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Wir fangen an, bevor Schule aufhört

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für zahlreiche Jugendliche nach wie vor mit erheblichen Hürden verbunden. So mündet eine nicht unerhebliche Zahl Jugendlicher nach der Schule nicht direkt in Ausbildung. Viele, die vor dem Hintergrund belastender Lebenslagen bisher noch keine Bildungserfolge beim Übergang Schule / Beruf verzeichnen konnten, werden diese Erfolge ohne Unterstützung nicht erreichen. Hier setzt das „Zentrum für Schule und Beruf“ (zsb) an, das im kommenden Jahr bereits seit 20 Jahren besteht.

 

16.04.2013 - Das Zentrum für Schule und Beruf: Wie Kooperation von Schule und Jugendhilfe gelingen kann | von Elisabeth Mahlberg-Wilson

Patchwork statt Regelfinanzierung

Angesichts der Rahmenbedingungen erscheint es fast schon wie ein kleines Wunder, dass die Arbeit des zsb über einen so langen Zeitraum möglich wurde. Denn was für den Regelbetrieb der Schule als normal gilt, nämlich eine zumindest relative Verlässlichkeit und Planungssicherheit, stellt sich im Kontext der Jugendsozialarbeit für eine Einrichtung wie das zsb völlig anders dar. Anstelle eines geregelten Haushaltes steht hier eine „Patchwork-Finanzierung“, bei der die einzelnen Zuwendungen von Land, Bund sowie der Europäischen Union jeweils zeitlich befristet und projektgebunden zugewiesen werden. Zum Teil werden Zuwendungsbescheide quasi in der letzten Minute vor Projektbeginn erteilt. Dies bedeutet nicht nur eine Gefährdung der Kontinuität in der pädagogischen Arbeit, sondern auch eine erhebliche berufliche Unsicherheit für die Mitarbeitenden der Einrichtung. Wie motiviert sie dennoch sind, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass etliche bereits seit mehr als zehn Jahren im zsb arbeiten.

Für das Jahr 2013 gelang es zum ersten Mal, einige Projekte, die bisher über den ESF-finanziert wurden, über Zuwendungen des Bildungs- und Sozialressorts abzusichern. Leider hat sich fast zeitgleich das Jobcenter aus der Finanzierung zurückgezogen und damit ein großes Loch in das Gesamtbudget des zsb gerissen.

Kein starres Konzept

Ziel der pädagogischen Arbeit des zsb ist es, die Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung der Jugendlichen zu fördern und beizutragen zur Verbesserung ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklungschancen. Dieses sind wesentliche Voraussetzungen für eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. „Wir fangen an, bevor Schule aufhört“ – ist das Motto des zsb, das in enger Zusammenarbeit mit der Allgemeinen Berufsschule (ABS) umgesetzt wird.

Die Pädagoginnen und Pädagogen des zsb unterstützen dabei die Schülerinnen und Schüler, die an der ABS ausbildungsvorbereitende Bildungsgänge besuchen und kooperieren hierzu eng mit den Lehrerinnen und Lehrern der Schule. Das Beratungsangebot „ProMotion“ etwa bietet Unterstützung bei der Berufswahl, bei Bewerbungen und Praktikumssuche. Für hartnäckige Schulverweigerer/innen gibt es die Schulverweigererprojekte „KidZ“ und „Was geht?!“. „KidZ“ steht für „Kreativ in die Zukunft“. In zwei Unterrichtsgruppen werden je acht Mädchen oder Jungen individuell wieder ans Lernen herangeführt und können dabei die Berufsbildungsreife erwerben. „Was geht?!“ bietet Beratung und Clearing für diejenigen, die von Schule gar nicht mehr erreicht werden.

