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Wie ist die Jugend?

„Jugendforscher“ Klaus Hurrelmann bezieht sich z.B. in Zeitschrift Pädagogik4/ 2013 auf Shell-Jugendstudien von 2006/2010. Hier in Stichworten die Ergebnisse: Für die vor ca. 50 Jahren geborenen, also die Elterngeneration, galten Werte wie Handlungsfreiheit, Mitbestimmung und Umweltqualität. Krisenjahrzehnte ab 1990 haben die Lage verändert in Richtung Streben nach Sicherheit und Erfolg in der Leistungsgesellschaft.

16.12.2014 - Wie ist die jetzige Generation der Kinder und Jugendlichen, also unsere Klientel in der Schule? | Von Wilfried Meyer

Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie Sicherheit, Pflichtbewusstsein, Familie und Freundschaft. Ein Leben in Widersprüchen wie individuelle Freiheit und soziale Bindung, Kinder und Karriere, ökologisch und bequem, sicherer Job und keine 48-Stundenwoche. Es herrscht „strukturelle Ungewissheit der Zukunftsplanung“ und eine „Egotaktik“ als Grundmentalität. Wobei Kinder aus sozial höher stehendem Elternhaus immer die besseren Chancen haben. Sie werden auch als „digital natives“ bezeichnet in Bezug auf ihren Umgang mit Medien. Die Studie unterscheidet 4 Gruppen.

Gruppe 1: die „Leistungselite“ der „selbstbewußten Macherinnen und Macher“, nach Studie fast 30% der jungen Generation, Ellenbogenbenutzer, Egotaktiker. „Unternehmen sehen das gern, „insgesamt aber sollte diese Gruppe stärker auf soziale Verantwortung und gemeinschaftliche Verpflichtung angesprochen werden“ (Hurrelmann)

Gruppe 2: die „Engagementelite“ pragmatischen Idealist/innen mit Leistungspotenzial, aber sozial engagiert und mit Einsatz für Humanisierung von Lebensbedingungen. Sie sollten von der Gesellschaft „intensiv umworben“ werden, so Hurrelmann

Gruppe 3: die Skeptiker und Unauffälligen, diese brauchen immer die beharrlich ausgestreckte Hand (sie sind eventuell in Zukunft die 20 % „Begabungsreserve“, die fachlich gebraucht werden)

Gruppe 4: die robusten, materialistisch orientierten Enttäuschten, mit bildungsmäßig niedrigem Niveau (20%)

 

Vorschläge Hurrelmanns zum Umgang

  1. Potenziale identifizieren, Diagnostische Instrumente weiterentwickeln
  2. Alle Gruppen maßgeschneidert fördern und fordern, passende Angebote machen
  3. Bildungseinrichtungen brauchen eine glaubwürdige Willkommenskultur, jugendliche Klienten muss man mögen und wertschätzen
  4. Diese mit allen Erfahrungen und Gegebenheiten annehmen, auch die psychische und körperliche Gesundheit gehört dazu
  5. Persönlichkeitsbildende Bedeutung der Bildungs-und Berufstätigkeit sollte stärker erfahrbar werden durch kreatives und eigenständiges Arbeiten und Möglichkeiten bieten, die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Tätigkeit einzubringen
  6. Auf den persönlichen Kontakt kommt es an, das eigene Vorbild wirkt Wunder

 

Kommentar: Diese Vorschläge sind sehr allgemein, Punkte 3 und 6 selbstverständlich. Hätte der Staat ein Interesse an allen Gruppen und würden Vorschläge konsequent angewandt, wäre ein erheblicher Aufwand des Staates an Personal, Material und entsprechender Raumgestaltung nötig. Entsprechend muss der Haushalt aufgestockt werden, der jetzt schon in Bremen für z.B. Inklusion nicht ausreicht. Zweitens muss die Lehrerausbildung/ Fortbildung diese Analysen berücksichtigen.

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