GEW Bremen - Website https://www.gew-hb.de GEW Bremen - Website de-DE GEW Bremen - Website Sun, 20 Jan 2019 16:55:39 +0100 Sun, 20 Jan 2019 16:55:39 +0100 TYPO3 EXT:news news-15749 Tue, 15 Jan 2019 01:01:00 +0100 GEW live beim Morgenmagazin https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-live-beim-morgenmagazin/ Interview mit Christian Gloede | Landesvorstandssprecher der GEW Bremen Schulsozialarbeit Schule Bildungsfinanzierung Bildungsqualität Bildungssystem Artikel Bremen Stadt Bremen news-15192 Thu, 10 Jan 2019 17:00:00 +0100 Vor 100 Jahren übernahm der Arbeiter- und Soldatenrat die Macht in Bremen. https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/vor-100-jahren-uebernahm-der-arbeiter-und-soldatenrat-die-macht-in-bremen/ Veranstaltung zum 100. Jahrestag der Bremer Räterepublik Vorangegangene Veranstaltung zum Jahrestag
 

„DIE BESTE  REGIERUNGSFORM  FÜR DAS PROLETARIAT IST  DAS RÄTESYSTEM.  
DIE ENTSCHEIDUNG IST  GEFALLEN.  
BREMEN IST EINE  SELBSTÄNDIGE  SOZIALISTISCHE REPUBLIK.“

Adam Frasunkiewicz am 10. Januar 1919 vom Rathausbalkon

Eine neue Seite im Geschichtsbuch Bremens wurde geschrieben: Nicht länger sollte ein undemokratisch gewählter Senat im Namen des Handelsund Industriebürgertums die Geschicke der Hansestadt verwalten, sondern die Arbeiter*innen selbst.

„Statt einmal in drei oder sechs Jahren zu entscheiden, welches Mitglied der herrschenden Klasse das Volk im Parlament ver- und zertreten soll“ (Karl Marx), wurden Delegierte direkt aus den Betrieben gewählt. Eine neue, direktere Form der Volksherrschaft war das Ergebnis der Novemberrevolution:
Die Rätedemokratie.

Der bisherige Höhepunkt der sozialistischen Arbeiterbewegung in Bremen war das Ergebnis von Organisierung, Bildungsarbeit und den Erfahrungen vieler Kämpfe. Mit der Revolution wurde der 1. Weltkrieg beendet und bis heute erhaltene Errungenschaf-ten erreicht: In Bremen der 8-Stunden-Tag und das Ende des Religionsunterrichts, in Deutschland der Sturz der Monarchie und die Einführung des Frauenwahlrechts, die betriebliche Mitbestimmung und Tarifverträge, und nicht zuletzt das Ende des ersten Weltkriegs – all das hätte es ohne die Novemberrevolution nicht geben.

100 Jahre später drohen Revolution und Räterepublik in Vergessenheit zu geraten, und mit ihr wertvolle Lehren für den Kampf um eine bessere Welt heute. Noch immer sind die Großmächte in blutige Kriege verwickelt, unter denen die einfachen Menschen am meisten leiden. Banken und Konzerne sind reicher und mächtiger denn je. Ihre Profitwirtschaft ist dabei, das Klima des Planeten zu verbrennen. Und während Millionen Menschen vor den Folgen des Kapitalismus fliehen und tausende vor den Toren der Festung Europa ertrinken, vergiften Rassismus und rechte Hetze die Gesellschaft und untergraben die Solidarität.

Aber es gibt auch Gegenwehr. In konkreten Aktionen im Hambacher Forst, im Kampf um gerechte Bezahlung, gegen Rassismus, für eine offene und solidarische Gesellschaft. 

Angesichts dessen brauchen wir die Erinnerung an den Sieg der Rätebewegung vor 100 Jahren dringender denn je. Wir wollen den 100. Geburtstag der Novemberrevolution nutzen, um mit einer Demonstration am 15. November, dem Tag der Ausrufung der Bremer Räterepublik, daran zu erinnern:

Es gibt eine Alternative.

  • Gegen Niedriglohn und Ausbeutung.
  • für die 30 Stunden Woche.
  • gegen Krieg und Aufrüstung.
  • für Demokratie auch am Arbeitsplatz und in der Wirtschaft.
  • gegen Diskriminierung, Rassismus,  Sexismus und rechte Hetze.
  • für eine solidarische Gesellschaft, in der der Reichtum allen zugute kommt.

revolution-in-bremen.de

 

 

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Gesellschaftspolitik Artikel Bremen Stadt Bremen
news-15543 Sun, 16 Dec 2018 23:59:00 +0100 Widersprüche zwischen Zielen und Methoden https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/widersprueche-zwischen-zielen-und-methoden/ Vorwort zum Schwerpunkt Mitbestimmung Artikel Bremen news-15544 Sun, 16 Dec 2018 23:58:00 +0100 70 Jahre GEW | 190 Jahre Bremer Lehrervereine | Teil 16 https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/70-jahre-gew-190-jahre-bremer-lehrervereine-teil-16/ „Eine Schule für Alle“ | Die bildungspolitischen Initiativen der Bremer GEW seit 1999 GEW Tarif Artikel Zeitschrift news-15624 Sun, 16 Dec 2018 23:44:00 +0100 Erwiderung auf eine Erwiderung https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/erwiderung-auf-eine-erwiderung/ Eine Leserbrief-Diskussion zu dem Artikel „Der vergessene Jahrestag der Okkupation“ (BLZ 2/18) Schule Gesellschaftspolitik Gleichstellung Artikel Zeitschrift Stadt Bremen news-15537 Sun, 16 Dec 2018 23:44:00 +0100 Die Lösung für viele Probleme https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/die-loesung-fuer-viele-probleme/ Wie Arbeitszeitverkürzung funktionieren kann Schule Gesellschaftspolitik Gleichstellung Artikel Zeitschrift Stadt Bremen news-15550 Sun, 16 Dec 2018 23:32:00 +0100 Mit phantasievollen Aktionen zum Wir-Gefühl https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/mit-phantasievollen-aktionen-zum-wir-gefuehl/ GEW und Kollegien müssen mehr für ihre Interessen eintreten, sich mehr verweigern Schulsozialarbeit Schule Bildungsgerechtigkeit Bildungsqualität Inklusion Gesundheit Artikel Zeitschrift Bremen news-15551 Sun, 16 Dec 2018 23:32:00 +0100 „Erfahrungen der Schulen in Aktionen bündeln“ https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/erfahrungen-der-schulen-in-aktionen-buendeln/ Die GEW muss Bewegung erzeugen Schule GEW Mitbestimmung Artikel Zeitschrift Bremen news-15536 Sun, 16 Dec 2018 23:20:00 +0100 »Den Ausbau der Schulsozialarbeit vorantreiben« https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/den-ausbau-der-schulsozialarbeit-vorantreiben/ Der GEW muss es um nachhaltige Verbesserungen gehen Schulsozialarbeit Schule GEW Bildungsfinanzierung Bildungssystem Tarif TV-L Artikel Zeitschrift Bremen news-15541 Sun, 16 Dec 2018 23:17:00 +0100 Eine wertvolle Ressource https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/eine-wertvolle-ressource/ Der schulische Herkunftssprachenunterricht Autorin:

Yasemin Can-Nizamoğlu
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Deutsch als Zweit- und Fremdsprache,
Fachbereich 10: Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität Bremen.