Hilfen für junge Mütter

„BeLeM“ (Berufliche Lebensplanung für junge Mütter) und „Spagat“ sind Projekte, die junge Mütter unterstützen, das Leben als Mutter mit den Anforderungen von Schule und Ausbildungssuche zu vereinbaren. Bei „BeLeM“ erhalten junge Mütter (15 – 21 Jahre) die Möglichkeit, ihren Schulabschluss nachzuholen. Bereits seit 1998 arbeitet „BeLeM“ mit jungen schulpflichtigen Müttern, die aufgrund ihrer Schwangerschaft die Schule verlassen haben und später wegen der Versorgung ihres Kindes nicht wieder in Regelklassen integriert werden konnten. Damit den jungen Müttern der Wiedereinstieg in Schule auch mit Kind möglich wird, bietet „BeLeM“ sogar eine Kinderbetreuung direkt vor Ort an.
Eine Ausbildung in Teilzeit bietet für viele der jungen Mütter eine gute Möglichkeit, flexibel und trotzdem engagiert ins Berufsleben einzusteigen – das zsb hilft, im Projekt „Spagat“, sich in Schule und Praktikum auf eine Ausbildung oder Arbeit vorzubereiten, solche Ausbildungsstellen zu finden und wirbt auch bei Arbeitgebern für mehr Teilzeitausbildungsmöglichkeiten.
Mit „iTools“ bietet das zsb unterschiedliche „Integrationsmodule“ für Jugendliche mit Migrationshintergrund, u.a. Spätzugewanderte und minderjährige, unbegleitete und traumatisierten Flüchtlinge. „BIN“, das Bremer und Bremerhavener Integrationsnetz koordiniert im Land Bremen Beratungs- und Qualifizierungsangebote für Bleibeberechtigte und Spätzugewanderte und kooperiert hierzu eng mit Behörden, Ämtern und Organisationen.
Berücksichtigt man, dass nach wie vor Jugendliche mit Migrationshintergrund weitaus seltener als einheimische Jugendliche direkt in Ausbildung oder Qualifizierung münden, so wird die Bedeutung der Arbeit gerade mit diesen Zielgruppen unterstrichen.

Finanzielle Grundausstattung unzureichend

Seit der Gründung des zsb im Jahr 1994 arbeiten fünf Partner im Rahmen einer vertraglich festgelegten Kooperation zusammen: die Senatorin für Bildung und Wissenschaft, die Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen, das Amt für Soziale Dienste, die Allgemeine Berufsschule Bremen und das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Bremen, das gleichzeitig der Träger der Kooperation ist.
Durch diese enge Zusammenarbeit ergeben sich Möglichkeiten, die alle Beteiligten sonst nicht hätten. Das zsb agiert direkt an der Schnittstelle von Bildung und Jugendhilfe, Bildungs- und Jugendsozialarbeit ergänzen sich direkt.

Einzel-, Team- und Gruppenberatung, Seminarangebote wie das Bewebungstraining „Stell Dir vor, Du stellst Dich vor“, erlebnispädagogische Angebote, Drogenpräventionsarbeit, Trainingsraum – die Aufgaben der zsb-Pädagogen/innen orientieren sich an den Bedarfen der Jugendlichen. Jörg Achenbach, der pädagogische Leiter des zsb betont: „Es ist uns wichtig, die Wünsche und Fähigkeiten der jungen Erwachsenen im Blick zu behalten. Es geht darum, mit ihnen gemeinsam realistische Ziele heraus zu arbeiten und Entwicklungen beruflicher und persönlicher Art zu initiieren und zu unterstützen“.

Zum Qualitätsmanagement des zsb gehört u.a. eine jeweils am Schuljahresende durchgeführte anonyme Befragung der Schülerinnen und Schüler. Dabei werden diese dazu befragt, wie sie die Angebote der Einrichtung für ihr eigenes Weiterkommen einschätzen.

               „...und gut war, dass man sich dort Hilfe holen kann, wenn man große Probleme hat.“
               „Die Arbeit von den Sozialpädagogen ist sehr gut gewesen.“
               „…dass Frau S. mit ihren Mitarbeitern immer da war, wenn man die brauchte….“
               „Ich bin froh, dass es so eine Möglichkeit für junge Mütter gibt und kann sie nur weiterempfehlen“.

Dies sind nur einige Beispiele die belegen, dass das zsb die Jugendlichen erreicht. Etwa 450 bis 500 Jugendliche werden in jedem Schuljahr unterschiedlich intensiv begleitet, etwa 75 Prozent derjenigen mit Schulabschluss können erfolgreich in Aus – und Weiterbildung vermittelt werden. Deutlich wird daran auch, dass das häufig kritisierte Übergangssystem durchaus seinen Beitrag zur beruflichen Integration von Jugendlichen leistet, wenn die Bedingungen stimmen.
Der Hauptausschuss des BIBB formuliert in seiner Empfehlung „Leitlinien zur Verbesserung des Übergangs Schule – Beruf“ im Jahre 2011, wie das Übergangsmanagement ausgerichtet sein sollte: „Es soll …. individuell fördern, begleiten und beraten, Nähe zur Berufs- und Betriebspraxis haben, regional koordiniert und gesteuert werden, transparent und anschlussfähig sein und prozessbegleitend evaluiert werden“.

Die Arbeit des zsb spiegelt diese Leitlinien wieder. Um diese Arbeit weiter in der gebotenen Qualität leisten zu können, ist eine bessere finanzielle Grundausstattung durch die Bereiche Bildung, Jugend/Soziales und Arbeit dringend erforderlich.

Die Autorin:

  • Elisabeth Mahlberg-Wilson ist Leiterin Zentrum für Schule und Beruf, www.zsb-bremen.de
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