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Schulinterne Kommunikation aus Schulleitungssicht

Es ist eine der wichtigsten Aufgaben von Schulleitungen, möglichst große Transparenz innerhalb der Schule herzustellen und eine gut funktionierende schulinterne Kommunikation zu organisieren. Dies gilt insbesondere für das Kollegium und das nicht unterrichtende Personal, aber auch in Bezug auf Eltern und die Schülerschaft. Nur wer in die Festlegung von Zielsetzungen einbezogen worden ist, diese zusammen mit Anderen gemeinsam entwickelt hat, erkennt deren Sinnhaftigkeit, ist bereit und in der Lage, sich für deren Realisierung zu engagieren.

16.10.2014 - Von Margarete Agather-Rössler

Zu unterscheiden ist zwischen Aufgaben, die sich die Schule selbst vornimmt, und solchen, die politisch vorgegeben sind, wie beispielsweise der Aufbau der Oberschulen oder die Inklusion. In beiden Fällen ist es bedeutsam, dass die konkrete Umsetzung der übergeordneten Ziele gründlich diskutiert wird, dass Strukturen, Abläufe, einzelne Maßnahmen und Vereinbarungen allen Beteiligten klar sind und deren Handhabbarkeit deutlich wird. Die Bremer Schulen sind in den letzten Jahren mit so vielen Veränderungen konfrontiert worden, es musste so viel Schulentwicklungsarbeit in kurzer Zeit geleistet werden, dass die Angst vieler Kolleginnen und Kollegen vor Überforderung und immer größerer Arbeitsbelastung nachvollziehbar ist. Umso wichtiger ist es, dass in den einzelnen Schulen eine kluge und leistbare Schulentwicklung geplant wird, in die alle einbezogen werden und die dann auch von allen getragen werden kann. Es ist ratsam, in kleinen Schritten voran zu gehen, dabei allerdings das Ziel und die Balance zwischen Arbeitsanforderungen und der Gefahr von Überlastung nicht aus den Augen zu verlieren.

 

 

 

Was ist hilfreich?

Kommunikation braucht Zeit, der Kommunikationsbedarf in dem komplexen System Schule ist riesig und das ist das große Problem. Wie kann die Schulleitung Transparenz und Einbindung des Kollegiums organisieren, ohne dass alle durch ständige Konferenzen und Sitzungen überfordert werden? Hierzu werde ich einige Ideen und Beispiele anführen, die ich in meiner Rolle als stellvertretende Schulleiterin der Wilhelm-Olbers-Schule und aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit im Rahmen der Schulleitungsfortbildungen für hilfreich halte.
Wie gut die schulinterne Kommunikation funktioniert, hängt ganz wesentlich vom Schulklima ab, davon, ob es von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Dies gilt für Lehrkräfte, nicht unterrichtendes Personal, Eltern und Schüler. Herrscht Einigkeit darüber, dass der oder die Andere respektiert und akzeptiert wird, auch wenn er oder sie den eigenen Ansichten zuwider laufende Meinungen vertritt, ist viel gewonnen. Natürlich muss man auch streiten, Konflikte sind nie zu vermeiden, doch es kommt darauf an, trotzdem wertschätzend zu kommunizieren. Schulleitungen sollten mit gutem Beispiel voran gehen, aber wesentlich ist auch, dass sich alle auf gemeinsame Wertvorstellungen einigen. Diesen Prozess sollten Schulleitungen anstoßen. In der Wilhelm-Olbers-Schule wurde beispielsweise ein Leitbild entwickelt, an dessen Formulierung alle Schülerinnen und Schüler, die Eltern und natürlich die Lehrkräfte und Sozialpädagogen beteiligt waren. Initiiert und organisiert wurde dieses aufwendige, aber gut handhabbare Verfahren von der Schulentwicklungsgruppe, die durch eine sehr hilfreiche Begleitung durch das LIS unterstützt wurde. Besonders wichtig fand ich, dass auch geplant und vereinbart wurde, wie man die im Leitbild verankerten Grundsätze in der Schule am Leben erhalten kann, denn nur dann macht ein Leitbild Sinn. Es ist Aufgabe der Schulleitung, sicherzustellen, dass die vereinbarten Vorhaben im Alltagsgeschäft nicht aus den Augen verloren werden.

 

 

 

Wege zur Verbesserung

Auch hat sich bewährt, das Thema „schulinterne Kommunikation“ im Kollegium und im Elternbeirat zu thematisieren. Diese Aufgabe kann beispielsweise die Steuergruppe oder eine speziell für dieses Thema eingerichtete Arbeitsgruppe bestehend aus Lehrkräften und Elternvertretern übernehmen, in der auch die Schulleitung vertreten sein sollte. Man muss bedenken, dass in den letzten Jahren sehr viele junge Kolleginnen und Kollegen eingestellt wurden, denen die zahlreichen eingespielten Regelungen und Abläufe an den einzelnen Schulen unbekannt sind. Nachdem man analysiert hat, was gut klappt und was nicht funktioniert, gilt es Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten, die der Gesamtkonferenz und dem Elternbeirat vorgestellt und in diesen Gremien abgestimmt werden. Es ist dann Aufgabe der Schulleitung, die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zu organisieren.
Um eine gelingende schulinterne Kommunikation zu ermöglichen, sollten Schulleitungen gut überlegen, welche Probleme einfach geregelt werden können und bei welchen Themen Lehrkräfte, nicht unterrichtendes Personal, Eltern und Schüler einbezogen werden müssen. Je mehr Vertrauen eine Schulleitung genießt, desto mehr Dinge kann sie einfach regeln; sie muss aber immer genau wissen, bei welchen Themen das Kollegium unbedingt in Entscheidungsprozesse eingebunden werden muss. Um nicht zu falschen Einschätzungen zu kommen, ist es hilfreich, feste Gesprächstermine mit einzelnen Gruppen, z.B. den Jahrgangsleitungen, dem Personalausschuss und den Schulelternsprechern zu vereinbaren und gemeinsam Konferenzen und Sitzungen zu planen. Sehr bewährt hat sich, als kontrovers eingeschätzte Themen in einer ersten Konferenz vorzustellen und zu diskutieren und dann erst in der nächsten Sitzung darüber abzustimmen.
Gute Ideen für eine gelingende schulinterne Kommunikation aufzuschreiben, ist nicht schwer, diese auch umzusetzen allerdings ausgesprochen anspruchsvoll, denn nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch die Schulleitungen sind überlastet. Trotz der Zeitknappheit lohnt es sich jedoch, an der Verbesserung der schulinternen Kommunikation zu arbeiten, weil gelingende Kommunikation die Zufriedenheit aller erhöht und Missverständnisse, Ärger und Zeitverluste vermindert.

 

 

Die Autorin

  • Margarete Agather-Rössler, langjährige stellvertretende Schulleiterin der Wilhelm-Olbers-Schule, seit 1.2.14 in der Freistellungsphase der Altersteilzeit
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