Bildnachweis: Bild aus einem Türkischunterricht in der 8. Klasse in Bremen. Das Bild wurde von einer Studierenden im Rahmen einer Hospitation aufgenommen.

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Schule Migration Bildungssystem LehrerInnenbildung Artikel Zeitschrift Bremen
news-15542 Sun, 16 Dec 2018 23:00:00 +0100 Ein Zombie kehrt zurück https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ein-zombie-kehrt-zurueck/ Die Wiederkehr des Sozialdarwinismus Gesellschaftspolitik Privatisierung & Lobbyismus Artikel Zeitschrift Bremen Stadt Bremen news-15534 Sun, 16 Dec 2018 07:28:00 +0100 »Es mangelt weniger an Herzblut, als dass die Herzen bluten« https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/es-mangelt-weniger-an-herzblut-als-dass-die-herzen-bluten/ Bilden wir einen Gegenpol GEW Mitbestimmung Artikel Zeitschrift Bremen Stadt Bremen news-15538 Sun, 16 Dec 2018 07:01:00 +0100 „Durchaus Erfolgserlebnisse“ https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/durchaus-erfolgserlebnisse/ GEW-Initiativen bekämpfen Ungerechtigkeiten und schaffen Transparenz GEW Gute Arbeit Mitbestimmung Artikel Zeitschrift Bremen news-15539 Sun, 16 Dec 2018 02:59:00 +0100 „Nicht den gewerkschaftlichen Charakter verlieren“ https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/nicht-den-gewerkschaftlichen-charakter-verlieren/ Eine Schule für alle Kinder – ohne jedes Wenn und Aber Schulsozialarbeit Schule GEW Bildungssystem Gute Arbeit Artikel Zeitschrift Stadt Bremen news-15540 Sun, 16 Dec 2018 02:35:00 +0100 Nicht auf eigene Kosten https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/nicht-auf-eigene-kosten/ Bundesverwaltungsgericht zu Klassenfahrten: Entscheidung für Lehrkräfte Schule Recht Artikel Zeitschrift Bremen Stadt Bremen news-15545 Sun, 16 Dec 2018 00:38:00 +0100 Das wäre exzellent https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/das-waere-exzellent/ Die Wünsche des Runden Tisches Schulsport Studium Schule Bildungsqualität LehrerInnenbildung Artikel Bremen Stadt Bremen news-15532 Sun, 16 Dec 2018 00:01:00 +0100 Frischluft: https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/frischluft-25/ Payback-Karte im Sinne von „Heimzahlen“ wäre auch super Artikel Zeitschrift Bremen news-15588 Tue, 11 Dec 2018 01:45:00 +0100 Seminare gewerkschaftliche Bildungsarbeit 2019 https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/seminare-gewerkschaftliche-bildungsarbeit-2019/ Das Seminarprogramm der GEW für 2019 ist jetzt fertig und online. Schulsozialarbeit Studium Wissenschaft Kita Weiterbildung Berufliche Bildung Schule GEW Artikel Bremen news-15552 Mon, 10 Dec 2018 17:20:00 +0100 JA 13 - Ihr müsst es Euch verdienen! https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ja-13-ihr-muesst-es-euch-verdienen/ Beamte, hört die Signale Altes Volkslied

Wacht auf, Beamte dieser Erde
die stets man zum A12sein zwingt!
Das Recht wie Glut im Kraterherde
nur mit Kampf zum Durchbruch dringt.
Reinen Tisch macht mit dem Bedränger!
Heer der Unorganisierten, wache auf!
A12 zu sein, tragt es nicht länger
für A13, strömt zuhauf!

|: Beamte, hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Wir erkämpfen für A12er
nun das A13-Recht. :|

Es rettet uns kein höh'res Wesen,
keine Linnert, kein Sieling noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
werden wir nun selber tun!
Leeres Wort: des A12er Rechte,
Leeres Wort: des Beamten Pflicht!
Unmündig nennt man uns und Knechte,
duldet die Schmach nun länger nicht!

Refrain:|: Beamte, hört die Signale!

In Stadt und Land, ihr GEWler
wir sind die stärkste der Partei'n
Die Trittbrettfahrer schiebt beiseite!
A13 muss jetzt unser sein;
Unser Beitrag sei nicht mehr der Raben,
Nicht der mächt'gen Geier Fraß!
Erst wenn wir A13 haben
scheint UNS die Sonn' ohn' Unterlass!

Refrain:|: Beamte, hört die Signale!

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Schule Beamte Artikel Zeitschrift
news-15553 Mon, 10 Dec 2018 15:06:00 +0100 BILDUNG GEGEN RECHTS https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/bildung-gegen-rechts/ Lasst Euch nicht den Mund verbieten, schon gar nicht von der AfD! Schulsozialarbeit Schule Gesellschaftspolitik Recht Artikel Bremen Stadt Bremen news-15527 Mon, 03 Dec 2018 03:00:00 +0100 „Überlasst die politischen Entscheidungen nicht anderen“ https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ueberlasst-die-politischen-entscheidungen-nicht-anderen/ Die „Mitmachgewerkschaft“ ist eigentlich eine gute Idee ... Schulsozialarbeit Schule GEW Gute Arbeit Mitbestimmung Artikel Zeitschrift Bremen news-15533 Sat, 01 Dec 2018 01:00:00 +0100 GEW gewährt Rechtsschutz https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-gewaehrt-rechtsschutz-1/ Streikrecht für Beamte: Elf Kläger ziehen vor den Europäischen Gerichtshof Moderneres Arbeitsrecht

