GEW Bremen
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FrischluftSommerloch und Eis-Kugelweste

Eine Glosse zur Lage

16.09.2019 - Wilfried Meyer

Kurze Sommerferien. Aber wer interessiert sich für uns? Trump kauft Grönland, SPD auf Pärchensuche, Scholz kürzt die Bildung, Atomwaffenmittelstreckenvertrag weg... aber sonst alles in Butter. Fortschritt: der kugelsichere Schul-Rucksack in den USA.
Bremen hat zauberhaft gewählt. Die Krötenschluckergang mit ihrem 140 Seiten Koalitionspapier ist gestartet.

Alles, aber auch alles steht unter dem berüchtigten Haushaltsvorbehalt:
Nichts ausgeben, sparen, Zähne zusammen beißen, und dabei immer so tun als ob es besser wird. Die Schuldenbremse bedienen mit links, deren Abschaffung steht zwar im Programm der Linken. Was macht man nicht alles für Posten?
Neuanfang sieht gaaanz anders aus. Auch bildungsstaatsratsmäßig:
Statt für Herrn P. (keine Ahnung) kommt jetzt Frau Sparbier (auch kein Geld) oder Frau Mon(etor)ing. Der Rotstift marschiert. Lies: Bildung am Marsch. Entscheidet was hinten raus kommt, ja was wohl?

Der Fremde geht

Da lob ich mir doch Sprache, die sich toll weiterentwickelt. Im Weserkurier am 2. September ganzseitig Herr Klostermann: Früher Bremer Fremdenführer. Warum früher? Er: „Ich vermute, dass es an der negativen Prägung des Wortes liegt“. In mir keimte Freude auf, wollte man sich lösen von brauner Vergangenheit und den Nazi-„Führer“ abstreifen.
So wie in der DDR der Fremdenführer zum Stadtbilderklärer mutierte. Jubel? Leider nein, der Fremde geht, der Führer bleibt. Jetzt heißen Klostermänner Gäste-Führer. Dazu prompt im Weserstadion die Anzeigetafel: Da gibt es keine Gäste mehr, die heißen jetzt Besuch! Eigentlich Zwangsbesucher, denn die kommen ja nicht gern freiwillig. Sie müssen ja, laut Spielplan, äh Besucherplan. Und Werder ist „wir“, nicht mehr die Heimmannschaft. Also wir gegen den Augsburg-Besuch 3:2. So geht Sprache heute. Und willst du dich davon mal ausruhen, dann fragt ein Campingfreund in der Autoclubzeitung: „Wo wird das nächste Ziel hingehen?“ Ich nehme an zum Start, denn wo soll das Ziel sonst hin.
Wobei ein toller Vorschlag auch noch folgt, „ groß im Trend ist das Waldbaden“?! (Warum so deutsch, ginge nicht woodbathing?) Hab ich teilgenommen sogar mit Kopfsprung vom 5er-Ast ins Waldbad, jetzt bin ich Besuch im Krankenhaus, oder Gast, oder Fremder? Und im Herbst mache ich (a la Polt) Freshairsnapping und Mushroomseeking.

Mit AKK an die Front

Es fehlen Kitaplätze, Lehrkräfte, Pflegepersonal, Ärzte, Krankenhäuser, heile Straßen und Brücken, sanierte Schulen. Und wenn man nicht weiß wo man anfangen soll, dann lässt man es. Dafür stopft Frau Knarrenbauer die Züge mit Uniformierten voll, die werden damit zum Hindukusch gebracht wo ja seit 40 Jahren auch alles prima läuft und „unsere Sache“ verteidigt wird. Und von der Leyen hat in die EU abgesattelt und sich noch mit Blechtrommels-Tschingderassabumm und „Wind of Change“, dem Abrüstungsknaller der Skorpione, wegfeiern lassen. Soll sie doch mit AKK an die Front gehen, schwadro- und talibanieren, dann müssen wir nicht unsere Jugendlichen als Kanonenfutter anwerben, denn freiwillig finden sie so leicht keine/n, die/der sich gern totschießen lässt ohne Grund.

Der Zapfenstreich

Reklame am Rembertikreisel: Mach was wirklich zählt! Karriere bei der Armee! Und wenn ich die Wahl hätte zwischen Pflegeberuf, Lehrkraft oder Fraktionsvorsitzender bei der SPD, ich würde jauchzend und frohlockend zum Militär gehen, denn etwas Besseres als den Tod findest du auch außerhalb Bremens nicht. Vielleicht bläst du dir einen als Militärmusikant, den Zapfenstreich. Das hätte was. Und diesen hirn- und bildungslosen Politikersch... können wir uns täglich anlesen und anhören, wenn wir nur wollten. Ich will nicht mehr und bei der Wärme ginge ich doch lieber zum Eiswurf raus, auch als außerschulischer Lernort zu empfehlen.

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