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LockdownGEW Bremen: Senatorin tanzt politisch, pädagogisch und epidemiologisch auf sehr dünnem Eis

Die Bildungsgewerkschaft erwartet, dass sich auch Bremen an die Bund-Länder Vereinbarungen hält und nicht durch die Hintertür gefährliche Regelungen einführt!

10.01.2021 - Elke Suhr | Barbara Schüll

Durch das Unterlaufen der Bund-Länder Vereinbarung zum verlängerten Lockdown bis Ende Januar zeigt die Senatorin eindeutig, dass sie meint, Absprachen und Regeln würden für sie nicht gelten. Dies ist ein gefährliches Signal an die Bevölkerung und zudem pädagogisch nicht sinnvoll.

Frau Bogedan begründet ihre Aufforderung, alle Grundschüler*innen in die Schule zu schicken, mit dem Bewegungsmangel und der Bildungsgerechtigkeit.

Warum sie glaubt, in der Pandemie das wieder gut machen zu können, was in den vergangenen Jahrzehnten in der Bildungspolitik versäumt wurde, bleibt an dieser Stelle ein Rätsel.

Ihrem Wunsch, durch ihre Appelle für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen, muss entgegnet werden, dass es wahrscheinlich das Gegenteil bewirken wird.

Zu diesem Zeitpunkt noch zu behaupten, dass die Infektionen in Grundschulen besonders niedrig sind, ignoriert die nationalen und internationalen Erkenntnisse der Wissenschaft. Mit niedrigen Infektionszahlen zu argumentieren verkennt zudem, dass das Land Bremen immer noch deutlich über dem Inzidenzwert 50 liegt und dass die Zahlen aufgrund der Feiertage nicht sicher interpretierbar sind.

Die Erkenntnisse der Epidemiolog*innen in Bezug auf die Pandemie und das Recht auf Bildung und Bildungsgerechtigkeit gegeneinander auszuspielen, um Schulen offen zu halten, grenzt an Heuchelei.

Wer das Recht auf Bildung ernst nimmt, hätte schon lange vor der Pandemie Bildung einen deutlich höheren Stellenwert zugestanden. Dann wären Schulen jetzt besser ausgestattet, z.B. mit guten aktuellen Materialien - analog und digital, mit mehr qualifiziertem und multi-professionellem Personal sowie mit modernen und gut belüftbaren Klassen-, Fach- und Differenzierungsräumen. Gerade Schulen in sozialen Brennpunkten hätten dann noch bessere Bedingungen und vor allem auch deutlich kleinere Klassen. Dies wäre ein wahrer Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit.

Jetzt mit Bewegungsmangel zu argumentieren, nachdem der Studiengang Sport an der Universität Bremen, trotz unumstrittener Bedarfe, geschlossen wurde und es an den Schulen einen großen Mangel an ausgebildeten Sportlehrkräften gibt, ist fast schon zynisch. Um den Schüler*innen auch in der Pandemie Bewegungsangebote bieten zu können, hätte die Bildungsbehörde schon längst mit geschlossenen Tanzstudios, Fitnessstudios und Schwimmbädern Kooperationen eingehen können, um vor Ort Schüler*innen in festen Kleingruppen entsprechende Angebote zu machen.

Durch ihr Agieren zeigt die Senatorin immer deutlicher, dass sie die Herausforderungen und Bedingungen der Bildung in Bremen nicht verstanden hat. Für sehr mutig halten wir die Äußerung der Senatorin, dass sie "sehr gerne die Verantwortung übernehme", falls ihre Politik der vorzeitigen Öffnung der Schulen schiefgehe. Wir werden alles dran setzen, dass sie niemals in die Situation kommt, diese Äußerung zu bereuen und fordern sie deshalb an dieser Stelle auf, ihre Entscheidung zur Öffnung der Schulen zu überdenken, so wie es auch in Berlin geschehen ist.
 

Für Nachfragen steht zur Verfügung:
Elke Suhr  | Barbara Schüll

Mehr zum Thema:

Seite der Senatorin für Kinder und Bildung Bremen zu „Corona“
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