Ja, je deutlicher die verfassungsrechtliche Aufladung des Beamtenstatus‘ von der täglichen Staatspraxis blamiert wird, desto leidenschaftlicher wird der beamtenrechtliche Pflichtenkanon verteidigt. Schaut man jedoch genauer hin und lässt sich nicht von sprachlicher Überhöhung beirren, schmelzen die Unterschiede zwischen dem Beamtenrecht und der Rechtsstellung der Arbeiter und Angestellten dahin. Die Treuepflicht, das angebliche Bollwerk gegen ein Streikrecht, verweist schon begrifflich auf vordemokratische Zeiten. Treue kennzeichnet – deutschtümelnd – eine personale Bindung, die der Beamte ehemals gegenüber dem Monarchen, im NS-Staat gegenüber dem Führer einging. Zur Begründung von Arbeits- und Verhaltensanforderungen im demokratischen Staat ist sie ebenso ungeeignet wie die mit ihr konnotierte Erwartung einer „dem Staat innerlich verbundenen Beamtenschaft“. Peinlich genug, wenn jüngst von Fußballspielern der Nationalmannschaft, jedenfalls wenn sie türkischer Abstammung sind, staatstragende Gesinnung und sangeskräftiger Bekenntniseifer erwartet werden. Der Beamte ist hoffentlich seinen Kindern innerlich verbunden. Im Dienst schuldet er korrekte Arbeit, nicht dagegen innere Dispositionen gegenüber dem Staat. Der Staat, löst man sich von überkommener Mystifizierung, ist nichts anderes als die Gesamtheit rechtlicher Regeln und Zuständigkeiten und kein Subjekt, dem man Treue und Verbundenheit entgegenzubringen hätte. Daher täte dem Beamtenrecht ein Schuss arbeitsrechtliche Modernität durchaus gut. Das Arbeitsrecht hat sich schon vor Jahrzehnten von dem deutscher Gemeinschaftsideologie entsprungenen Treuegedanken gelöst, ohne dass Arbeiter und Angestellte im öffentlichen Dienst es etwa an demokratischer Loyalität, Gesetzesbindung, aufgabenbezogener Einsatzbereitschaft und uneigennütziger Sacharbeit fehlen ließen.

Auch Beamte unterliegen in ihrer täglichen Arbeit wie ihrer beruflichen Entwicklung betrieblicher Herrschaft und genießen – unstreitig – das Recht der Koalitionsfreiheit; doch ist dies nur die halbe Miete, solange ihnen das Recht verweigert wird, durch gemeinsame Arbeitseinstellung Druck auszuüben. Die mittelbar betroffenen Bürger müssen‘s in einer demokratischen Gesellschaft ertragen. Drittbetroffenheit rechtfertigt kein Zwangsregime der abhängigen Arbeit. Auch die vom BVerfG beschworenen „Krisenzeiten“ (Rn 157) bilden in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen sorgt sich gar: „Ist auf die Beamtenschaft kein Verlass mehr, so sind die Gesellschaft und ihr Staat in kritischen Situationen ‚verloren‘.“ [4 Anmerk.: Entscheidung vom 7.3.2012 – 3 dA 317/11.0, B IV 1c der Gründe.]  Die Geschichte lehrt ein anderes. Wer etwa an den Kapp-Putsch oder an die finale Krise der DDR denkt, weiß, dass nicht Gehorsam und Dienst-ergebenheit, sondern Streik und Loyalitätsentzug den Notstand überwunden haben. Es ist übrigens seit Thomas Hobbes Methode konservativer Gesellschaftslehre, Freiheitsrechte vom Notstand her zu denken und unter Krisenvorbehalt zu stellen; mit einem freiheitlichen Grundrechtsverständnis ist dies jedoch schwerlich zu vereinbaren.

Streikschranken

Das bedeutet keineswegs, dass die Koalitionsfreiheit, obwohl vorbehaltslos gewährleistet, in Grenzfällen nicht Einschränkungen hinnehmen müsste. Droht ein Streik beispielsweise andere Grundrechte zu beeinträchtigen, ist zur Vermeidung irreparabler Schäden Vorsorge zu treffen. Ein Streik im Krankenhaus darf unaufschiebbare Operationen nicht verhindern, Sanitätsdienste müssen trotz Streiks für Notfälle einsatzbereit sein. Das schließt gleichwohl Arbeitsniederlegungen von Ärzten, Pflegepersonal und Sanitätern nicht aus. Der Konflikt zwischen der Streikfreiheit, Art. 9 Abs. 3 GG, und der Gesundheit der Patienten, Art. 2 Abs. 2 GG, ist im Sinne eines schonenden Ausgleichs zu lösen, so dass beide Grundrechte nebeneinander bestehen können. Dies geschieht in der seit Jahrzehnten geübten geräuschlosen Praxis von Notdienstvereinbarungen. In seltenen, wohl eher theoretischen Ausnahmefällen mag dies sogar in Schulen geboten sein, um etwa die unverzichtbare Vorbereitung auf bevorstehende Abschlussprüfungen sicherzustellen. Ein absolutes Streikverbot aller beamteten Lehrer, weil anderenfalls der staatliche Bildungs- und Erziehungsauftrag nicht eingelöst werden könne, verletzt dagegen die Prinzipien eines am Maßstab der Verhältnismäßigkeit orientierten Ausgleichs gegenläufiger Verfassungsgüter.

Ein Blick auf die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) bestätigt dies. Auch diese erlaubt Beschränkungen der Streikfreiheit. Nach Art. 11 Abs. 2 EMRK können die Vertragsstaaten durch Gesetz Schranken ziehen, die „in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind für die nationale oder öffentliche Sicherheit, zur Aufrechterhaltung der Ordnung oder zur Verhütung von Straftaten […] oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer“. Der Vorbehalt ist, so der EGMR, als Ausnahme von der vorrangig verbürgten Freiheit eng und zweckorientiert im Sinne der festgelegten Ziele auszulegen. Gesetzliche Schranken beziehen ihre Legitimation aus ihrem Zweck, zum Beispiel der Aufrechterhaltung öffentlicher Sicherheit oder dem Schutz der Rechte anderer. Eingriffe sind danach nur zulässig, wenn und soweit sie „notwendig“ sind, konkrete Gefahren für die aufgeführten Schutzgüter abzuwehren. Der Gesetzgeber – der übrigens hierzulande von der Befugnis noch keinen Gebrauch gemacht hat – kann daher allein funktionsbezogene Einschränkungen vornehmen. Ein Streikverbot, das alle Beamten unabhängig von ihrer jeweiligen Aufgabe trifft, ist dagegen in Übereinstimmung mit dem EGMR ausgeschlossen. Auch die andere, in Art. 11 Abs. 2 EMRK vorgesehene Schranke zu Lasten der Streitkräfte, der Polizei und der Staatsverwaltung, bietet keine Handhabe, allen Beamten den Streik zu untersagen; mit „Staatsverwaltung“ sind allein Beschäftigte gemeint, die „originäre Staatsfunktionen“ und hoheitliche Befugnisse im Namen des Staates wahrnehmen, wie in Regierung, Justiz, Finanz- und Zollverwaltung. [5 Anmerk.: Vgl. EMRG vom 21.4.2009, a.a.O., Rn 32; vom 12.11.2008, a.a.O., Rn 97, 119, 151, 154.] Lehrer und Beamte der Leistungsverwaltung fallen jedenfalls nicht darunter.

