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GEW BremerhavenUnser Bildungssystem hat sich verdient gemacht

Bei den Grundschultagen 2021 hob Prof. Dr. Tanja Pütz in ihrem Eröffnungsbeitrag hervor, dass Kinder und Jugendliche in ihren Anliegen ernst zu nehmen seien. Sie sind „Mitgestalter der Welt“.

12.10.2021 - Peer Jaschinski

Allein die Freitagsdemonstrationen zeigen, so die Hochschullehrerin aus Kiel, dass die jungen Menschen zu recht Ansprüche an die Gesellschaft stellen. Deutlich würde dadurch aber auch die erfolgreiche Arbeit in unserem Bildungssystem: Pädagog:innen ist es gelungen, dass sich die nachwachsende Generation sehr wohl grundlegende demokratische Haltungen und Befähigungen aneignen konnte.

Die Grundschultage, daran sei erinnert, sind eine Fortbildungsveranstaltung, welche das Schulamt, der Zentralelternbeirat und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in einem zweijährigen Rhythmus in langer Tradition als Kooperationsveranstaltung durchführen. Mit dem aktuellen Motto „Veränderte Lebenswelt, veränderte Kindheit“ wurde dem Sachverhalt Rechnung getragen, dass die Kinder- und Jugendzeit in der Gegenwart in einer Situation des extremen Wandels stattfindet.

Frau Prof. Pütz sprach in diesem Zusammenhang von neuen Bezugsgrößen einer veränderten Gesellschaft, die sich u.a. in einer technizistischen Entwicklung und einem hohen Innovationstempo zeigten. Dramatisch sei, dass die Vorbereitung von Kindern auf eine unklare und nicht einschätzbare Zukunft erfolgen müsse.

Junge Menschen hätten dabei durchaus eine konkrete Vorstellung von den Katastrophen dieser Welt, sei es der Klimawandel oder Fluchterfahrung. Vor diesem Hintergrund würden sich niederschmetternde Perspektiven und Szenarien des Schreckens natürlich auf die Aufgabe von Schule auswirken, Kinder auf die Verantwortungsübernahme in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten. Damit dies auch gelingt, müssten Kinder „Selbstwirksamkeitserfahrungen“ machen – und dies unter dem Eindruck einer Pandemie, die erhebliche Gefahren für die psychische Gesundheit dieser Kinder hervorgerufen habe.

Was können die Schulen also tun?

Schon in seinem Grußwort stellte der Dezernent für Schule und Kultur, Michael Frost, fest, Schule nach Corona sei deutlich mehr als ein „Aufholprogramm“, vielmehr nämlich ein „Abholprogramm“. Diesen Gedanken aufnehmend, bekräftigte Frau Pütz, Empathie, Achtung und Entwicklung von Beziehungen seien entscheidende Kriterien. Die Referentin akzentuierte mit Blick auf Bildungseinrichtungen für Kinder: „Schulen sind vor allem in Bezug auf die Ressource ´Zeit` schlecht ausgestattet“, Muße und Rückbesinnung seien vielmehr nötiger als weitere Geräte zum digitalen Arbeiten. Es gelte ein ganzheitliches Bildungsverständnis umzusetzen, mit dem sich Kinder die Welt erschließen. Dieser Ansatz kritisiert eine Engführung auf so genannte Kernfächer scharf.

Auf die Pädagog:innen komme es in der Tat an! Kolleg:innen mit klassischer didaktischer Ausbildung, so eine belegte Erkenntnis aus der Coronazeit, waren in der Krise eindeutig im Vorteil, da sie souveräne Entscheidungen über den Aufbau von Lernprozessen treffen konnten. Wenn die Schule für die „Reproduktion der Gesellschaft“ verantwortlich sei, müssen die Lehrkräfte Widerstand leisten gegen überholte Unterrichtskonzepte und überfüllte Lehrpläne.

Frau Pütz forderte die Kolleg:innen auf, mutig zu sein: Die Demokratie werde gerade auf eine harte Probe gestellt. Die vielen jungen Menschen allerdings, die auf den Straßen der Erde für eine politische Wende kämpften, seien nicht nur ein Beispiel für gelungene Bildungsarbeit. Gleichzeitig verweisen sie auf den einzuschlagenden Weg, den Schulen weiter beschreiten sollten.

Für Nachfragen steht zur Verfügung: Peer Jaschinski