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6 Jahre Oberschule: Schulentwicklung fortsetzten und finanziell absichern!

Am 6. Bremer Oberschultag von GEW und GGG am 23. Juni 2015 diskutierten über 110 Pädagog*innen und Eltern über die bisherige Entwicklung der Oberschule und ihre weitere Perspektive. In diesem Sommer gibt es die ersten Abschlusszeugnisse für Oberschüler*innen an den 7 Starterschulen. Die Schulentwicklung ist dort aber keineswegs abgeschlossen. Der meisten Oberschulen in Bremen und Bremerhaven befinden sich weiter im Aufbau. An allen Oberschulen werden bisherige Konzepte ausgewertet und überarbeitet.

24.06.2015 - Andreas Staets

Bremen – Der Bremer Schulkonsens endet in dieser Legislaturperiode der Bürgerschaft. Das bisherige 2-gliedrige Schulsystem mit Oberschule und Gymnasium muss analysiert werden. Zukunftsentscheidungen sind politisch zu treffen.

Der GGG-Landesvorsitzende  Karlheinz Koke führte dazu aus:  „Der Focus liegt also auf 6 Jahre Oberschule, quasi eine Bestandsaufnahme. Wir wollen aber nicht bei der kritischen Reflexion stehen bleiben, sondern auch Perspektiven entwickeln.“

GEW-Landesvorstandsmitglied Kai Reimers erklärte auf dem Oberschultag, dass  Schüler*innen nach der Grundschule je nach Schulleistungen und Bildungschancen real auf 4 Schularten sortiert werden: die einfache Oberschule ohne angeschlossener Oberstufe, die Oberschule mit angeschlossener Oberstufe, das Gymnasium oder die Privatschule. Als Ziel der weiteren Schulentwicklung formulierte er: „Die einzige Perspektive eines Schulsystems, die einer demokratischen Gesellschaft würdig ist und die allen Schülern zumindest vergleichbare Bildungschancen und soziale Teilhabe gewährt, ist die der einen Schule für alle. Die Oberschule ist und bleibt nur eine Etappenlösung.“

Zu Beginn des Oberschultages fand eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „6 Jahre Oberschule: Haben sich die Erwartungen erfüllt?“ statt, an der Lehrer*innen, Schulleiter,  Andrea Spude vom Zentralelternbeirat und Lars Nelson von der Senatorin für Bildung und Wissenschaft teilnahmen. Es wurde festgestellt, dass die Kolleg*innen eine enorme Entwicklungsarbeit geleistet haben, für die sie anfangs in geringem Umfang Entlastungsstunden bekamen. Diese Entlastungen sind nach 6 Jahren Oberschule gestrichen worden, obwohl die hohe Arbeitsbelastung die Gesundheit vieler Lehrkräfte beeinträchtige.  Die Arbeit zur Konzeptentwicklung und -überarbeitung müsse aber fortgesetzt werden.

Außerdem ist die Oberschule eine Teamschule mit Kooperationen zwischen allen beteiligten Lehrkräften, Sozialpädagog*innen, pädagogischen Mitarbeiter*innen, Eltern und außerschulischen Ansprechpartnern.

Einhellig wurde festgestellt, dass die Beteiligten dafür zu wenig oder keine Zeit neben ihrer Haupttätigkeit haben.

Für die weitere Schulentwicklung und Kooperationszeit fordern GEW und GGG deshalb die politisch Verantwortlichen auf, zusätzliche Finanzmittel für ausreichende Entlastungen zur Verfügung zu stellen.

Als zweiten wichtigen Kritikpunkt an der bisherigen Schulentwicklung bemängelten die Beteiligten die schlechte Ausstattung bei der Inklusion, die zeitgleich und ohne Vorbereitung mit Oberschulreform eingeführt wurde. Hier ist zusätzliches Personal dringend erforderlich. Die bei der Inklusion tätigen Pädagogen fühlen sich von denen, die die Inklusion politisch beschlossen haben, im Stich gelassen.

Andrea Spude (ZEB) stellte Mängel in der Binnendifferenzierung fest. Starke Schüler*innen klagten über Unterforderung. Zur Stärkung der Oberschule als gleichwertige Schulform neben
dem Gymnasium benötige sie Konzepte zur Förderung leistungsstarker Schüler, bessere personelle Ausstattung sowie Stundenzuweisungen für Teamarbeit und Qualitätsentwicklung

Als weitere Zielrichtung für die beteiligten Pädagog*innen formulierte Karklheinz Koke (GGG): "Für uns leiten wir daraus ab: wir bereiten den Boden für unsere Schüler, immer wieder neu, behandeln sie pfleglich, um ihre Entwicklung und die der Schule insgesamt, und zwar demokratisch, voranzubringen. Dann können wir immer besser und effektiver das Realität werden lassen, was umschrieben ist mit dem Satz: Keiner bleibt zurück."

An die Podiumsdiskussion schlossen sich Arbeitsgruppen zum Ganztag (AG 1), zur Schulkultur (AG 2), zur sozialen Arbeit (AG 3), zu theatralen Formen bei der Arbeit in Inklusionsklassen (AG 4), zur Berufsorientierung (AG 5), zu Lernentwicklungsberichten (AG 6) und zu den Oberstufen (AG 7)  an. (dazu die nebenstehenden Dateien mit den Protokollen und Materialien)

Am Nachnmittag referierte die Schulleiterin Sabine Jacobsen von der neuen Oberschule Gröpelingern u.a. über das Konzept ihrer Schule mit Wertschätzung, dreisprachiger Kommunikation, Migrationsverantwortlichem, Kontakt im Stadtteil, Regeln und Ritualen als Bestandteil der Schulkultur, Fortbildung zur interkulturellen Kompetenz und praktizierter Feedback-Kultur.

Den Abschluss des Oberschultages bildete die Fishbowl-Diskussion zu Perspektiven der weiteren Schulentwicklung. Dabei wurden Fragen der Ganztagsschule, Teamarbeit, der Inklusion und Sonderpädagogik diskutiert. Tenor dabei war, dass die materielle und zeitliche Unterstützung der Oberschulen und der Inklusion durch die politisch Verantwortlichen reduziert bzw. gestrichen worden ist. Das Gegenteil müsste erfolgen. Schulen brauchen mehr Zeit und Personal sowie eine bessere Ausstattung.

 

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