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Bremen wieder im Hochglanz des gesellschaftlichen Fortschritts - GEW zum Bertelsmann’schen Inklusionsranking

Laut Bertelsmann bestätigt Bremen seinen Spitzenplatz an inklusiver Teilhabe an allgemeinbildenden Schulen. Gleichzeitig werden nirgendwo in der Republik weniger Kinder in Sondereinrichtungen Unterrichtet. Diese Zahlen seien schön fürs Gemüt und die Neuauflagen der Bremer Inklusionsbroschüren, hätten aber kaum bis keinerlei Aussagekraft über Qualität und Ausstattung des Bremer Schulsystems und des inklusiven Unterrichts, so Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW Bremen.

 

04.09.2015 - Christian Gloede

Bremen – Die Studie zeige zunächst einmal nur auf, welche strukturellen Voraussetzungen für inklusive Prozesse geschaffen worden sind. Dies sei auch die wesentliche Schwäche der Studie, die sich eben nur auf den Vergleich einiger quantitativer Daten beschränkt.

 „Es ist für das kollektive Selbstbewusstsein in diesem Bundesland schön, mal wieder an der Spitze eines Rankings zu stehen, zumal es etwas Fortschrittliches suggeriert“, kommentiert Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW Bremen die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung. Diese „schönen Zahlen“ seien aber nur ein quantitativer Ausdruck einer traditionsreichen Bremer Haltung von Teilen der Politik und vor allem der Lehrkräfte und Pädagog*innen in Kitas und Schulen sowie der Eltern zu gemeinsamer Erziehung und Bildung. Bereits seit Mitte der 1980er Jahre war „Integration“ in Kitas hier stark verankert – führend in der Bundesrepublik – mit Fortsetzung im Grundschulbereich. „Den Zahlen fehlt leider eine Entsprechung in der Aussagekraft über Qualität und Ausstattung des (inklusiven) Unterrichts sowie über die Belastung durch unzureichende Ressourcen“, so Gloede weiter.

Es gäbe zwar im Grundsatz keine Alternative zur Inklusion, aber eine drängende und dringende Notwendigkeit zur Realisierung von Rahmenbedingungen, die guten inklusiven Unterricht und gute frühkindliche Bildung absicherten oder auch erst ermöglichten. „Wir brauchen kleinere Klassen und Gruppen, mehr Fach- und Lehrkräfte mit behindertenpädagogischen Grund- und Fachkenntnissen sowie gut qualifizierte und bezahlte Assistenzen. Fort- und Weiterbildungsteilnahmen dürfen nicht zu weiterer Belastung der Kollegien führen. Die Unterrichtsverpflichtung muss reduziert werden, um in dieser Zeit gemeinsamen Unterricht auch gemeinsam vorbereiten zu können“.

Wer in der Qualität der Inklusion einen Spitzenplatz erreichen wolle, müsse gerade in der Anfangszeit in Köpfe und Rahmenbedingungen investieren, um Motivation zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Dies gelte im Übrigen auch für die Ausstattung der Lehrerausbildung an den Unis: „Wir brauchen mehr Mittel für die Inklusionsforschung in Fragen der Didaktik sowie eine starke Verankerung der Inklusion in allen Feldern der Ausbildung. Den engagierten Wissenschaftler*innen in diesen Bereichen muss in Bremen eine Perspektive geboten werden, bevor sie andernorts weiter forschen und lehren.“

Der wirkliche Fortschritt sei allerdings erst dann erreicht, wenn die Inklusionsquote auch in Berufsschulen und Arbeitswelt zu einer umfassenden gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen führe. „Davon ist auch Bremen noch ein ganzes Stück weit entfernt“, so Gloede abschließend.

Für Nachfragen stehen zur Verfügung:

Christian Gloede | Bernd Winkelmann

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