Es ist verblüffend, mit welcher Hartnäckigkeit sich das BVerfG über diese Rechtsprechung und die damit gegebene authentische Interpretation der Menschenrechtskonvention hinwegsetzt. Wer gehofft hatte, dass die Bundesrepublik hinsichtlich Koalitionsfreiheit und Streikrecht endlich Anschluss an den Standard völkerrechtlicher Freiheitsrechte findet, gerne als „westliche Wertegemeinschaft“ apostrophiert, muss sich gedulden. Im Ergebnis fügen sich die Abwehr völkerrechtlicher Grundrechtsverbürgung und der Schutzwall, den das Gericht um die nationale Verfassung zieht, auf wundersame Weise in die Zeit. Wir können nur hoffen, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dem Zeitgeist nationaler Rückbesinnung widersteht, obwohl dieser mittlerweile auch durch Europa weht.

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Schule GEW Gute Arbeit Gleichstellung Beamte Artikel Zeitschrift Bremen Stadt Bremen
news-15547 Tue, 27 Nov 2018 15:23:00 +0100 Personalräte- und Betriebsräteempfang im Rathaus https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/personalraete-und-betriebsraeteempfang-im-rathaus/ Frauke Schüdde-Schroeter und Karsten Krüger sprachen auf der diesjährigen Veranstaltung im Rathaus am 27.11.2018 Rede von Frauke Schüdde-Schroeter

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Zukunftsfragen und Aufträge für betriebliche Interessenvertretung und Gewerkschaften duale Berufsausbildung ist ein Erfolgsmodell – nicht nur als Exportschlager:
bezogen auf Qualifizierung Jugendlicher ist sie: 

  • nicht zu eng beruflich geführt, 
  • handlungsorientiert und ganzheitlich, 
  • enthält allgemeinbildende Anteile (z.B. in der Berufsschule), 
  • die Ausbildungsvergütung ist bestätigend und Selbständigkeit fördernd
  • sie bietet Einbindung, aber keine Bindung an den Betrieb, 
  • und – nicht zuletzt – sie führt zu bundesweit anerkannten tarifierfähige Abschlüssen

Sie ist auch deshalb ein Erfolg für Gewerkschaften, weil sie als sozialpartnerschaftliches Modell mit weitgehenden Mitwirkungs-und Gestaltungsmöglichkeiten der Gewerkschaften und anderer Sozialpartner gestaltet wurde.

Einfluss nehmen können die Gewerkschaften auf 

  • Zielsetzungen, Gestaltung und Ausformung der Ausbildung in Hinblick darauf, auch über die direkte kurzfristige Verwertbarkeit eines individuellen Betriebes hinaus übergreifende Qualifikationen zu vermitteln, 
  • Beteiligung auf allen Ebenen von der Neugestaltung von Ausbildungen bis hin zu Prüfungen!. 

DAS IST EIN GROSSER ERFOLG! gewesen

Bewährt haben sich 

  • bundesweit einheitliche Berufsfelder (auch betriebsunabhängig mit dem Ziel der größeren inhaltlichen und regionalen Unabhängigkeit vom Einzelbetrieb), 
  • das Berufsbildungsinstitut ( ein bundeseinheitliches sozialpartnerschaftlich im Verwaltungsrat geführtes Institut - hätten wir auch gerne für die Allgemeinbildung), 
  • die gemeinsame Entwicklung von Ausbildungsrahmenplänen (in die auch die Erfahrungen der Arbeitenden einfließen und nicht nur betriebliche Verwertungsinteressen)
  • gemeinsame Institutionen der Begleitung und Kontrolle wie Berufsbildungs- und Landesausschüsse
  • gemeinsames Prüfungswesen

Gleichwohl müssen wir konstatieren, dass es nicht gelingt 

  • die Zahl der dualen Ausbildungsplätze deutlich zu erhöhen, insbesondere in Bremerhaven verzeichnen wir einen Rückgang an Ausbildungsplätzen in dualer Ausbildung. seit Jahren weniger als 5000 neue Ausbildungsverträge pro Jahr in Bremen Stadt 
  • die Angebots-Nachfragerelation zu verbessern, also den Anteil neuer Ausbildungsverträge in Relation zu Suchenden (Ausbildungsplatznachfragenden) im Unterschied zum Bundestrend
  • den Rückgang der Anzahl und des Anteils ausbildender Betriebe aufzuhalten.

So ist mit der sinkenden Bedeutung der dualen Berufsausbildung (BA) nicht nur die Zahl der betroffenen zu begleitenden Jugendlichen gesunken, sondern auch die Zahl der ausbildenden Betriebe. Es gib neue Branchen, in denen es dafür keine Tradition gibt und es gibt wachsende Bereiche, die leider weder historisch noch aktuell je sozial partnerschaftlich - öffentlich geregelt waren, z.B. der Gesundheitsbereich.
Die nicht gelingende Ausweitung dualer Ausbildung -trotz aller Pakte - ist deshalb nicht nur für die Jugendlichen problematisch, sondern auch für uns als Gewerkschafter*innen und Betriebs- oder Personalrät*innen. 

Denn es beschneidet unsere Einflussmöglichkeiten! 
Was sich dagegen gerade entwickelt:

  • Akademisierung
    • oft keine soziale Kontrolle über die betriebsbezogenen Inhalte – Ausbildung zur Führungskraft, nicht mehr zur Facharbeit - auch wenn die Tätigkeitsfelder hinterher durchaus vergleichbar sind bzw. die Abwertung paralleler Facharbeitendenausbildung  (z.B. Industriekauffrau zu BWL dual)
    • Wildwuchs -Definieren neuer Teilberufe oder Profile sehr individuell auf die Firma ausgerichtet und nicht übertragbar - auch in Großbetrieben und Dequalifizierungen 
  • Ausschluss ganzer Kohorten von Jugendlichen von der Ausbildung - werden abgehängt 

(dazu auch gleich mein Kollege)

  • Ausbildung in nicht Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelten Branchen – im Sozial-und Gesundheitsbereich sowie im Kreativ- und Designbereich, wo Schülerinnen und Schüler selber die Ausbildung bezahlen müssen oder der Staat ohne Qualitätseinfluss private Bereiche bezahlt.

das führt für Gewerkschaften sowie Sozialpartner(systemisch) und in Betrieben (individuell) zu neuen Aufträgen und Aufgaben 

Für die Betriebe: (auch wenn wir gerade gehört haben, wie schwierig das ist!)

