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VERA 3: Keine befriedigende Lösung in Sicht

Herbst 2001. New York City wählt einen der reichsten Männer der Welt zum Bürgermeister – den Medienmogul Michael Bloomberg. Er verspricht, das öffentliche Schulsystem auf Vordermann zu bringen. Bloomberg zentralisiert die Schulverwaltung. Er installiert ein knallhartes Top-Down-Management. Und er ordnet an, dass sich Mädchen und Jungen regelmäßig testen lassen müssen – in Lesen und Mathematik. „The business model“ genannt.

16.02.2012 - von Wilfried Meyer | GEW-Fraktion Personalrat Schulen

Die Schulen der Riesenstadt reservieren fortan viel Unterrichtszeit zur Testvorbereitung. Viele Lehrer klagen: „Die Kinder werden trainiert, nicht mehr unterrichtet.“ Naturwissenschaften, Geschichte, Politik, Literatur, Erdkunde, Kunst und Sport hingegen erfahren „minimale Aufmerksamkeit“.
Allein die Ergebnisse in Deutsch-Lesen und Mathe entscheiden, ob eine Schule als „erfolgreich“ gilt. Dahin scheint die Bildungspolitik in der BRD zu steuern, denn Testverfahren nehmen zu, die Chancen solcher Tests werden überbewertet, in vielen Institutionen werden sogenannte Qualitätsentwickler beschäftigt. Oft Menschen, denen jeglicher Bezug zu Schule und Unterricht fehlt.
Diese, von der Bildungsforschung gesteuert, und die Politik setzen auf Tests und Vergleiche und legen Messlatten an wie „unter Minimalstandard, Minimalstandard, Regelstandard“ usw. Ziel der Behörde ist erklärtermaßen das Verlassen der unteren Ränge. Eine Vielzahl der Bremer Getesteten liegt „unter Minimalstandard“.
Die Bildungsforschung schürt den Glauben an zentrale Tests als Mittel zur Leistungsfeststellung, indem sie behauptet, die „flächendeckende Implementation der Bildungsstandards und der mit ihnen verbundenen Kompetenzmodelle“ sei das „effektivste Mittel“ zu einer Verbesserung der schulischen Leistungen.
Wir finden, dass angesichts der großen Verschuldung öffentlicher Haushalte zuviel Geld in fragwürdige Unternehmen zur „Qualitätssicherung“ gesteckt wird. Dieses Geld wäre an anderen Stellen des Bildungssystems weit besser angelegt, z.B. im Aufbau einer fachlichen Frühförderung in Sprache und Mathematik. In Bremen haben wir im letzten Jahr ca. 600 Unterschriften in der Grundschule gegen die Vera-Tests gesammelt und diese der Senatorin übergeben. Die daraufhin eingerichtete Arbeitsgruppe hatte als Gäste auch die GEW und den Grundschulverband, die beide schon seit längerem gegen die Tests Stellung genommen haben. Der Forderung nach einem Moratorium in Klasse 3 und 8 wurde für 2012 noch nicht stattgegeben Siehe BLZ 1/12). Ob die Behörden-AG in der Lage ist, ein für die Kollegien befriedigende Lösung zu finden, bezweifeln wir. Es sieht nach Kosmetik aus und grundlegende Fragen wurden nicht gestellt.
Die GEW und der Grundschulverband haben darauf hingewiesen, dass wir uns vorbehalten neben der Weitergabe der AG-Resultate eine eigene Stellungnahme zu den Ergebnissen abzugeben und unsere grundsätzliche Kritik noch einmal zu erneuern. Die GEW plant weitere Schritte wie eine Info-Veranstaltung zum Stand der Dinge. Letztlich kommt auch ein Boykott in Frage.

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