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DGB-Jugend: Für eine multiperspektivische und solidarische Berufsorientierung

16.09.2019 - Mia Adrian

Maxi ist 18, hat gerade die Schule hinter sich und eine Ausbildung gestartet. Mehrere Praktika, eine Potentialanalyse und die Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen halfen das eigene Profil zu schärfen und den Traumberuf zu finden.
In der Schüler/innen-Firma lernte Maxi, wie man ein eigenes Produkt vermarktet, im Bewerbungstraining wie man sich selbst gut verkauft. Auf der Jobmesse fand Maxi dann den Wunschbetrieb und setzte sich erfolgreich gegen Mitbewerber/innen durch. Doch in der Ausbildung läuft es leider nicht wie erwartet. Jetzt heißt es wohl: Zähne zusammen beißen. Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ein Beispiel für gelungene Berufsorientierung? Oder eher ein Hinweis auf Individualisierung, Selbstökonomisierung und Entsolidarisierung beim Weg ins Berufsleben?

Gewerkschaften unerwähnt

„Berufsorientierung“, so die Bremer Richtlinie zur Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen, „ist der individuelle Prozess der Annäherung und Abstimmung zwischen Interessen, Wünschen, Wissen und Können des Menschen auf der einen Seite und den Möglichkeiten, Bedarfen und Anforderungen der Arbeits- und Berufswelt auf der anderen Seite.“

Hierzu soll mit Akteuren aus der Arbeitswelt kooperiert werden. Neben Beratungsinstitutionen und Hochschulen sind dies vor allem Unternehmen, Kammern, Arbeitgeberverbände und Stiftungen aus der Wirtschaft. Eine Leerstelle klafft da, wo es um die Perspektive von Arbeitnehmern/innen und Gewerkschaften geht. Dies spiegelt sich auch in der überwiegenden Mehrheit der Materialien und Konzepten zur Berufsorientierung wider.
Mit keinem Wort werden Gewerkschaften oder betrieblichen Interessenvertretungen erwähnt:
Weder als fester Bestandteil einer sozialpartnerschaftlichen Arbeitswelt, noch als Anlaufstelle für Arbeitnehmer/innen, geschweige denn als Kooperationspartner/innen für Schulen. Die Berufsorientierung läuft so Gefahr ökonomisch verengt zu werden.

Illusion der Chancengleichheit

Eine gute Arbeitswelt- und Berufsorientierung ist mehr als Berufswahlorientierung und Anpassung an die Erfordernisse des Arbeitsmarkts. Sie ist schüler*innenorientiert und multiperspektivisch. Neben den individuellen Bedarfen und Vorstellungen nimmt sie gesellschaftliche, wirtschaftliche, technische, organisatorische und soziale Rahmenbedingungen der Arbeitswelt in den Blick.
Um eine gleichwertige“Annäherung und Abstimmung“ der oft widersprüchlichen Interessen zu verwirklichen, braucht Berufsorientierung einen demokratischen und emanzipatorischen Bildungsansatz, der auch individuelle und kollektive Mitwirkungsrechte umfasst. Die Befähigung gesellschaftliche Verhältnisse selbstbestimmt mit zu gestalten, wirkt einer Individualisierung und Entsolidarisierung entgegen.
Sicherlich ist der eigene Lebensweg eine höchst individuelle Angelegenheit. Doch die indirekte Aufforderung der Selbstoptimierung und –ökonomisierung schlägt in die Kerbe einer „Illusion der Chancengleichheit“:
 Jede/r kann es schaffen, wenn man sich nur hart genug anstrengt. Verkannt werden dabei strukturelle Ausschlüsse und Diskriminierungen. Diese zu bekämpfen ist nicht nur Aufgabe der einzelnen Person, sondern von uns allen.

„nxt lvl- Durchstarten in die Arbeitswelt“

Mit dem Berufsorientierungskonzept „nxt lvl - Durchstarten in die Arbeitswelt“ will die DGB-Jugend diese Leerstelle füllen. In den drei- bis fünftägigen Projekttagen geht es um den Grundaufbau von Gesellschaft, Chancen- und Reichtumsverteilung und die Strukturierung der Arbeitswelt. Inhalte sind ebenso Wirtschafts- und Produktionskreisläufe, Rechte und Pflichten in Ausbildung und Studium sowie couragiertes Handeln gegen Diskriminierung in Arbeitswelt und Alltag.
Damit Maxi am Ende das Wissen und den Mut hat, sich für bessere Arbeits und Lebensbedingungen einzusetzen. Gemeinsam. Und nicht als Einzelkämpfer/in.

Anfragen - auch für weitere Möglichkeiten der Bildungsarbeit:
DGB Jugend Bremen-Elbe-Weser; Hannes Scherf und Mia Adrian;
0421/33576-21, dgb-jugend.hb [at] dgb [dot] de

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