  • Erhalt der dualen betrieblichen Ausbildungsplätze und Einbindung in die Personalentwicklung der Unternehmen  
  • Erhalt der Facharbeiterstellen und aufsetzender Weiterbildungsangebote auch für Stabs- und Führungsaufgaben 
  • Kontrolle gewinnen und behalten über mögliche duale Studienangebote sowie
  • die Interessenvertretung für diese und anderen Gruppen (auch der Angelernten) organisieren

Für die Gewerkschaften:

  • Druck vergrößern für Ausweitung des BBiG für mehr Ausbildungen
  • aktive Teilnahme und Gestaltung aller Einflussmöglichkeiten auf den verschiedenen Handlungsebenen

Für beide gilt es, unsere Stärke als Kenner*innen der Praxis ausspielen
Liebe Kolleginnen und Kollegen:
Das Jammern über die Jugendlichen ob zu wenig oder zu viel - zu schlecht oder einseitig - zu laut oder zu leise - gab es schon immer.

Um mal ein Bild zu entwickeln: Ein Flugzeug, welches fliegt, braucht keine Landeklappen, kein Fahrwerk und keine Räder zum Fliegen – in dem Sinne ist es passgenau – ein solches Flugzeug hätte aber keine Startmöglichkeiten und würde Bruchlandungen hinlegen – bei Übergängen und Statusveränderungen braucht man mehr, verschiedene Qualitäten, eine breite Basis, mehr Kompetenzen. Der Weg zu einem artikulierten, begründeten Wunschberuf ist nicht 
passgenau, sondern eine breite Straße.

Voraussetzungen:

  • breite fundierte Allgemeinbildung 
  • Erziehung als Persönlichkeitsentwicklung
  • Die Vielfalt von Lebensentwürfen, von Berufs- und Erwerbstätigkeiten sowie von Biografieentwicklungen in die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen aufzunehmen und nicht nur Betriebe aus Unternehmenssicht darzustellen (BR in Schulen) ist der erfolgreiche Weg einer guten Berufs- und Lebensplanung.
  • öffnen für andere Gruppen: Frauen (in den Bereichen historisch immer unterrepräsentiert und z.Z. weiter sinkend (60 % junge Männer), MigrantInnen,

Fazit:Die Qualität von Berufsausbildung zu erhalten ist ein Aspekt des Vorbereitens/aktiven Gestaltens zukunftsfähiger Arbeitsprozesse durch die Beschäftigten, was da gelingt, gelingt auch für BA und umgekehrt. In diesem Sinne lasst uns die Ausbildung verbessern.

 

Rede von Karsten Krüger:

Rede beim Senatsempfang für Personal- und Betriebsräte am 27.11.2018 im Rathaus
Titel:  Berufsvorbereitung: drängende Fragen und neue Aufträge

Übergang Schule/Beruf

Wenn über die Berufliche Bildung gesprochen wird, denken viele Redner und ihre Zuhörer an Berufsschulen oder an das duale System. Zweifellos, das sind gute und bewährte Bausteine für einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf.

Ich möchte den Fokus auf die Berufsvorbereitung und die jungen Menschen zu richten, die größte Probleme haben, überhaupt berufsbildungsreif zu werden. Und davon gibt es viele.

Ich möchte gerne aus Sicht eines Berufsschullehrers, eines Personalrats und eines Gewerkschaftlers über die Missstände und Lösungsansätze in der Berufsvorbereitung sprechen. Also die Zeit des Übergangs von der Schule in den Beruf. Gerade in diesem Bereich gibt es dringenden Handlungsbedarf – auch im Vergleich zur  Berufsausbildung. Und ich möchte vorweg an uns appellieren:

Wir, Betriebsräte und Personalräte, müssen kompromissloser einfordern, was nötig ist.
Und den Verantwortlichen in Schulleitungen, in der Bildungsbehörde und in den Parteien sagen, dass viel auf dem Spiel steht.

In meiner Praktikumsklasse an der Allgemeinen Berufsbildenden Schule in Walle sind 16 Jugendliche:
12 haben die Berufsbildungsreife. Das ist der frühere Hauptschulabschluss. 4 haben den Mittleren Schulabschluss, der frühere Realschulabschluss.

Aber alle haben keinen Ausbildungsplatz gefunden und alle  unterschiedlichste Problemlagen mitgebracht, Sie haben – wenn sie im Sommer 2019 einen Ausbildungsplatz finden sollten, kaum Chancen eine Lehre erfolgreich zu beenden. Dafür brauchen viele von ihnen viel mehr Bildungszeit als die 12 Schulpflichtjahre.

Chancengleichheit?

Eine gute Berufsvorbereitung braucht als Basis professionelle Strukturen. Aber sie muss auch für Chancengleichheit sorgen. Um das hinzukriegen, muss eine soziale Bildungsinfrastruktur vorhanden sein. Dazu gehören gut ausgestattete Berufsbildende Schulen und natürlich auch gut ausgebildete Lehrkräfte.

Aber es gibt große Mängel. Die oft sehr heterogene Schülerschaft wird immer häufiger von Lehrkräften unterrichtet, die in einer größeren Anzahl als an Oberschulen oder Gymnasien nicht voll ausgebildet sind. Studierende, Uni-Absolventen ohne Referendariat, Quer- und Seiteneinsteiger stehen vermehrt in den Klassen. Sie haben wenig Berufserfahrung und sind logischerweise öfter überfordert.

Gerade im Umgang mit pädagogisch schwierigen Schülerinnen und Schülern braucht es gute, erfahrende Lehrkräfte. Berufsschuldirektoren stellen mit ihrem eigenen Schuletat aber häufig nicht voll Ausgebildete ein, um kurzfristig Personallücken schließen zu können. Bildungspolitiker und Personalräte dürfen das nicht zulassen.

Die vorhin angesprochene Chancengleichheit brauchen vor allem die, die in Problemvierteln groß werden, die ein bildungsfernes Umfeld haben, die keinen oder nur einen mäßigen Schulabschluss geschafft haben oder die als Geflüchtete nach Bremen gekommen sind.

Sie haben alle ein Recht auf Bildung, 12 Jahre lang. Und sie bekommen aber ein Übergangssystem, das - moderat ausgedrückt - suboptimal ist.

