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Erzieher*innen in BremenUnterschiedliche Bezahlung bei gleicher Arbeit?

Die GEW kritisiert die ungleiche Bezahlung von Erzieher*innen

16.05.2019 - Christian Gloede

Die vor kurzem verkündete bessere Bezahlung von Erzieher*innen, die in Ortsteilen mit einem besonders hohen Sozialindex arbeiten hat zu Unmut innerhalb der Berufsgruppe geführt. Bereits die Personalversammlung am vorletzten Freitag im Pier 2 hatte deutlich gemacht, dass die Akzeptanz auch bei den Beschäftigten von Kita Bremen nicht überschwänglich hoch ist. Auf der Sitzung der Bildungsdeputation setzten sich die Proteste fort.

Bremen – Die Stärkung der Bildungseinrichtungen in Stadtteilen mit besonderen Herausforderungen sei bildungs- wie sozialpolitisch notwendig, um jungen Menschen aus diesen Quartieren Perspektiven zu ermöglichen. Dazu bedürfe es einer angemessenen Personalausstattung mit gut qualifizierten Fachkräften in Kitas und Schulen. „Diese angesichts des Fachkräftemangels mit mehr Geld in die betroffenen Stadtteile zu locken mag auf den ersten Blick nachvollziehbar sein. Bei genauerer Prüfung der Konsequenzen und vor allem einem deutlichen Mehr an Kommunikation wäre hier wünschenswert gewesen.“ Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW, fordert nun unverzüglich die einheitliche Bezahlung nach S8b!

Die mit dieser tariflichen Regelung losgetretene Fachdebatte sei von den Verhandlungspartner*innen augenscheinlich komplett unterschätzt worden. 

Unterschiedliche Herausforderungen könnten mit unterschiedlicher Ausstattung oder mit besonderer Qualifikation beantwortet werden, aber nicht unterschiedliches Geld für gleiche Qualifikation und Tätigkeit! 

Dabei ginge es nicht um Neid auf mehr Geld, sondern um das Gefühl der Entwertung der eigenen Arbeit bei überall schwierigen und schwieriger werdenden Bedingungen.
„Und diese Entwertung wird auf mehreren Ebenen wahrgenommen: Innerhalb der Belegschaft von Kita Bremen; dann von den Beschäftigten der verschiedenen freien Trägern, die gar nicht in diese Debatte einbezogen waren; und zu guter Letzt von den vielen hundert Erzieher*innen an Schulen, die von dieser Regelung überhaupt nicht erfasst werden, aber schon seit Jahren hinter der Bezahlung der Kita-Erzieher*innen zurück liegen“.
Dieser ungleichen Entlohnung bei gleicher Qualifikation und derselben Arbeitgeberin (Senatorin für Bildung) muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Die Sortierung von Erzieher*innen nach „Kita Bremen mit Sozialindex“, „Kita Bremen ohne Sozialindex“ und „Schule“ sei absurd und auch nicht mit Fachkräftemangel zu begründen, so Gloede weiter. Die Entlohnung der Beschäftigten Freier Träger sei noch einmal ein eigenes Kapitel.

Die GEW fordere den Senat, insbesondere die Bildungssenatorin nun zu unverzüglichen Gesprächen über die Abwendung drohenden Schadens auf.
„Wir können es uns nicht leisten, dass Erzieher*innen an Schulen nun über einen Wechsel nachdenken, weil sie nebenan in der Kita nun deutlich mehr Geld verdienen können. Wir können es uns auch nicht leisten, dass nun Kolleg*innen aus vermeintlich besser gestellten Stadtteilen Versetzungsanträge stellen und so in ihren Kitas für Verunsicherung sorgen und wir können es uns nicht leisten, Motivation und Engagement von vielen vielen Kolleg*innen zu verlieren, die sich durch diesen S8b-Beschluss nur noch hintergangen fühlen.“ Gloede kommt zu dem Schluss: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Diesen Fehler einzusehen und zu heilen mag für den Senat schwer sein, politisch gibt es dazu keine Alternative! Wenn aus einem vermeintlichen Wahlgeschenk nicht ein Wahldebakel werden - von den bildungspolitischen Spätfolgen ganz zu schweigen - muss die einheitliche Bezahlung jetzt kommen!“

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