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Weniger Grunddelikte durch Präventionsprojekte

Ein Blick in die derzeit aktuellste Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) macht Mut: Nicht nur die Anzahl der Straftaten insgesamt in Bremen ging zurück, auch der Anteil junger Tatverdächtiger nimmt seit dem Jahr 2009 kontinuierlich ab. Am auffälligsten sank dabei der Anteil der Heranwachsenden (also strafmündige Jugendliche bis zu 18 Jahren), nämlich von 10,8 Prozent im Jahr 2012 auf 9,7 Prozent im vegangenen Jahr. Innensenator Ulrich Mäurer freute sich: „Dies ist auch ein Ergebnis der vielen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Programm ‚Stopp der Jugendgewalt‘.“

16.12.2014 - Jugendkriminalität verändert sich / Experten der Bremer Polizei favorisieren das Prinzip Erziehung vor Strafe | von Karsten Krüger

Einen noch genaueren Blick auf die Entwicklung im Bereich straffällige Jugendliche hat Ute Schwan, Koordinatorin für Jugenddelinquenz bei der Polizei Bremen. „Es gibt zwar neue Formen der Kriminalität wie zum Beispiel Cybermobbing, aber bei den Grunddelikten Ladendiebstahl und Sachbeschädigung sind die Vorfälle erfreulicherweise zurückläufig.“ Kriminaloberkommissarin Schwan begründet dies mit einer besser verzahnten Kooperation zwischen den Beteiligten, vor allem mit dem Ämtern für soziale Dienste, den Experten der Polizei und den Schulen. " Die Kontaktbeamten suchen dabei konsequent die betroffenen Familien zu Hause auf, führen mit den Heranwachsenen und ihren Eltern normverdeutlichene Gespräche", so der amtsdeutsche Begriff für den Versuch, auf die Erziehung einzuwirken. "Dieser Ansatz wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht oder wesentlich seltener verfolgt", so Schwan. "Jetzt gilt – mehr und konsequenter als früher – das Prinzip Erziehung vor Strafe."

 

Ein weitere Grund für den Rückgang der Jugendkriminalität ist das Präventionsprojekt "Nicht mit mir", bei dem Schwans Kollegen in den 5. Klassen für Zivilcourage werben. "Mit kindgerechten Rollenspielen bekommen die Mädchen und Jungen neue Erkenntnisse, mehr Selbstvertrauen und es fördert zudem, so unsere Erfahrung, die Klassengemeinschaft." Allerdings: "Das Angebot könnte von den Schulen noch stärker genutzt werden", meint Schwan. Sie glaubt, dass viele Lehrerinnen und Lehrer das zeitaufwendige Projekt nicht in den oft vollen Lehrplan organisieren können oder wollen.
Veränderungen im Verhalten bei den Schülerinnen und Schülern hat die Polizeijugendexpertin vor allem im Bereich der interkulturellen Kompetenz festgestellt. "Dort sind die Kinder und Jugendlichen deutlich weiter als vor Jahren." Das kann auch Thomas Müller, Integrationsbeauftragter der Bremer Polizei, bestätigen. "Eine vorurteilsfreie Gesellschaft ist zwar undenkbar, aber das so genannte Schubladendenken hat vor allem bei den Jugendlichen stark nachgelassen. Wir nehmen wahr, dass sich bei vielen eine multikulturelle Identität entwickelt hat. Schublade auf und schnell wieder zu, das passiert immer seltener. Ein Beispiel: Das Vorurteil, dass russische Jugendliche nur rumhängen und Wodka trinken, trifft nicht zu und hat deshalb kaum noch eine Chance zu wirken."
Ein polizeiliches Problem im Umgang mit Heranwachsenen macht Ute Schwan allerdings Sorgen. "Sie haben erkennbar weniger Respekt vor Autoritäten." Die Jugendkordinatorin der Polizei wünscht sich, dass Eltern und Lehrkräfte die Jugendlichen nicht so schnell als verhaltensauffällig stigmatisieren. Dass 25 Augenpaare im Unterricht alles wissbegierig aufsaugen ist nicht mehr der Normalfall." Allerdings betont Schwan auch eine klare Grenze. "Bei Gewalt gegen Mitschüler und Lehrer gibt es bei der Polizei null Toleranz. Dann werden in der Regel die Experten der kinder- und jugendpsychiatrische Beratungsstellen einsgeschaltet."

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