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Unterwegs auf dem Weg zu einer neuen Schule

Der Raum der Michael-Kirche am Rembertiring reichte kaum aus. Viele Menschen wollten von Johannes Beck Abschied nehmen: Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen … Freundlich lächelt Johannes uns vom Foto an: Ein verschmitztes Lächeln, die Locken, der Schnäuzer: so, wie wir ihn kannten und mochten.

 

16.01.2014 - Abschied von Johannes Beck | 2. Oktober 1938 - 2. Dezember 2013 | von Ingrid Emmenecker

Johannes Beck wurde 1938 in Breslau/Wroclaw geboren. Mit seiner Familie lebte er nach der Flucht im Südschwarzwald, später in Nürnberg. Er war Waldorfschüler, machte eine Lehre als Tischler und ging nach der Gesellenprüfung auf Wanderschaft. Über den zweiten Bildungsweg kam er zum Studium und wurde Lehrer. Später studierte er in Darmstadt, Würzburg und Frankfurt Geografie, Pädagogik, Soziologie und Philosophie. Als 1971 die Bremer Universität die Arbeit aufnahm, begann seine Hochschullaufbahn. Er arbeitete an der Reform des Lehramtsstudium mit und wurde einer der Entwickler des Bremer Projektstudiums, er unterstützte die `Reisende Hochschule, er war an der Gründung der Päd-Koop (heute Freinet-Kooperative) beteiligt. Weitere Stichworte seiner Aktivitäten: Theater der Versammlung, Sommeruniversität am Lago Maggiore, Zusammenarbeit mit Ivan Illich … Als Mitglied der Bremer GEW gab er mit Heiner Boehnke von 1976 bis 1982 die Jahrbücher für Lehrer heraus. Johannes Beck war Autor beziehungsweise Mitherausgeber von weit über hundert Büchern. Nachdem er 2003 emeritiert wurde, nahmen seine Aktivitäten natürlich nicht ab: Mit Gerhard Vinnai und Gert Sautermeister rief er die Veranstaltungsreihe „Kritische Suchbewegungen“ ins Leben. In dem im vorigen Jahr erschienenen Buch der Bremer GEW „Vorwärts. Nicht vergessen. Was die GEW bewegt“ heißt sein Beitrag "Vor dem Gesetz - Über den Weg zum Bremischen Lehrerausbildungsgesetz von 1974". Im April des vorigen Jahres war er Gast und Referent auf dem Bremer Oberschultag, sein Referat hatte den Titel "Für eine Pädagogik zur Entfaltung des Reichtums der Bildung". Am 3. September hatte die GEW-Seniorengruppe Politiker der Bremer Bürgerschaft zum Thema „Flüchtlingssituation in Bremen“ eingeladen. Als ich Johannes bat, von den Aktivitäten der Sonnenstraße in Bezug auf das Flüchtlingshaus in der Eduard-Grunow-Straße zu berichten, war er sofort bereit, zu kommen. Beim traditionellen Treffen „Das Viertel is(s)t“ am 1. November im Gemeinderaum der Friedenskirche waren nicht nur Viertel-Bewohner zu Gast, sondern viele Flüchtlinge aus der Eudard-Grunow-Straße und Bewohner der Sonnenstraße, Johannes Beck berichtete von diesem Projekt. Noch am 27. November 2013 referierte er in der Villa Ichon über das Thema „Ermöglichen Computer und Internet eine demokratische Wirtschaftsplanung?“ Einige Tage, bevor er sich auf den Weg zu seinem Klassentreffen machte, erzählte er mir, wie sehr er sich auf das Wiedersehen freue und dass er dann noch ein paar Tage mit ehemaligen Schulfreunden in der Fränkischen Schweiz wandern wolle. An einem dieser Tage, „an denen er voller Dankbarkeit und Glück war“ (so drückte es sein Wanderfreund auf der Trauerfeier aus), starb Johannes Beck. Über der Todesanzeige der Familie im Weser-Kurier standen Worte von Johann Wolfgang von Goethe: „Wer kann wissen, was sich alles an einen Lebenspunkt anschließt?“


Abschied

Als du gingst
hast du die Tür
weit offen gelassen.
So ist Licht
auf uns gefallen.
So breitet sich Wärme aus
und die Zärtlichkeit
deines Lächelns.

Renate Schoof

 

Zum Tod von Johannes Beck

Es war wohl seine letzte Veröffentlichung und sie schlägt den Bogen zurück zu seiner wohl aktivsten Zeit in der GEW: „Vor dem Gesetz – Über den Weg zum Bremischen Lehrerausbildungsgesetz von 1974“ heißt der Aufsatz von Johannes Beck im gerade herausgekommenen Buch „Vorwärts. Nicht Vergessen. Was die GEW bewegt“, das Jahrzehnte bewegter Bildungs- und GEWerkschaftspolitik in Bremen darstellt.

Ab 1971 war der gelernte Schreiner, praxiserprobte Grund- und Hauptschullehrer und studierte Soziologe als Hochschullehrer am Aufbau der universitären Lehrerbildung in Bremen an entscheidenden Stellen tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2003 war er hier Professor für allgemeine Pädagogik. Aufbauend auf den Erkenntnissen der Reformpädagogik stritt Beck für eine menschliche Pädagogik.

Er lebte eine pädagogische Haltung vor, die Mut und Vertrauen zum eigenen Wahrnehmen, Fühlen, Vorstellen, Denken und Handeln ebenso umfasste wie demokratische Einmischung vor Ort. So kämpfte er zuletzt gegen das Kriesenregime der EU in Griechenland und setzte sich für die Menschen im benachbarten Flüchtlingswohnheim ein.
Mit seinem Namen verbunden sind Orte der Bildung wie das Projektstudium in der Bremer Lehrerbildung, die Pädagogik-Kooperative oder zuletzt die kritischen Suchbewegungen.

Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen sind viele z.B. „Der Bildungswahn“ von 1994 oder die Thesen seines Vortrages beim diesjährigen Oberschultag „Für eine Pädagogik zur Entfaltung des Reichtums der Bildung“ im Internet herunter zu laden:
http://beck-johannes.de

Nicht nur für viele seiner ehemaligen Studierenden blieb Johannes Beck ein wichtiger Orientierungspunkt. Sein Rat, seine Initiativen und Anstöße werden uns fehlen.

Wir trauern um den Kollegen Johannes Beck, einen unermüdlichen Streiter für eine demokratische, menschliche und soziale Pädagogik.

Christian Gloede, GEW-Landesvorstandssprecher
Petra Lichtenberg, GEW-Landesvorstandssprecherin
Bernd Winkelmann, GEW-Landesvorstandssprecher
Nick Strauss, GEW-Landesschatzmeister
Andreas Staets, GEW-Landesgeschäftsführer
Harry Eisenach, ehemaliger GEW-Landesschatzmeister

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