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LockdownGEW: Corona-Kurs strapaziert die Gesundheit aller Beschäftigten in Schule und reduziert die Bildungsqualität im Land Bremen

GEW Bremen fordert einen runder Tisch, an dem auch der Personalrat Schulen und die GEW einen Platz bekommen. Es ist höchste Zeit, endlich in einen regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit der Senatorischen Behörde zu kommen.

01.02.2021 - Elke Suhr

„Durch das ständige Navigieren der Senatorin für Kinder und Bildung (SKB) am äußersten Rand der RKI-Vorschläge und der Bundesvorgaben, sind im letzten halben Jahr fast wöchentlich Korrekturen im Kurs der SKB nötig gewesen, um den Mindestschutz an Schulen umzusetzen. Diese ständigen Umstellungen der Unterrichtsabläufe führen in den Kollegien zu Überlastung und dadurch auch zu einer Minderung der Bildungsqualität im Land Bremen“, so GEW-Landesvorstandssprecher Jan Ströh. Das Ergebnis sei, dass viele Beschäftigte am Ende ihrer Kräfte angelangt sind: „Die Schulen fahren im Grunde auf der Felge“, meint Ströh.

Anstatt nachhaltige Strukturen zu etablieren, die die Rahmenbe­dingungen in Schule stabilisieren, steuert die SKB seit Wochen an jeder Nothaltebucht vorbei. Irgendwann bleiben wir einfach kollektiv liegen.

Das Problem liegt laut GEW-Landessprecher Jan Ströh vor allem darin, dass gute Bildung und funktionierende Lernprozesse auf gelingende Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern angewiesen seien. Diese Kommunikations- und Beziehungsarbeit ist das Kerngeschäft der Beschäftigten in Schule— ohne diese sind gelingende Lernprozesse schwer umzusetzen.

Die ständigen Wechsel zwischen unterschiedlichen Unterrichtskonstellationen (u.a. „eingeschränkter Regelbetrieb“, Notbetreuung, Wechselunterricht mit oder ohne Präsenzpflicht) führten wiederholt zu Brüchen in der Kommunikation Schüler/in-Lehrkraft und bedeutete jedes Mal an den Schulen einen enormen zusätzlichen Arbeitsaufwand, um Kommunikation und Lernen neu anzubahnen.

„Nur gesunde Pädagoginnen und Pädagogen können diese auf Dauer extrem körperlich und psychisch anstrengende Beziehungsarbeit leisten – das scheint die Senatorin zu vergessen, wenn sie ständig die Rahmenbedingungen verändert und damit Kontinuität und Planbarkeit in den Schulen erschwert“, so Ströh. 

Eine Schule bzw. ein ganzes Bundesland kann nicht jede Oszillation der Corona-Statistiken mitmachen – da muss ein organisatorischer Puffer eingebaut werden, damit man im Sinne der Schülerinnen und Schüler halbwegs konstant planen und arbeiten kann und trotzdem RKI-Empfehlungen, wie z.B. ausreichend Abstand untereinander, umsetzt. Der Bildungsqualität ist ständiges spontanes Umsteuern abträglich.

Ströh fürchtet, dass bereits mittelfristig viele Beschäftigte in Schule durch die ständige Überlastung krankheitsbedingt länger ausfallen könnten:

„Das ist ein Teufelskreis: Um an den Schulen trotz Pandemie eine gewisse Normalität herzustellen, wird immer weniger Beschäftigten immer mehr Arbeit aufgebürdet – bis auch diese, wie sollte es anders sein, unter der Last zusammenbrechen oder innerlich kündigen.“

Die Lernplattform itslearning und die Anschaffung der iPads nun als Lösung aller Probleme zu beschwören, reiche nicht. Im Gegenteil: Zunächst bedeute das Umstellen auf digitale Abläufe mehr Energie und Aufwand, was zu einer Verdichtung und Entgrenzung der Arbeitszeit vieler Kolleginnen und Kollegen geführt habe: „Es bedeutet das Vielfache des normalen Aufwands, wenn ein digitales Angebot eine normale Unterrichtsstunde gleichwertig ersetzen soll“, so Ströh. Ähnlich sieht dies die GEW-Landessprecherin Elke Suhr: „

Der Beruf der Lehrkraft entwickelt sich immer mehr zu einem Job, in dem man 24/7 für seinen Arbeitgeber und die Schülerschaft präsent sein muss. Das hält auf Dauer niemand durch.

Der Sommer sowie der Herbst 2020 seien nicht ausreichend genutzt worden, um die notwendigen Veränderungen auf den Weg zu bringen. „Um die Digitalisierung nachhaltig zu implementieren, braucht es mehr als Geräte: An allen Ecken und Enden fehlt gut ausgebildetes Personal. Der Fachkräftemangel wird nun nochmal sichtbarer als er es vorher schon war“, so Ströh weiter. Schon mittelfristig müsse daher auch über eine Absenkung der Deputatsstunden nachgedacht werden, um die Aufgaben insgesamt machbar und den Beruf jetzt und in Zukunft wieder attraktiver zu machen.

Bevor Besserung in Aussicht sei, komme nun allerdings bereits die nächste zeit- und energiefressende Kurskorrektur: die Verschiebung der Abschlussprüfungen, die nun etwas später erfolgen sollen als gewohnt.

„Was helfen würde, wäre ein runder Tisch, an dem auch der Personalrat Schulen und die GEW einen Platz bekommen.

Es sei höchste Zeit, endlich in einen regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit der Senatorischen Behörde zu kommen, so Elke Suhr und Jan Ströh.

Für Nachfragen stehen zur Verfügung:
Elke Suhr | Jan Ströh 

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