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„Walle – du bist unser Zuhaus, uns’re Heimat, unser Leben“

Das Thema Heimat lag schon eine ganze Weile in der Luft. Was bedeutet dieses Thema für die Kinder unserer Schule in Walle?

16.02.2013 - Vom Entstehen des Musiktheaterstücks „Bunte Spuren von Unterwegs“ an der Grundschule Nordstraße | von Angelika Hofner

Über dreißig Kinder der ersten bis zur vierten Klasse, dazu noch ein paar Geschwisterkinder aus dem Kindergarten erzählten und zeigten uns in der Erkundungsphase auf der Bühne, was ihre Lieblingsplätze in Walle sind und was sie dort gerne machen. Da aber in die Farben von Heimat auch das Heimatgefühl der Eltern hineinfließt, wollten wir auch darüber mehr erfahren. Die Eltern fast aller Theaterkinder haben kulturelle Wurzeln in einem anderen Land als Deutschland. Glücklicherweise waren viele von ihnen bereit, an unserem großen Begegnungstag an einem Vormittag oder nachmittags zur regulären Theatergruppe zu kommen und etwas aus ihrer Kultur mitzubringen.

Die Sprachkursleiterinnen Bettina Horn-Udeze und Fehima Ben Achema hatten mit den Müttern auch vieles überlegt und vorbereitet. Vorweg schon sei gesagt: wir wurden reich beschenkt! Alinas Mutter erzählte ein zauberhaftes Märchen aus Katalonien, die Mutter von Priscilla und Ashley erzählte und spielte gleichzeitig eine Fabel aus Ghana und zeigte anschließend noch ein Bewegungsspiel auf Twi, das die Kinder sofort lernen wollten. Nachdem Danials Mutter ein pakistanisches Märchen aus Tausend und eine Nacht vorgelesen hatte, brachte uns Maawias Mutter einen Abzählreim auf Urdu bei. Das Märchen vom Fischer und siner Frau erzählte uns der Leiter des Instituts für Niederdeutsche Sprache – und natürlich einige Abzählreime auf Platt dazu. Jeweils direkt im Anschluss daran spielten die Kinder in Kleingruppen ihre Lieblingsstellen aus den Märchen. Natürlich durfte später der Kolbasti aus der Türkei nicht fehlen, den Izels Mutter und ein Tanz aus Mazedonien, den Rutkas Mutter den Kindern zeigte. Edisons Mutter führte uns vor, wie der Abschied der Braut von der Mutter in Kosovo-Albanien begangen wird, mit Henna gefärbten Händen und traurig-sehnsüchtigen Liedern. Edisons Tante sang dieses Lied mit der Daf und Ekins Vater türkische Lieder mit der Saz auch bei den Aufführungen.
In der Anfangsphase der Stückerarbeitung erzählten und spielten die Kinder Ereignisse ihres Lebens: von Ängsten wegen einer Bombenentschärfung, vom Tod von Geschwistern und Großeltern, vom Verliebtsein, von Reisen in die Heimat ihrer Eltern, von Träumen und Wünschen. Die schönen und traurigen Erlebnissen der Kinder und ihre Bezüge zu ihrem Stadtteil Walle waren der Stoff für Lieder und Raps, die Marie Adamowicz und André Wild komponierten und die Kinder mit Begeisterung sangen. Im Team mit der Tänzerin Tanja Wandzik und den ehemaligen SchülerInnen Aeneis, Niklas und Rumeysa entstand aus den bunten Puzzleteilen der Vorschlag für das Stück, eine Mischung aus Kollage und Handlung, den die Kinder gerne annahmen.
Kinder, die schon mehrere Sprachen sprechen, lernen die dritte, vierte oder fünfte leichter. Etliche Kinder sprachen auf der Bühne mehrere Sprachen, alle boten Lieder und Abzählreime in verschiedenen Sprachen dar.
Starke Kinder standen da auf der Bühne, nicht nur, weil sie sich trauten zu spielen, laut zu sprechen, zu rappen und zu singen. Sondern auch, weil sie sehr selbstverständlich ihre Schätze aus der Kultur ihrer Eltern mehrsprachig und mit großer Bewegungsvielfalt gemeinsam mit den anderen Kindern zeigten. Weil es ihnen bewusst war, welchen Reichtum sie besitzen. Und weil sie spürten, dass sie alle von vielen Kulturen geprägt und stolz darauf sind. „Wir sind gemeinsam auf der Reise, die sich auch das Leben nennt“ sangen die Kinder am Schluss.

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