GEW Bremen
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Und wir werden nicht mal rot dabei

Zur Bildungspolitik der GEW - konkret auch in Bremen

16.12.2016 - Wilfried Meyer | Schule am Halmerweg

Die GEW ist eine Bildungsgewerkschaft. Sie macht Vorschläge für die Politik, wie sie die Bildung verbessern müsste, durch mehr Personal oder mehr Geld oder beides. Zweitens steht die GEW für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Tarife. Das tut sie auf allen Ebenen, das tut sie seit Jahren, das hat bisher wenig bis nichts bewirkt. Oder ist die Ausstattung der Schulen, die Situation des Lehrkräftemangels, die mangelnde Gebäudesanierung, die Versprechen des Bildungsgipfels von 2008 zur Erhöhung des Anteils am Bruttosozialprodukt, ist all dies verbessert worden? Sogar die Löhne sind real gesunken. Die Situation hat sich also verschlechtert.

Dem Anspruch von Chancengleichheit oder Erhöhung der Chancengleichheit hechelt man wie der Wurst unerreichbar hinterher, die Zahl der bedürftigen, armen Kinder wächst. Jetzt kommt eine neue Initiative der GEW - die Bundestagswahl 2017 naht - mit dem langweiligen Motto „Bildung. Weiter denken!“ Ein schrecklicher Allgemeinplatz. GEW-Vorsitzende Tepe spricht sogar von „wir“, „dass wir politisch noch nicht soweit sind“, in Bezug auf das Kooperationsverbot der Länder. Wieso wir? Wir sind schon lange soweit.

Lehrkräfteausbildung ist ein Scherbenhaufen
Die GEW fordert für zehn Jahre jährlich 3,2 Milliarden Euro, einmalig 11,9 Milliarden. Dafür hat sie ein Steuerkonzept vorgelegt, Vermögens-, Erbschafts-, Weiterentwicklung von Gewerbe- und Gemeinschaftssteuer zur Erhöhung öffentlicher Einnahmen (E&W 10/16). Einige dieser Vorschläge liegen schon lange vor und für Bremen gibt es die Berechnungen schon seit Jahren. Meine Frage: Was wollen wir zur Umsetzung tun, außer diese Forderungen zu erheben? Das neue, nichts bringende Erbschaftssteuergesetz ist gerade mit der SPD verabschiedet worden. Schäuble, die schwarze Null, ist für ein solches Programm nicht zu haben. 2008 ist acht Jahre her. Und ehrlich gefragt, was ist daran neu? Im Weiterdenken waren wir immer schon weiter als der Arbeitgeber, weil er von den wahren Verhältnissen keine Ahnung mehr hat. Ich möchte nicht auch noch mit meinem Dienstherrn eine Kampagne zur Rekrutierung von Lehrkräften, Studierenden, Seiteneinsteigerinnen usw. fahren, weil dieser seit Jahren trotz der Warnungen und Berechnungen der GEW die Ausbildung abgebaut statt erweitert hat. Er steht jetzt vor seinem Scherbenhaufen und die Versorgung ist eigentlich zusammengebrochen. Sie wird von Politikern nur noch schön geredet, totgeschwiegen oder auf Nebenfelder wie „digitale Bildung“ (Bogedan) verlagert. Ich will solche Kampagnen wie in Bremerhaven oder Berlin nicht unterstützen, wenn sie zusammen mit den Politikern und Behördenversagern unternommen wird.

Pechschwarze Pädagogik der Behörde
Wie sieht es denn aus? Bin ich für einen beschissen ausgestatteten Ganztag, eine beschissen ausgestattete Inklusion, eine beschissen ausgestattete Bildung mit digitalen Medien? Die nächste Sau wird gerade durchs Dorf getrieben: Wir retten der Behörde (kurzfristig) ihren Hintern und stimmen der Einstellung der Bachelor-Studierenden als Lehrkräfte, als Klassenlehrkräfte,  sogar von Erstklässlern, bis Februar 2017 zu, und werden nicht mal rot dabei, im Gegenteil wir unterstützen die pechschwarze Pädagogik der Behörde. Das verstehe ich nicht. Warum wurde diese Entscheidung gefasst? Wem nützt sie? Viele, mit denen ich gesprochen habe, finden das falsch. Alle Punkte, die man jetzt bis Februar verhandeln will, hätte man auch bei Beibehaltung einer Nichtzustimmung verhandeln können - ich glaube sogar mit mehr Druck auf die Behörde, weil die Kritik der „Öffentlichkeit“ sich doch nicht gegen die GEW gerichtet hätte, sondern gegen die Bildungsbehörde. Sind das keine Argumente.

Trend zur Bachelorisierung
Nichtausgebildete unterrichten massenhaft. Sogar frisch eingeschulte Kinder sollen Lesen, Schreiben und Rechnen von nicht Ausgebildeten ohne einen Fitzel an Erfahrung lernen. Kollegien bekommen aufgebürdet, dass sie die Unausgebildeten auch noch unterstützen müssen, denn das ist in der Grundschule zumindest selbstverständlich. Das Niveau sinkt, obwohl die Behörde immer sagen wird, dass die das doch prima machen. Und viele machen das auch prima, also braucht man doch gar nicht so gute Ausbildung, oder? Die Bachelors können nicht richtig weiter studieren und einige, die, für sie gesehen, gutes Geld machen, werden billig bleiben, geht doch! Warum also anderen A12 oder A13 zahlen. Die Bachelorisierung im Lehrberuf wird sich so durchsetzen. Billig, billig! Und da fürchten sich einige in der GEW vor Presse und Eltern, wenn man diese guten Argumente hat? Hinter denen mehr als 4000 Mitglieder stehen. Das verstehe ich nicht.

Hier wurde konkret eine Chance verpasst mal NEIN zu sagen: Wir sind nicht verantwortlich, ihr habt es versaut. Wir tragen diese Sauerei nicht mit. Wann kann man das schon mal? Und das finde ich bei den anderen Beispielen auch. Die GEW sollte aufhören, bildungspolitisch oft zuzustimmen und hinterher mit dem „ja, aber“ zu kommen. Wir sind für Inklusion, ja aber. Ganztag, ja aber…  immer mit guter Ausstattung. Ich plädiere öfter für ein „Nein“, und wir stimmen erst und nur dann zu, wenn die Ausstattung, Räume, Material, Personen, Konzept und Richtung stimmen aus gewerkschaftlicher Sicht, also im Interesse der Beschäftigten, dann der Kinder, dann der Eltern in dieser Reihenfolge. Und das wollen wir vorher schriftlich.