GEW Bremen
Du bist hier:

Neue Vergleichs-Studie an Bremer Schulen - GEW fordert stattdessen bessere personelle Ausstattung

Gestern hat die Bremische Bürgerschaft auf Vorschlag des Senats das Schuldatenschutz­gesetz so geändert, dass Kinder auch ohne Zustimmung ihrer Eltern an Vergleichstests teilnehmen müssen. Der Hintergrund ist ein neuer schon für Mai und Juni geplanter Vergleichstest im Bereich „Sprachen“ in den 9. Klassen von etwa 77 Schulen in Bremen. In den Flächenstaaten Bayern und Niedersachsen werden für den neuen bundesweite IQB-Studie (IQB = Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) jeweils 90 Schulen getestet.

23.04.2015 - Petra Lichtenberg

Petra Lichtenberg, Landesvorstandssprecherin der GEW Bremen stellt die Sinnhaftigkeit dieser Vergleichsstudie in Frage: „An 77 Schulen wird hier Unterrichtsausfall bewusst in Kauf genommen. Eine neue Datenerhebung, die erfahrungsgemäß zu keinen Konsequenzen führt, kostet Geld und Zeit, beides könnte sehr viel sinnvoller genutzt werden.“ Lehrkräfte bräuchten keine neuen Vergleichstests, sondern eine bessere personelle Ausstattung der Schulen und ausreichend Zeit für den Unterricht und für die Schülerinnen und Schüler. Erst 2012 sei mit PISA das Leseverständnis der 15-Jährigen getestet worden mit dem Ergebnis, dass deutsche Schulen sich „auszeichnen“ durch herkunftsbedingt ungleich verteilte Bildungschancen – und entsprechend ungleich erworbene Kompetenzen der Schüler. „Die PISA-Ergebnisse haben aber zu keinerlei Verbesserungen an den Schulen geführt“, so Lichtenberg. Die aktuelle Berichterstattung über den hohen Unterrichtsausfall an Bremer Schulen sei nur ein Beispiel dafür.

Lichtenberg kritisiert nicht nur, dass in Bremen unverhältnismäßig viele Schulen an der Studie teilnehmen, sondern auch, dass ausnahmslos alle Werkschulen in die Tests einbezogen werden sollen. „Die Schülerinnen und Schüler der Werkschulen sind erst seit September 2014 in diesem Bildungsgang – mit sehr unterschiedlichen Schulbiografien, einem hohen Bedarf an sozialpädagogischer Betreuung und an sonderpädagogischer Förderung und nur zwei Stunden Englisch in der Woche. Welche Aussagekraft und Akzeptanz soll das Bremer Ergebnis im Vergleich zu anderen Bundesländern haben?“, so Lichtenberg weiter.

 

Eltern soll die Mitsprache gesetzlich verweigert werden

Die GEW kritisiert auch, dass zukünftig bei Schulleistungsstudien in Bremen, die im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) durchgeführt werden, die Teilnahme an der Schülerbefragung für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend soll sein. Obwohl der Landesdatenschutzbeauftragte Bedenken angemeldet hat, hat die Bürgerschaft der Gesetzesänderung nun zugestimmt. Die Schulen wurden von der Behörde schon vor Wochen bereits aufgefordert, die Anmeldungen der Klassen an der Vergleichsstudie vorzunehmen und die entsprechenden Daten einzugeben.

Zurück