Das zeigen die vielen Reformen an diesem System in den vergangenen Jahren:

Erstes Beispiel:
Die Jugendberufsagentur, kurz JBA. Sie ist 2015 mit ihrem Wahlkampfslogan „Keiner darf verloren gehen“ an den Start gegangen.

Sie soll allen jungen Menschen unter 25 Jahren, Berufsperspektiven aufzeigen und Lösungen organisieren. Aber trotzdem gehen viele junge Menschen verloren.

Warum gehen viele verloren? Dafür gibt es Gründe: Da ist der Datenschutz, der natürlich sein muss. Er verhindert aber oft die Kontaktaufnahme oder die Kommunikation. Da sind JBA-Kooperationspartner, die nicht immer sinnvoll kooperieren, und da ist ein Ansatz, der die jungen Menschen eher als passive Masse behandelt. Die beste Lösung für den Einzelnen wird oft nicht gefunden – eine zielgruppengerechte Ansprache fehlt. Die JBA muss man noch stärker in das Bewusstsein aller Beteiligten bringen.

Wirtschaftssenator Martin Günthner sagt: „Mit der JBA kommen wir dem Ziel erheblich näher, alle Jugendlichen zu einer beruflichen Ausbildung zu führen.“ Ich sage: Nein, das stimmt nicht.
Günthner weiter: „Bis zur Erreichung des Ziels haben wir noch einen anspruchsvollen Weg vor uns.“ Ja, das stimmt. Ein sehr anspruchsvoller Weg.
Güntner am Schluss der Pressemitteilung: „Wir werden der Arbeitslosigkeit den Nachwuchs nehmen.“ Das ist eine sehr ambitionierte Aussage.

Zweites Beispiel:
Die neue Verordnung AVBG. Das heißt ausgesprochen Ausbildungsvorbereitende Bildungsgänge.

Auch sie soll dabei helfen, den Übergang in den Beruf zu verbessern. Sie ist seit März 2017 in Kraft. Auch hier gibt es massivste Schwierigkeiten. Ein wichtiger Teil dieser Bildungsgänge sind die Praktikumsklassen (das heißt für die Schülerinnen und Schüler 2 Tage Schule, 3 Tage Praktikum).

Diese Praktikumsklassen sind zuletzt massiv ausgebaut worden. Ein Grund dafür sind die geringeren Kosten. Zwei Tage Schule sind deutlich billiger als fünf. Die teureren Vollzeitbildungsgänge sind dafür eingespart worden.

Das Dilemma in den Praktikumsklassen zeigt sich auch in einer Vorlage der Bildungsbehörde, die morgen (28.11.2018) in der Deputation beraten wird. Dort heißt es: 233 von 499 Schülerinnen und Schüler in den Praktikumsklassen erreichten das Ziel des Bildungsgangs – das sind weniger als 50 Prozent. Das ist schlimm genug. Aber das Hauptkriterium für das Gelingen sind acht Wochen erfolgreiches Praktikum, nur acht Wochen. Das Schuljahr hat aber 40 Wochen. Obwohl nur 20 Prozent dieser Zeit gefordert sind, scheitern mehr als die Hälfte.

Woran liegt das? Weil die meisten Schülerinnen und Schüler weder berufsbildungsreif noch praktikumsreif sind. Vor zehn, 15 Jahren war das noch wesentlich besser. Da hatten bis zu 80 Prozent am Ende des Jahres einen Ausbildungsplatz. Heute sind wir froh, wenn wir zwei, drei Schülerinnen und Schüler in die Lehre bringen.

Aber wie konnte sich die Quote so verschlechtern?

Leistungsschwache 15- und 16-Jährige können einen allgemeinbildenden Schulabschluss trotz schlechter Noten und hoher Fehlzeiten bekommen. Ein Beispiel aus meiner Praktikumsklasse zeigt das: mehrere Fünfen und eine Sechs standen im Zeugnis und unten dazu noch 62 unentschuldigte Fehltage. Trotzdem bekam die Schülerin die einfache Berufsbildungsreife, weil sie am Schuljahresende die Abschlussprüfung bestand.

Solche Abschlüsse zu vergeben, schönt die Statistik, aber hilft den Schülerinnen und Schüler nicht. Mit diesem Zeugnis hat die Schülerin natürlich keine Chance auf einen Ausbildungsplatz – trotz drei guter Praktika in meiner Klasse. Und eine weiterführende Schule? Keine Chance bei den Noten.

Ein Dilemma für die Schülerin. Dann haben wir sie schulintern in eine Vollzeitklasse wechseln lassen. Das ist übrigens nach der neuen AVBG-VO nicht vorgesehen. Jetzt kann sie aber ihren schlechten Abschluss verbessern. Sie hat wieder eine Perspektive und ein bisschen längere Bildungszeit. Also: eine pädagogisch sinnvolle Aktion im Graubereich.

Noch deutlich schwerer haben es junge Geflüchtete. Sie müssen schnell Deutsch lernen und sich an vieles andere in einem fremden Land gewöhnen. Wenn sie nach Wartezeit an einer Berufsschule landen, haben sie nur zwei Jahre Zeit sich in Sprach- und Berufsorientierungsklassen auf den Einstieg in die Berufswelt vorzubereiten. Das ist entschieden zu wenig Zeit, um realistische Chancen zu haben. Sobald die Flüchtlinge nicht mehr schulpflichtig sind, zieht sich der Staat, das Land Bremen, zurück. Ein weiteres Dilemma für fast alle.

Ihr Recht auf Bildung muss unbedingt verlängert werden. Das ist eine soziale Pflicht für alle Verantwortlichen. Das müssen wir schaffen.

Forderungen

Zum Schluss möchte ich gerne einen Wunsch äußern: Gewerkschaften, Personal- und Betriebsräte dürfen nicht nachlassen – nein, sie müssen stärker als bisher darauf drängen, die Bedarfe in der Berufsvorbereitung einzufordern.

Ich habe persönlich nämlich keine Lust mehr auf Dilemma und Verschlechterungen. Ich möchte nicht, dass meine Arbeit und die meiner Kollegen verpufft. Ich möchte meine Schülerinnen und Schüler nicht oft perspektivlos in die Zukunft entlassen.

Aber der Bildungsetat und die Ressourcen sind nicht üppig. Und das wird auch nach der Bürgerschaftswahl im Mai 2019 so sein. Falls die SPD weiter für die Bildung und die Berufsvorbereitung verantwortlich ist, ist eins jetzt schon klar: die 200 Millionen Euro mehr pro Jahr für die Bildung, die wahlversprochen sind, sind schnell ausgegeben. Die Sanierung und der Bau von Schulgebäuden kostet alleine schon mehr als eine Milliarde Euro.

