GEW Bremen
Sie sind hier:

Schulfrieden nur mit einer „Schule für Alle“!

23.02.2018

GEW evaluiert 10 Jahre Bremer Oberschule

Seit über einem Jahr wird die Oberschule in Bremen von einer Expertengruppe um Prof. Dr. Maaz evaluiert. Die Ergebnisse sollen Ende des Monats vorgestellt werden. Die GEW Bremen hat als Bildungsgewerkschaft den Schulreformprozess (Bremer Schulfrieden) von Anfang an kritisch begleitet und fühlt sich herausgefordert, dieser externen Evaluation eine eigene, gewerkschaftliche Experten-Auswertung gegenüberzustellen. Das Ergebnis legt die GEW heute vor: Die Oberschule wird dem Anspruch, eine Schule für alle Kinder und Jugendlichen zu sein, nicht gerecht. Die „Schule für Alle“ ist eine Alternative!

Bremen – In den Ergebnissen wird deutlich, dass sich die Oberschule auch zehn Jahre nach ihrer Einführung nicht zu einer einheitlichen Schulform entwickelt hat: „Während sich Oberschulen mit eigener Oberstufe, und damit der Möglichkeit hier Abitur zu machen, in bürgerlichen Stadtteilen einer hohen Akzeptanz in der Elternschaft erfreuen, drohen sich andere Oberschulen in sozial benachteiligten Stadtteilen zu einer Art Restschule zu entwickeln“ sagt Rebecca Schwenzer, Lehrerin an der Oberschule Ronzelenstraße.
Ursprünglich anvisierte Standards in der sonderpädagogischen Förderung, die für eine inklusive Schulform entscheidend sind, werden deutlich unterschritten: „Nur mit ausreichend und gut ausgebildeten Sonderpädagog*innen ist es möglich allen Kindern und Jugendlichen eine Chance auf gute Bildung und sinnvolle Förderung zu geben! Das ist im Moment nicht der Fall!“ äußert sich Kai Reimers, Sonderpädagoge an der Oberschule Lesum, zu der aktuellen Situation. 

Die Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen stellt eine große Herausforderung dar. Unflexible Regelungen zur Verweildauer der Schüler*innen in den Vorkursen (Spracherwerbsklassen) führen dazu, dass viele Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse und ohne zusätzliche Unterstützung in den Regelunterricht integriert werden. „Neben qualifiziertem Unterricht muss soziale Arbeit wesentlicher Bestandteil der Bremer Oberschulen sein“ fordert Landesvorstandssprecherin der GEW Ina von Boetticher.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Senat den Finanzierungsbedarf der Schulreform 2008/2009 weit unterschätzt hat. Ina von Boetticher dazu: „Eine gelingende Oberschule, die ihren Schüler*innen pädagogisch gerecht wird, braucht schlicht mehr Fachpersonal; außerdem Schulgebäude, die von der Sporthalle, über Klassenräume, bis hin zur Mensa und Sanitäranlagen, in einem professionell-nutzbaren Zustand sind und kein Gefährdungspotenzial darstellen“. Für Bremen ergibt sich hier allein für die allgemeinbildenden Schulen ein jährlicher Nachfinanzierungsbedarf in dreistelliger Millionenhöhe.

Für Nachfragen steht zur Verfügung:
Ina von Boetticher | Telefon: 0421 3376 431 | email : von.boetticher [at] gew-hb.de

Zurück