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Testeritis, und dann wird alles besser! Auch ohne viel Geld!

16.01.2019 - Wilfried Meyer

Blicken wir zurück in das Jahr 2008 und danach in 2017. Am 07.07.2008 hat es einen Beschluss der Einigungsstelle zwischen dem Personalrat Schulen und der Bildungsbehörde gegeben, Zitat: „4. Dokumentationsverpflichtungen - Die Bildungsbehörde wird die Dokumentationsverpflichtungen der Lehrkräfte reduzieren und im Primarbereich damit beginnen.“ „Die Ziffern...4 werden zum 1.8.2008 umgesetzt.“ ( Beschluss der Einigungsstelle E 7/2008) Dieser Beschluss gilt bis heute!

Die Senatorin kündigt den Kompromiss auf

Natürlich wurde er nicht umgesetzt, im Gegenteil in den Folgejahren wurde immer mehr an Tests und Dokus eingeführt. Unser Einsatz gegen VerA-Tests von 2011 mit über 500 Unterschriften und mehr als 20 geschlossen dagegen votierenden Kollegien hatte zumindest im Ergebnis, auch auf Bundesebene, dass nur noch in einem Fach geschrieben werden musste. Bis jetzt. Denn die Bürgerschaft beschloss (einstimmig!!) am 07.11.2017 unter 2.a)
„Die Teilnahme aller Schulen am VerA-3-Vergleichstest wird ab 2018 verbindlich sowohl in Mathematik als auch in Deutsch durchgeführt.“
So werden also Verhandlungsergebnisse völlig ignoriert und auch nach 10 Jahren die sinnlosen Über-Stunden der Testerei auch noch ausgedehnt. Geplant sind weitere Tests in Klasse 2 und 5. Dieses alles unter dem Vorwand, ein neu zu gründendes Qual-Institut bräuchte Daten aus den Schulen um Maßnahmen zu ergreifen. Das ist, gelinde geschrieben, unverschämt. Hat man uns Lehrkräften nicht als Zwangsmaßnahme schon die sogenannten und unfruchtbaren Clusterfortbildungen aufgezwungen? Hat es eine sogenannte inhaltslose „Offensive Bildungsstandards“ gegeben, die völlig verpufft ist? Keiner aus der Behörde stellt sich heute hin und zeigt uns den Erfolg oder die Effizienz der von ihnen beschlossenen zusätzlichen Arbeit. Kann sie auch nicht, denn zum wiederholten Mal war Bremen auch 2017 in irgendetwas Getestetem Klassenletzter. Dazu die Bürgerschaft, die es zugeben musste: „Ein erneut unterdurchschnittliches Abschneiden bei den IQB-Vergleichsuntersuchungen...kam...nicht unerwartet. Die Deutlichkeit, mit welcher Bremen sein bereits unbefriedigendes Abschneiden von 2011 aber nochmals unterbot, kam allerdings offenbar auch für den in Verantwortung stehenden Bremer Senat nochmals überraschend...Festzustellen ist ein sich bundesweit auswirkender Kompetenzrückgang am Ende der Primarstufe.“ „Es droht der Anschlussverlust...“ ( Brem.Bürgerschaft Drucksache 19/1346 vom 7.11.2017, Seite 1)

Uns wundern die Ergebnisse überhaupt nicht

Wer mit Präsenzzeiten, dauernden Dienstbesprechungen, Zwangsfortbildungen und Clusterveranstaltungen das Gegenteil einer Entlastung von schulischem Personal betreibt, wer mit der Schuldenbremse und dem Abbau von Studiengängen auf zu berechnende steigende Schülerzahlen reagiert, wer Schulen verkauft und Container zu Schulen machen will, wer im Schnitt pro Kind 2000 Euro im Jahr weniger ausgibt als vergleichbare Städte wie Hamburg und Berlin, der/die tun uns erstens nicht leid und zweitens haben sie über die Jahre das ganze System so unattraktiv und leistungsschwach gemacht. Uns wundern die Ergebnisse überhaupt nicht. Wenn man ständig Versprechungen in Bezug auf Bezahlung, Stunden und Entlastung im Mund führt, aber sogar die schriftlich vereinbarten nicht einhält, dann kann sich niemand wundern, der denken kann oder will. Dann ist der Punkt da, an dem man innehalten könnte und die gemachten Analysen, die Forderungen von Kollegien und Gewerkschaften, vom Personalrat und Evaluatoren  auch öffentlich zur Kenntnis nehmen könnte. Ja, der ist erreicht!

Es ist Wahlkampf

Aber im Wahlkampf macht man keine Bankrotterklärungen, sondern neue Versprechungen. Letztes Beispiel: Die gemeinsame Erklärung des Bremer Bündnis für Bildung (BBB) vom 21. Juni 2018. Dort heißt es unter „III. Notwendige nächste Schritte“ unter Punkt „10. Aktuell zusätzliche Anforderungen an die Schulen sind auf ein unabdingbar notwendiges Mindestmaß zu reduzieren.“ Und dann führt man gleichzeitig neue Tests ein und verschleudert Arbeit und Geld für ein Institut, dessen Nutzen z.B. in Hamburg bei den Lehrkräften nicht klar ist. Und nach 10 Jahren Misere bildet sich die Behörde ein, dass ein Institut bessere Daten sammeln wird als die gesammelten aber nie abgefragten Daten, die in den Kollegien tagtäglich präsent sind? Fragt doch einfach mal die Kolleginnen und Kollegen nach den Ursachen der Misere! Traut euch das! Da werden ganz andere Sachen zu hören sein als die Forderungen nach Tests und einer Stunde Mathe oder Deutsch zusätzlich. Wer mit 6 Stunden Mathe nicht klar kommt, dem brumme ich doch keine 7. auf. Und ist das keine Arbeit, wenn ich in KompoLei 1200 Kreuze machen soll?

Fazit

Wir, die sogenannten „Multiprofessionellen“ an den Schulen werden von den „Multilaien“ in der Behörde am Nasenband und an der Grenze zur Überbelastung herumgeführt. Kein/e Verantworliche/r sagt vor der Wahl  und auch sonst die Wahrheit. Ehrlich und demokratisch wäre, wenn man sich das Versagen eingesteht und Verantwortung zeigt. Und die gesamte Bürgerschaft sollte den Einfluss, den verarmende Schichten inzwischen in der Schule haben, endlich rigoros bekämpfen. Dieser ist spürbar, täglich. Und die Probleme werden größer. Alles andere wäre auch sehr verwunderlich!

 

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