Wahlversprochen ist auch, dass das Ausgabenniveau pro Schüler und Jahr steigt. Und zwar auf das Niveau der anderen Stadtstaaten Hamburg und Berlin. Hier wird weniger als 7.000 Euro ausgegeben, dort mehr als 8.000 Euro. Das ist eine bis zu 20 Prozent große Lücke. Ganz ehrlich, diese Lücke zu schließen, traue ich dem Senat nicht mehr zu.

Junge Menschen brauchen Chancen, wenn es sein muss – auch mehr als eine. Sie müssen die Möglichkeit haben, sich so gut wie möglich für einen Beruf vor- und ausbilden zu lassen, so dass sie später auch Arbeitgeber finden, bei denen sie ihre Fähigkeiten einbringen können. Und die vernünftige Tariflöhne zahlen und sichere Jobs bieten. Bei der Fluggesellschaft, von der wir jetzt noch hören, gibt es da ja große Probleme.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg bei Eurer so wichtigen Aufgabe.

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Berufliche Bildung Bildungsgerechtigkeit Bildungsqualität Bildungssystem Mitbestimmung Artikel Bremen Stadt Bremen
news-15160 Thu, 22 Nov 2018 16:57:00 +0100 //  verschieden * gleich * gemeinsam // https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/verschieden-gleich-gemeinsam/ Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams  |Tagung in Kassel am 25./26. Januar 2019 | Anmeldeschluss 12. Dezember 2018 LEITUNG und ORGANISATION  
Tagungsleitung:  
Dr. Ilka Hoffmann | Leiterin des Vorstandsbereichs Schule der GEW  
Björn Köhler | Leiter des Vorstandsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW  
 
Kontakt für inhaltliche Fragen:   
Martina Schmerr | Referentin im Vorstandsbereich Schule der GEW  |  martina.schmerr [at] gew [dot] de  
Birte Radmacher | Referentin im Vorstandsbereich Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW  | birte.radmacher [at] gew [dot] de

Organisation und  Anmeldung:  
Edda Bühler | Mitarbeiterin im Vorstandsbereich Schule der GEW  |  edda.buehle [at] gew [dot] de | Tel.: 069 / 789 73 321  
Antje Lindner | Mitarbeiterin im Vorstandsbereich Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW  | antje.lindner [at] gew [dot] de |Tel.: 030 / 235 014 11 

Anmeldungen bis spätestens 12. Dezember 2018

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Schulsozialarbeit Kita Schule GEW Bildungsqualität Artikel
news-15127 Thu, 15 Nov 2018 17:20:00 +0100 Eine letzte Laterne an den Senat! https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/eine-letzte-laterne-an-den-senat/ A12-er fordern: Schneller Gesetzesvorschlag nötig! Hintergrundinformationen:

Seit einigen Jahren kämpft die GEW Bremen verstärkt dafür, dass alle Grundschul- und Sekundarstufenlehrkräfte, die eine vollständige Lehrerausbildung mit erstem und zweitem Staatsexamen besitzen, nach A 13 bzw. E 13 und damit wie alle anderen Lehrerinnen und Lehrer bezahlt werden. Aktuell ist dies nicht der Fall. Grundschul- und Lehrkräfte der Sekundarstufe I sind schlechter gestellt und erhalten nur A 12 bzw. E 11. „In der Vergangenheit haben wir durch vielfältige Aktionen auf diesen Missstand aufmerksam gemacht“, so Bernd Winkelmann, Landesvorstandssprecher der GEW.

„Insbesondere wurden die zuständigen Senatorinnen und politisch Verantwortlichen aufgefordert, Abhilfe zu schaffen. Lehrkräfte in allen Schulstufen haben gleichwichtige und -bedeutsame, verantwortungsvolle Aufgaben abzuleisten. Dies muss endlich anerkannt werden und sich in der Besoldung niederschlagen“, ergänzt Winkelmann. 

Nun liegt ein von der GEW beauftragtes Rechtsgutachten mit dem Titel: „Die rechtliche Zulässigkeit der unterschiedlichen Eingruppierung verschiedener Gruppen beamteter Lehrerinnen und Lehrer nach dem Laufbahn- und Besoldungsrecht der Länder Bremen und Hamburg aus verfassungs- und beamtenrechtlicher Perspektive“ von Prof. Dr. jur. Ralf Brinktrine von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vor. „Dieses Gutachten besagt, dass die schlechtere Bezahlung der Grundschul- und Lehrkräfte der Sekundarstufe I in Bremen nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist“, fasst Winkelmann zusammen: „Wir fordern die Landesregierung auf, sofort alle entsprechenden Lehrkräfte nach A 13 / E 13 zu bezahlen und werden dafür alle notwendigen rechtlichen und politischen Schritte einleiten!“ 
 
Entscheidend ist das Fazit, zu dem Prof. Dr. Brinktrine in seinem Gutachten kommt: „Die unterschiedliche Einstufung von Lehrkräften an Grundschulen und Lehrkräften in der Sekundarstufe I im Eingangsamt A 12 einerseits und Lehrkräften an Gymnasien im Eingangsamt A 13 andererseits, die alle nach den derzeit geltenden Ausbildungsregelungen ausgebildet worden sind, ist wegen der sowohl in Bremen als auch in Hamburg feststellbaren Vereinheitlichung der Lehrerausbildung nicht mehr überzeugend sachlich zu rechtfertigen. Sie steht deshalb in beiden Ländern mit dem Alimentationsgrundsatz sowie dem allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz nicht mehr im Einklang.“ (Gutachten, Seite 89).

