GEW Bremen
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CoronaGEW: Öffnung der Grundschulen in ganzer Klassenstärke ist übereilt

Die derzeitigen Kleingruppen sind pädagogisch sinnvoll und erfolgreich

10.06.2020

Die neueste Entwicklung hin zu einer Öffnung der Grundschulen für Klassen in voller Klassenstärke wird vom schulischen Personal sehr kritisch gesehen. „Für viele Lehrkräfte ist es frustrierend, dass von den Politiker*innen nicht wahrgenommen wird, wie positiv sich die Kleingruppenbeschulung auf den Lernerfolg auswirkt“ sagt die Landesvorstandssprecherin der GEW Elke Suhr:

„Die Lehrkräfte haben sich mit sehr viel Engagement in die veränderten Unterrichtsbedingungen eingearbeitet, kreative Wege gefunden, um den derzeit nicht vermeidbaren Frontalunterricht möglichst kindgerecht zu gestalten und empfinden die vollständige Öffnung jetzt als eine geringe Wertschätzung ihrer bisherigen Arbeit und ihrer Gesundheit.“

 „Besonders leistungsschwächere Schüler*innen profitieren von der Beschulung in kleineren Gruppen, da die Lehrkräfte mehr Zeit haben, individuell und differenziert auf die Schüler*innen einzugehen und diese Intensität des Unterrichts die kürzere Beschulung fast ausgleichen würde.“ ergänzt Landesvorstandssprecherin Barbara Schüll.

Durch die schnelle Öffnung der Schulen, hin zu einem eingeschränkten Regelbetrieb, würden diese positiven Effekte wieder zunichte gemacht. 

Hinzu kommt, dass schulisches Personal, das einer Risikogruppe zugehört, im Augenblick zum Teil noch in Schule tätig ist, da bei der Beschulung in Kleingruppen das Abstandsgebot einhalten werden kann. 

Wenn die Klassen in ganzer Gruppenstärke wieder in den Schulen sind, wird noch mehr Personal aus den Risikogruppen nicht mehr für die Arbeit am Kind zur Verfügung stehen, wodurch es dann wahrscheinlich zu einem verstärkten Unterrichtsausfall kommen kann. Das steht dann im Widerspruch zu dem Recht der Kinder auf Bildung.

Die Studien, mit denen der Senat das Beenden der Abstandsregeln für Grundschul- und Kitakinder begründet, sind umstritten; das RKI kommt weiterhin zu einer anderen Einschätzung. Für valide Daten braucht es natürlich reelle Bedingungen. Das Personal fürchtet jetzt für eine Feldstudie herangezogen zu werden, bei der die Konsequenzen in Form von Krankheit oder Quarantäne dann gegebenenfalls in den Ferien durchgemacht werden müssen.

Da durch das Öffnen eines eingeschränkten Regelbetriebes in den Kitas die Notbetreuung beendet wird, wird es für Angehörige systemrelevanter Berufe schwierig werden, ihre Kinder betreuen zu lassen, das wird dann u.a. auch Auswirkungen auf das Personal in den Bildungseinrichtungen haben, die diesen dann nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen können.

Für Nachfragen steht zur Verfügung:
Elke Suhr 

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