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Wer schafft hier was?

Ein Gespräch mit „Help a Refugee e.V.“

16.12.2015 - Wilfried Meyer

„Wir schaffen das!“ Das ist Frau Merkel sicherlich so rausgerutscht und die Entwicklung  seitdem zeigt, dass die Politik schon gewaltig zurückrudert. Von einem guten Plan der Politik kann nicht die Rede sein, von der Registrierung über die Aufnahme bis hin zur Eingliederung ganzer Familien wird es noch ein weiter Weg sein. Geld ist vorhanden, das hat die Bankenrettung aller Orten gezeigt. Und wer die Folgen seiner Politik im Ausland, z.B. die immensen Waffenexporte, nicht sehen will, der sollte zumindest die Opfer dieser Politik menschenwürdig behandeln.  Die Bereitschaft großer Teile der Bevölkerung zumindest in Bremen zur Hilfeleistung scheint sogar zuzunehmen und ungebrochen.

Ein Beispiel aus Bremen: Help a Refugee! Die Organisationen erledigen das Meiste selbst!

 Das zeigte auch unser Gespräch mit Verantwortlichen des Vereins „Help a Refugee e.V.“ in Bremen. Dieser Verein, der schon 2,5 Jahre existiert, ist seit 1,5 Jahren gemeinnützig und wächst mit den Aufgaben. Gegründet aus dem Unistudiengang Wirtschaftsarabistik mit Schwerpunkt Sprache, sind heute von der Ersthilfe für Neuankommende bis zur Unterstützung bei Familienzusammenführung vielfältige Aktivitäten nötig. Natürlich ist die Sprache oft eine Hürde bei der Verständigung z.B. auf den Ämtern. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die deutschen Beamten immer englisch sprechen, geschweige denn andere Sprachen wie arabisch. Hier werden die Flüchtlinge begleitet und unterstützt.

Familien

Es ist so, dass oft die Männer, die älteren Söhne vorangehen, zuerst hier ankommen. Die Familien zusammenzuführen ist dann ein hartes Stück Arbeit. Alle Papiere müssen im Heimatland mühsam besorgt werden. In Städten wie dem syrischen Homs z.B., die oft völlig zerbombt sind. Dann müssen Wege und Reisemöglichkeiten gefunden werden, Visaanträge gestellt und genehmigt werden. Sind alle Pässe vorhanden? Was ist, wenn Pässe fehlen? Personen, die schon in Ungarn registriert, aber dort nicht bleiben wollten, werden die von hier zurückgeschickt ? Nach dem Dublinabkommen müssten Flüchtlinge dort bleiben wo sie in der EU zuerst ankamen. Welche Belastung für Griechenland, Italien, Ungarn,Kroatien... Und die Geflüchteten!

Prüfungen

Überprüfungen dauern zu lange, Personal fehlt. Unterlagen müssen nachgeschickt werden. Also Unterbringung in den Erstaufnahmestellen, in Bremen zuerst in der Steinsetzerstraße, da gab es Wanzen, also Umzug in die Alfred-Faust-Straße. Prüfungen gibt es auch in der deutschen Sprache, für diese Kurse gibt es manchmal Wartezeiten von 1 Jahr, der Kurs dauert 1,5 Jahre und wird mit Tests begleitet. Auch hier unterstützen die Freiwilligen des Vereins.

Wohnen und Leben

Verhandlungen mit Vermietern, Wohnungsbesichtigungen, der Verein hat dafür extra eine Wohnungs-AG gegründet. Auch hier eine nicht einfache Aufgabe. Auch vielleicht entsprechende Mischungen beim Wohnen hinzubekommen oder zu vermeiden ist nicht leicht. Die Politik ist nicht in der Lage schnell und ausreichend günstigen Wohnraum zu vermitteln, das Manko gibt es nicht erst seit der Flüchtlingsproblematik. Begleitung ist nötig bei vielen Alltagsgelegenheiten wie Einkaufen, das Besorgen von Fahrrädern, Kleidung ... Hier gibt es Zusammenarbeit auch zwischen Vereinen, für die Fahrräder mit dem ADFC, mit der Freiwilligenagentur u.a.

Bildung

Für die Kinder gibt es die verpflichtenden Vorkurse, in der Grundschule für ein halbes Jahr, in der Oberschule für 1 Jahr, parallel werden einige Unterrichtsstunden in den Klasen mitbesucht. Auch Analphabeten müssen geschult werden. Von allen Kursen gibt es nicht genug, und für die Leitung dieser Kurse zu wenige Fachkräfte. Hier muss es viel mehr Schulungen geben und es müssen weitere Freiwillige (Pensionäre etc.) gewonnen und vielleicht auch gut bezahlt werden. Sprache ist natürlich die Grundlage, und es mangelt an ÜbersetzerInnen. Auch der Verein sucht diese für feste Gruppen und auch für flexible Zeiten. Auch Rechtsberatung wäre ein weiteres Arbeitsfeld. Lehrkräfte haben die Möglichkeit den Verein anzusprechen, dieser ist gern bereit Informationen zu liefern und auch Projekte, z.B. gegen Rassismus und rechtes Gedankengut, zu unterstützen. So gelaufen in der Oberschule an der Egge. So geplant zum Thema Flüchtlinge in der GSM Brokstraße. Kontakte jederzeit über den Verein.

Und die Frauen?

Die Frauen sind die, die in erster Linie die Kinder betreuen. Da auch sie den Wunsch haben mal aus der Situation in den Aufnahmestellen, den Turnhallen, den Massenunterkünften herauszukommen, bietet der Verein einen „Lady-Circle“ (ohne Männer) an.  Ebenso werden 4 mal im Jahr Feste organisiert zum Feiern, Spielen, Tanzen, Musizieren, Essen. Nächster Termin 12.12., 15 Uhr St.Pauli Gemeinde, Neustadt.

Räume und Termine

Gut ist, dass z.B. die Kirche  Räume zur Verfügung stellt, in diesem Fall in der Gemeinde St.Johann. Und gut auch, dass niemand nach Religion und Zugehörigkeit fragt. Der Verein mit im Moment ca. 60 Mitgliedern und ca. 120 Mitarbeitern erhebt einen Jahresbeitrag von 12 €. Man arbeitet freiwillig oft viele Stunden in der Woche. Es gibt wöchentlich mittwochs um 16.00 Uhr eine Einführung in die Arbeit und auch ein Meeting  mittwochs 16.30 Uhr (Meet a Local), zu dem auch viele Flüchtlinge kommen, um ihre kleinen und größeren Nöte zu besprechen.

Kontakt: info [at]help-refugee [dot] com und www.help-refugee.com

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