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GEW PositionGEW Bremen zum 21.11.2019: 100 Tage neuer Senat – Schonzeit vorbei!

"Wir brauchen ein Bekenntnis zu vielfältigen Investitionen in Bildung!"

19.11.2019 - Christain Gloede

Am 21. November enden die ersten 100 Tage des neuen rotgrünroten Senats in Bremen. Dazu erklärt Christian Gloede, scheidender Landesvorstandssprecher der GEW Bremen: „Anders als die „Seute Deern“ oder die GENO hat die GEW der neuen Regierung Zeit gelassen sich zu finden und einen Plan zu entwickeln, jungen Bremer*innen wieder Bildungsperspektiven zu eröffnen.

Die Hoffnungen liegen im neuen Haushalt, werden diese enttäuscht, sind gewerkschaftlicher und gesellschaftlicher Protest und Widerstand unausweichlich.

Wir werden uns nicht mehr abspeisen lassen mit Hinweisen auf Haushaltsnotlagen. Wir haben in Bremen eine Bildungsnotlage, die die Zukunft von Kindern und Jugendlichen massiv gefährdet. Hier entschieden gegenzusteuern ist klarer Auftrag an RotGrünRot!“

Mit Verweis auf desolate Finanzlage Kindern, Jugendlichen, Studierenden und allen Lerninteressierten die notwendige Bildung vorzuenthalten sei sträflich! „Wir brauchen ein Bekenntnis zu vielfältigen Investitionen in Bildung! Unstrittig muss aber sein: Es gibt über Jahre keine gute Lage, sondern wohl nur gute Wege, diesem Mangel zu begegnen. Diese Wege müssen im Konsens mit den Beschäftigten beschritten werden und mittelfristig jeglichen Qualitätsabbau und jegliche Dequalifizierung verhindern. Nur dann ist es möglich, in Kitas, Schulen und in der Ausbildung Regelungen für eine Übergangszeit zu vereinbaren.“

Gloede nennt insbesondere Seiteneinstiegsprogramme für pädagogische Fach- und Lehrkräfte. Diese müssten begleitet werden durch verbindliche berufsbegleitende Qualifizierungsprogramme wie durch fachpraktische Begleitungen in den Kitas und Schulen, realisierbar durch Entlastung der Kolleg*innen für Mentoring.

„Wenn Bestandsfachkräfte nicht entlastet werden, droht weiterer Aderlass durch Erschöpfung. Dies ist nicht zu verantworten. Wir brauchen eine Neubestimmung von Arbeitszeit und Absenkung der Unterrichtsverpflichtung, Verabredungen zur Gruppenreduzierung sowie weitere Entlastungen bei Arbeitsbedingungen“,

fordert Gloede. Hier gemeinsame Vereinbarungen zu treffen, könne auch vorhandene Potenziale aus dem sehr hohen Anteil von Teilzeitarbeitsverhältnissen erschließen. 

Erzieher*innen in Schulen müssten vergleichbar mit denen in Kitas bezahlt werden, ein Lohndumping durch „Trägervielfalt“ müsse verhindert werden. Eher sollten sonst alle Fachkräfte unter das Dach der Senatorin für Kinder und Bildung geholt werden.

Die inklusive Gestaltung des Bildungswesens, der Ausbau des Ganztages als Bildungsauftrag und nicht nur zur Ermöglichung von komplexer Familienarbeit, Neu- und Erweiterungsbauten von Kitas und (Hoch-)Schulen, pädagogisch-gesellschaftlich verantwortbare Digitalisierung benötigen darüber hinaus eine auskömmliche Finanzierung, die nicht nur die technischen Ressourcen meint.

Gloede spannt einen Bogen, der über die unmittelbare Ausstattung von Bildung hinausgeht: „Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass die Spaltung in der Gesellschaft dramatisch zunimmt. Wir brauchen angesichts der globalen Klimakrise und des durch Armut bedingten gesellschaftlichen Ausschlusses einen Diskurs auch zur sozialen Nachhaltigkeit, der die Menschen mitnimmt und nicht weiter verängstigt. Und es ist eben nicht so, dass der individuelle Verzicht die Probleme löst, sondern dass die Besitzenden strukturell abgeben müssen.“

Bildung spiele in dem gesellschaftlichen Prozess eine tragende Rolle. Lehrkräfte und andere Pädagog*innen dürften nicht „neutral“ sein, wenn es um demokratische Werte ginge. Daraus leite sich geradezu eine Pflicht zur Bekämpfung aller nazistischen und in diese Richtung gehenden Tendenzen der Ausgrenzung ab. Hier müssten Kinder und Jugendliche eine klare Haltung erleben. Dies erfordere, auch gerade aufgrund der zunehmenden Bedeutung (oder Bedrohung) durch social media ggf. auch eine Fortbildungs- oder Sensibilisierungsoffensive, in die Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen einbezogen werden sollte.

„Ab dem 101. Tag wird die GEW die neue Landesregierung an ihrem Auftrag messen und ihr den Spiegel der eigenen Versprechen vorhalten.“

Für Nachfragen steht zur Verfügung:
Christian Gloede | mobil 01749790755

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