Neben der Laufbahnzuordnung und den Kriterien zur Umsetzung des Alimentationsprinzips hat der Gesetzgeber auch verfahrensrechtliche Kriterien zu beachten. Er muss besoldungsrechtlich reagieren, wenn er Laufbahn- und Ausbildungsvorschriften derart verändert, dass Unterschiede zwischen den 
Ämtern verblassen. In diesem Zusammenhang kommt Prof. Dr. Brinktrine zu dem Schluss, dass die ungeprüfte Fortführung der bisherigen Einstufung von Ämtern in der Besoldungsordnung nach dem Besoldungsgesetz von 2016 zu beanstanden sei. Das Besoldungsstufensystem des Jahres 2016 
beruhe auf Grundlagen, die im Land Bremen nach dem Lehrerausbildungsgesetz von 2010 gar nicht mehr existierten. „Dies alles“, so Vorstandssprecher Winkelmann zusammenfassend, „sind eindeutige Argumente. Die Bremische Bürgerschaft ist nun gefordert.“  
 
Für Nachfragen steht zur Verfügung:   Bernd Winkelmann | 0162-9731230

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Schule Bildung weiter denken GEW Gute Arbeit Gleichstellung Mitbestimmung Beamte Artikel Bremen Stadt Bremen Bremerhaven
news-10048 Thu, 15 Nov 2018 16:00:00 +0100 Verbeamtet? und neu eingestellt? https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/verbeamtet-und-neu-eingestellt/ Gegen die Abkopplung der Besoldung von den Tariferhöhungen Für alle neu eingestellten beamteten Kolleginnen und Kollegen, die bisher noch keinen Widerspruch eingelegt haben, gilt: Der Widerspruch sollte sofort eingelegt werden – auf jeden Fall noch in diesem Kalenderjahr!
  • Für alle neu eingestellten beamteten Kolleginnen und Kollegen, die bisher noch keinen Widerspruch eingelegt haben, gilt:
    Der Widerspruch sollte sofort rückwirkend ab Einstellungsdatum eingelegt werden – auf jeden Fall noch in diesem Kalenderjahr!
  • Für alle Kolleginnen und Kollegen, die ihren Widerspruch mit dem Muster-Widerspruchsschreiben des DGBs eingereicht haben, gilt:
    Es muss kein erneuter Widerspruch eingereicht werden, da das bereits eingereichte Widerspruchsschreiben auch für die neue Gesetzesfassung Gültigkeit hat und unter die Musterklagevereinbarung fällt!

  • Wichtig ist jetzt für alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen (nur die neu eingestellten - die anderen müssen nicht mehr erneut Widerspruch einlegen!) bis Ende des Jahres 2018 Widerspruch bei  Performa Nord (HB) oder Personalamt (Brhv) einzulegen. 

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    Beamte Artikel Bremen
    news-14771 Wed, 14 Nov 2018 16:28:00 +0100 GEW-Bundesvorsitzende besuchte Bremischen Gewerkschaftstag https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-bundesvorsitzende-besuchte-bremischen-gewerkschaftstag/ Bildung, Demokratie, soziale Gerechtigkeit. Workshops

    Die Workshops finden statt am Mittwoch, den 21. November von 11.15 – 12.45 Uhr

    • Bildungspolitische Herausforderungen in Bund und Ländern - mit Marlis Tepe
    • Bildungsfinanzierung: Ist Bremen noch zu retten?
    • Wie aktiviere ich meine Kolleg*innen?
    • Demokratie stärken, Arbeit gegen rechts
    • Forderungen zur Tarifrunde: Tarifpolitik der GEW
    • Vertretungskräfte und Quereinsteiger*innen: Berufseinstieg und Qualifizierung
    • Arbeit von Bildungsgewerkschaften: Das Beispiel Burkina Faso
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    Schulsozialarbeit Berufliche Bildung Schule Bildung weiter denken GEW Migration Internationales Bildungsgerechtigkeit Bildungsfinanzierung Bildungsqualität Inklusion Gesundheit Artikel Bremen Stadt Bremen Bremerhaven
    news-15310 Sat, 10 Nov 2018 09:30:00 +0100 Bremerhaven bleibt bunt https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/bremerhaven-bleibt-bunt/ GEGEN: Neonazist*innen | Faschist*innen | Rechtspopulist*innen! FÜR: Demokratie | Solidarität | gleiche Rechte! Gesellschaftspolitik Gleichstellung Bremerhaven news-15119 Tue, 06 Nov 2018 12:58:00 +0100 Dschungel Referendariat https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/dschungel-referendariat/ Informationsveranstaltung für Studierende am 6.12.2018 Studium LehrerInnenbildung Artikel Bremen Stadt Bremen news-15120 Mon, 05 Nov 2018 12:58:00 +0100 Podiumsdiskussion zur Lehrer*innenbildung verdeutlicht: https://www.gew-hb.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/podiumsdiskussion-zur-lehrerinnenbildung-verdeutlicht/ Der Regelweg muss der Regelweg bleiben An den Bremischen Schulen arbeiten derzeit über 250 Studierende ohne Masterabschluss als Vertretungslehrkräfte. Die Schulen sind in Zeiten des Fachkräftemangels dringend auf die Studierenden angewiesen um die Unterrichtsversorgung zu gewährleisten. Für Studierende ist der Nebenjob an der Schule eine zunächst eine verheißungsvolle Möglichkeit, Erfahrungen im angestrebten Beruf zu sammeln und das bei einem attraktiven Stundenlohn.

    Was kurzfristig nach einer Win-Win-Situation für Schulen und Studierende aussieht, erweist sich jedoch oft als problematisch, teilweise mit langfristig negativen Folgen. Die Qualität der Lehramtsausbildung droht ins Hintertreffen zu geraten und dies zu einer Zeit, in der die Schulen dringend auf gut ausgebildete Lehrer*innen angewiesen sind. Etliche Studierende berichten über Überforderung angesichts der neuen Aufgaben und der großen Verantwortung. Bei denjenigen Lehramtsstudierenden, die sich nicht abschrecken lassen, rückt das eigene Studium dann oft in den Hintergrund und der Studienabschluss oder der Seminarbesuch werden in die Zukunft verschoben. Andere Studierende hingegen ziehen die Notwendigkeit einer vollständigen Ausbildung in Zweifel, schließlich stellen sie regelmäßig unter Beweis, dass sie bereits eigenverantwortlich unterrichten können.

    Einer Gewerkschaft, die die Interessen der gegenwärtigen und zukünftigen Lehrkräfte vertritt und für eine gute Bildung für alle Kinder einsteht, muss diese Entwicklung ein Dorn im Auge sein.  Deshalb wollten wir dieses Dilemma im Rahmen einer Podiumsdiskussion näher beleuchten um anschließend Handlungsoptionen und Auswege zu diskutieren.   

    Am Montag, 5. November 2018 diskutierten:

    • Prof. Dr. Thomas Hoffmeister | Konrektor für Lehre und Studium, Universität Bremen
    • Bernd Winkelmann  | Landesvorstandsprecher GEW Bremen
    • Angelika Hanauer | Vorstand Personalrat Schulen Bremen
    • Stefanie Geue | Master Absolventin und Vertretungslehrkraft
    • Matthias Eckhardt | Hauptseminarleiter am Landesinstitut für Schule (angefragt)

    Moderation: Inge Kleemann | Organisationsreferentin GEW Bremen

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    Studium Schule LehrerInnenbildung Artikel Bremen Stadt Bremen