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Sport in der Primarstufe - Immer wichtiger!

Die Diagnose:

16.06.2010 - von Wilfried Meyer

Zunehmend konstatiert wird eine Zunahme von Bewegungsmangel bei Kindern, dadurch Abnahme der Fähigkeiten des Körpers bestimmte Bewegungen regelmäßig und motorisch gewandt durchzuführen. Fehlende Bewegungsangebote in der Stadt, weniger Anregungen durch Vorbild der Geschwister, Familie oder der Gruppe verstärken diese Tendenz. Auch hier ein Gefälle in Bremen, welches durch Armut und Reichtum zunehmend geprägt wird. Das Geld für den Sportverein, für sportliche Unternehmungen wie z.B. Schwimmbadbesuche, Ausflüge in den Wald und an das Meer fehlt, oder wird für andere Zwecke ausgegeben. Weiteres Feld ist die Ernährung der Kinder, die sich verändert hat zugunsten von Fastfood, adipöse Entwicklungen haben sich verstärkt. Die Freizeitkultur hat sich verändert: Kinder sind mehr in Räumen und verbringen mehr Zeit mit Fernsehen, Computerspielen und MP3-Playern, Mobiltelefonen und Playstations. Früher war es Strafe, wenn die Kinder nicht nach draußen durften, heute scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Viele unserer Kinder werden Tag für Tag mit dem Auto zur Schule gebracht und kennen den Schulweg nicht.
Viele Fähigkeiten, die vormals auf natürliche Weise trainiert und angeeignet wurden, müssen als wenig bis nicht ausgebildet angesehen werden. Das sind z.B. Hangeln, Klettern, Arm -und Beinmuskulatur, Koordinierung von Bewegungen, Rolle vorwärts (von rückwärts ganz zu schweigen), Klimmzüge, Balancieren und geradeaus Laufen vorwärts und rückwärts... Hier müsste auch die Zusammenarbeit mit den Förderkräften erweitert, die Diagnosefähigkeit der SportlehrerInnen mehr ausgebildet werden. Für Kinder mit hohen Defiziten muss auch im Sport Förderung möglich sein und verstärkt angeboten werden.
Weiterer wichtiger Punkt ist die im sozialen Miteinander nicht gerade durch soziales Verhalten und Fairness gekennzeichnete Gesellschaft, die eher auf Individualisierung, Schnäppchenjagd und persönliche Vorteile setzt. Da bin ich Mittelstürmer oder Torwart, der Rest der Fußball-Mannschaft erscheint vielen Kindern als langweilig und nicht erstrebenswert.

Fazit:

Für die Kinder ist es nicht einfach geworden die Orientierung zu finden und zu behalten. Schulsport in der Grundschule hat eine gewaltige Aufgabe zu schultern, kann auf keinen Fall all die geschilderten Lücken schließen. Manchmal ist es auch ein Gegenanarbeiten gegen bestimmte Tendenzen.
Dennoch: Schulsport ist für die meisten Kinder das Unterrichtsfach, auf welches sich sehr gefreut wird, sie sind enttäuscht ,wenn Sport ausfällt, sie möchten eigentlich mehr Sport. Das Bewegungsbedürfnis der Kleinen ist riesengroß und muss viel ernster genommen werden im Sinne einer ganzheitlichen Erziehung, die belegt davon ausgeht, dass die Bewegung und sinnvolles Lernen nicht zu trennen sind. Nur in vielen Schulen stimmt das Verhältnis nicht, auch bei Rhythmisierung könnten die Kinder mehr Sport gebrauchen und nicht immer ist die Zusammenarbeit mit Vereinen soweit gediehen, dass der Unterricht passend ergänzt werden kann. Sportunterricht und Schwimmen sind Highlights im Schulalltag der Grundschule. Wir wollen Bewegungsgrundlagen schaffen, Möglichkeiten einer lebenslangen, gesunden, körperlichen Betätigung anbahnen, motorische Fähigkeiten trainieren und ganz besonders auch das soziale Verhalten, das faire Miteinander, Rücksichtnahme und Einhaltung von Regeln im Spiel und Wettkampf schulen. Auch das gehört zu einer Demokratieerziehung.
Ohne Kinder als Grundlage für den Breitensport wird es auch keinen Spitzensport geben und das ist Spiegelbild der Bildung allgemein: Ohne eine gut ausgebildete Masse keine Elite, wenn man sie denn haben möchte. Motivation und Ausdauer sind wichtige Eigenschaften, die die Zukunft der Kinder gestalten werden.

Forderungen:

  • Wenn die Politik die genannten Argumente unterstützt, dann müssen mehr SportlehrerInnen und für die Grundschule auch gerade mehr männliche Kollege, ausgebildet werden. Dafür hatte Bremen prima Voraussetzungen. Wir brauchen mehr Sportstunden in der Grundschule, die dritte Stunde mindestens. Dieses hat der „Runde Tisch Sport“ immer gefordert. Das Argument von Frau Jürgens-Pieper „dies nicht realisieren zu können“, sprich es fehle das Geld, können wir im Interesse der Kinder nicht gelten lassen.
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