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Stadtverbands-Info 2/2017 Bremerhaven: Pädagogische Woche 2017

09.03.2017 - Bernd Winkelmann

Pädagogische Woche 2017:

Das Bremerhavener Schulsystem im Spannungsfeld gesellschaftlicher Herausforderungen

Mit den Pädagogischen Wochen der Jahre 2013 und 2015 haben die Kooperationspartner ZEB, LFI und GEW versucht, Widersprüche der Bildungs- und Gesellschaftspolitik aufzunehmen. So wurde vor vier Jahren mit dem Schwerpunkt „Demokratische Pädagogik“ ganz gezielt ein Akzent gesetzt gegen die „Umsteuerungen“ im Gefolge der PISA-Diskussion und einen absehbaren innenpolitischen Wandel, der – entgegen seiner Ankündigungen – Teilhabe hemmte.

 Zwei Jahre später widmeten wir uns urbanen Veränderungen mit einem besonderen Augenmerk auf Bremerhaven. Aufgeworfen wurden Fragen einer sich entwickelnden Stadtgesellschaft unter Einbeziehung von Armut, Benachteiligung, Migration oder sexueller Orientierung.

2017 nehmen wir diese vielfältigen Diskussionsstränge wieder auf. Der Titel „vielfältige Herausforderungen, herausfordernde Vielfalt“ zeigt an, dass sich das Bremerhavener Schulsystem tatsächlich in Spannungsfeldern bewegt, die einschneidende Veränderungen für Bildungsprozesse und die Seestadt als Ganze mit sich bringen. Gesichtspunkte wie „Flucht und Zuwanderung“, „Armut und Verelendung“, „Schuldenbremse und Unterfinanzierung“, „Anspruch auf Inklusion“ und „Mangel an (pädagogischem) Personal“ haben einen erheblichen Einfluss auf die Stadtgesellschaft und werden diese einem Wandel unterziehen. Unser Programm muss bei der Vielfalt möglicher Themen eine Auswahl treffen, auf die wir in knapper Form verweisen:

Prof. Dr. Paul Mecheril wird den Eröffnungsvortrag unter dem Titel „Für solidarische Bildung in der globalen Gesellschaft in Bremerhaven“ halten und darin einen Ansatz von Migrationspädagogik vorstellen, der insbesondere die Dominanzverhältnisse in der Migrationsgesellschaft behandelt (27.03., 18.00 Uhr, Schule Am Ernst-Reuter-Platz). Vorab erörtert Herr Mecheril in einem Workshop, wie sich Schulen mit der migrationsgesellschaftlichen Pluralität auseinandersetzen(27.03., 15.00 Uhr Schule Am Ernst-Reuter-Platz). 

Der Wunsch nach Konkretisierung, um pädagogische Prozesse entwickeln zu können, wird durch verschiedene Angebote eingelöst:

  • In Templin erkunden Kolleg*innen eine erfolgreiche inklusive Schulentwicklung (Exkursion: 07.03., Auswertung 28.03., 10.00 Uhr Lutherschule);
  • eine Radwanderung durch Lehe zeigt exemplarisch die Wandlung eines Stadtteils mit seinen alten Hemmnissen und neuen Chancen auf (29.03., 10.00 Uhr Tor zur Rickmerswerft);
  • zwei Workshops zu „Deutsch lernen in Bewegung – lenkt das nicht ab“ (30.03., 10.00 Uhr, Ort N.N. siehe Internet) und „Sprachliche Bildung in kultureller Bildung“ (30.03., 13.00 Uhr, Ort N.N. siehe Internet) beschäftigen sich mit Formen des Sprachlernens;
  • mit Prof. Dr. Marion Pollmanns setzen wir die während des Zukunftsforums Lehrer*innenbildung begonnene Diskussion über Standards und Kompetenzorientierung fort. Nach der grundlegenden Kritik folgen nun Überlegungen zu didaktischen Alternativen (30.03., 10.00 Uhr Goetheschule).

 Die Bedeutung der Pädagog*innen in dieser sich verändernden Schulwelt soll unter zwei Schwerpunkten betrachtet werden:

  • Der Personalrat Schulen bietet mit dem „Nutzen demokratischer Strukturen“ einen Workshop an, der sich mit den Einflussmöglichkeiten von Kolleg*innen auf die Entscheidungsstrukturen in den Schulen befasst (30.03., 13.00 Uhr, LFI);
  • in ihrem Angebot zu „multiprofessioneller Arbeit“ thematisiert Anke Kujawski die Ansprüche der Zusammenarbeit von Kolleg*innen unterschiedlicher Professionen in der inklusiven Schule (28.03., 13.00 Uhr, LFI).

Flucht und Zuwanderung, dies ist sachlich zu konstatieren, nehmen in der Wahrnehmung der gesellschaftlichen Veränderung einen breiten Raum ein. Dieser Thematik begegnen wir in der Pädagogischen Woche auf verschiedene Weise:

  • gemeinsam mit Mitarbeiter*innen des Pädagogischen Zentrums soll in dem Kurs „Arabisch und Arabien für Anfänger*innen“ ein Einblick in Sprache und Kultur gewonnen werden (28.03., 10.00 Uhr Goetheschule);
  • mit Bahman Nirumand konnten wir einen profunden Kenner des Nahen und Mittleren Ostens gewinnen, um uns über Zusammenhänge und Hintergründe aufzuklären, die für die politische Situation dieser Region relevant sind – einer Region, aus der viele unserer „neuen“ Schüler*innen stammen (29.03., 10.00 Uhr, Goetheschule). 

Beendet wird die Pädagogische Woche durch „Das letzte Kleinod“ (30.03., 18.00 Uhr, Amerikanische Schule). Diese renommierte Theatertruppe wird Szenen über die Flucht „hautnah“ darbieten.

 Abschließend laden wir zu einem Austausch in die Aula der Amerikanischen Schule ein. Snacks, Getränke und Inhalte sind vorbereitet.

Wir sind davon überzeugt, dass unser anspruchsvolles Programm Bremerhavener Spannungsfelder aufnimmt. Wir freuen uns über eure Teilnahme!

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