GEW Bremen
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Selbstbestimmung? Absolute Fehlanzeige!

Wenn die Bremer Schülerinnen und Schüler erneut so zahlreich und entschlossen für ihre Bildung demonstrieren, dann macht das eindeutig klar: „Dieses Bildungssystem entspricht nicht unseren Vorstellungen“. Dann macht das klar: „ In diesem Bildungssystem geht es nicht um uns“. Dann sollte auch der Bildungssenatorin klar sein: „ Wir Schülerinnen und Schüler fordern eine ganz andere Bildung!

16.02.2010 - Auszüge aus dem Redebeitrag des Bremer SchülerInnenbündnisses zum Streik am 28. Januar 2010

Denn obwohl in Bremen die rot-grüne Regierung 2007 mit Anspruch „Eine Schule für Alle“ angetreten ist und obwohl Tausende SchülerInnen letztes Jahr „eine Schule für alle“ gefordert haben, sehen wir Schülerinnen uns heute mit dem Zwei-Säulen-System konfrontiert. Schön verpackt und propagiert als Einheitsschule, ändert das neue Bremer Schulmodell nichts an Selektion und Konkurrenz. Es fördert weder Integration noch längeres gemeinsames Lernen, wir lernen weiterhin auf verschiedenen Schulzweigen gegeneinander und nicht miteinander.
Nicht genug damit, dass nach der Grundschule in GymnasiastInnen und OberschüleIinnen eingeteilt wird, werden wir auch auf der Oberschule eingeteilt – in gute und schlechte , in Verlierer und Gewinner. Der Grundgedanke der Gemeinschaftsschule, das gemeinsame Lernen, die Heterogenität, das voneinander Profitieren, wird damit meilenweit verfehlt! Wenn das die Realität in den Schule ist, dann sagen wir: „Nicht mit uns!“
Wir wollen gemeinsam lernen, ohne dass man uns sagt, wir wären gute und schlechte SchülerInnen, ohne dass man uns sagt, wir wären 1er und 6er, ohne dass man uns sagt, wir wären GymnasiastInnen und HauptschüleIinnen!
Aber die Selektion, die Aussortierung, Auf- bzw. Einteilung und die Ausgrenzung, welche unser Bildungssystem – auch mit dem 2-Säulen-Modell – weiterhin zur Folge hat, ist nicht der einzige von SchülerInnen-Seite aus nicht hinnehmbare Missstand!

Die Bedingungen unter denen wir lernen müssen, sind ein einziges Trauerspiel. Sie spiegeln in etwa den Stellenwert wieder, den Bildung in unserer Gesellschaft zu haben scheint. Ein erster flüchtiger Blick zeigt marode Schulgebäude und kaputte Lernmaterialien. Dieser Eindruck trügt nicht. Der zweite Blick bringt LehrerInnenmangel, total überfüllte Klassen und daraus resultierenden langweiligen Frontalunterricht, begleitet von täglichem Lernstress ans Licht. Spaß am Lernen ist dabei unmöglich. Wissbegier wird abgetötet. Bildung bedeutet Lehrplan, Bildung bedeutet Auswendiglernen , Bildung bedeutet Pauken, Pauken, Pauken und das Wissen bei den Arbeiten wieder auskotzen. Wir lernen nur das, was wir lernen sollen.
Selbstbestimmung? Absolute Fehlanzeige! Individueller Unterricht? unter diesen Bedingungen eine Utopie!

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