt eindeutig:

Trotz aller Anstrengungen wird das durch die Behörden versprochene Minimum an Ausstattung mit Arbeitskräften nicht gewährleistet. Die Versorgungsquote mit Lehrkräften von 97,5 % unterstreicht den Personalmangel beispielhaft.

23.08.2018 - Bernd Winkelmann

In einer Sitzung von Schulvertreter*innen wurden im Einzelnen folgende Problemlagen
hervorgehoben:


- Der Fachkräftemangel betrifft neben den bislang benannten Fächern auch Englisch sowie Kunst, Musik und Sport;
- der unbestritten hohe Bedarf an Sonderpädagog*innen wird durch deren Einsatz im Regelunterricht bzw. als Klassenlehrer*in noch verschärft;
- im Bereich der Grund- und Oberschulen arbeiten an einigen Standorten zu gleichen Teilen regulär ausgebildete Lehrkräfte und Seiten- und Quereinsteiger*innen;
- erfahrene Kolleg*innen befinden sich als Konsequenz daraus in einem ständigen Prozess der Unterstützung von Ausbildung und Einarbeitung;
- die politisch zugesagte Ausweitung der Ganztagsschulen, ein schulpolitisch für Bremerhaven richtiger Weg, wird kritisch eingeschätzt, da schon heute Angebote inhaltlich wegen des Mangels an Personal eingeschränkt werden müssen;
- trotz des erheblichen Einsatzes aller Beteiligten gelingt es nicht, Referendar*innen in ausreichendem Maße für eine Weiterarbeit nach der Ausbildung in Bremerhaven zu gewinnen.


In der Einschätzung der Gesamtsituation ist zu bedenken, dass die Engführung der Schlussfolgerungen aus den „PISA“-Ergebnissen mit einer Betonung der Kernfächer die Umsetzung eines umfassenden Bildungsverständnisses gefährdet. In einem Zentralbereich der letzten Bildungsreform, der individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen, sind Mängel unbestreitbar: Findet eine Analyse der Förderbedarfe bei Kindern und Jugendlichen noch statt, so können daraus abgeleitete Förder-Maßnahmen und Programme nicht im erforderlichen Umfang durchgeführt werden.


Erfahrungsgemäß ist die Belastung zu Schuljahresbeginn hoch. Dessen ungeachtet haben Quer- und Seiteneinsteiger*innen einen berechtigten Anspruch auf Qualifizierung, und erfahrene Mitarbeiter*innen sollen ihnen auch als Mentor*innen zur Seite stehen.
Nur: In einer derartigen Situation der personellen Knappheit müssen endlich entschlossener
Maßnahmen ergriffen werden:


- Zu allererst ist der Aufgabenkatalog der Schulen zu überprüfen – die Schulen müssen die Anforderungen, die an sie gestellt werden, auch schaffen können;
- der Magistrat hat richtigerweise vom Senat eine Gleichbesoldung der Lehrkräfte und eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung eingefordert. Dies wären wirkungsvolle Signale, es ist Zeit zu handeln!
- Die Stadt selber muss ihre Überlegungen hinsichtlich des „Haltens“ junger Lehrkräfte verstärken. Eine bedeutende Frage lautet: Wann ist die Beteiligung an Schulentwicklung ein so starkes Argument, dass Menschen, die in Bremen oder im Umland wohnen, in der Seestadt arbeiten?
- Die Lehrer*innenausbildung ist auszuweiten: Ja, es wird Jahre dauern bis heutige Abiturient*innen zu Lehrkräten ausgebildet sind. Nur irgendwann muss der Schalter umgelegt werden, damit die Mangelsituation zumindest auf Sicht behoben wird.

Die Diskussion mit den Schulvertreter*innen unterstreicht, dass Schulen, die schon zum Start auf Höchstdrehzahl laufen, nicht attraktiv sind. Eine grundlegende Verbesserung der Arbeits- und Lernsituation ist dringend geboten.

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