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DemokratieSchule unten gestalten, nicht oben verwalten

Nicht mit uns: Zur GEW-Initiative „Partizipative Schulkultur in Bremen – Schule gestalten mit Allen für Alle“

 

 

16.07.2021 - Kai Reimers

Immer mehr wird Schule für alle Beteiligten zu einer mühseligen Veranstaltung. Es gibt wohl kaum noch jemanden, ob Schüler, Eltern oder Beschäftigte, die nicht über den aktuellen Zustand der Bildungsinstitution „Schule“ klagen. Reformpädagogische Diskussionen zur Neugestaltung von Schule finden dabei kaum noch statt und wenn dann außerhalb von Schule. In Schule wird nur noch der Status quo verwaltet: Schulbehörde und Schulleitungen versuchen nur noch den schlecht ausgestatteten Schulbetrieb irgendwie administrativ am Laufen zu halten. Eine Schul- und Unterrichtsentwicklung, die eine Vision von Schule im 21. Jahrhundert entwickelt, unter Einbezug der Bedürfnisse von Schülern und Eltern sowie der Expertise der Beschäftigten findet nicht statt.

Stattdessen verstärkt die Coronakrise diese bedenkliche Entwicklung noch: Nicht nur die Hygienemaßnahmen werden auf dem Behörden- und Verordnungsweg angeordnet. Auch die komplette Neustrukturierung der Unterrichtsarbeit durch den Wechsel- und Distanzunterricht sowie die Einführung der Ipads erfolgte weitgehend ohne Beteiligung der Beschäftigten. Ließe sich das vielleicht noch mit der Notstandssituation der Pandemie erklären, so ist trotzdem zu befürchten, dass auch nach der Krise an diesem „erprobten“ Behördendirigismus festgehalten wird: Weitere digitale Innovationen werden folgen werden, die so steht zu befürchten, uns Beschäftigten ebenfalls nach dem Top-Down-Modell übergestülpt werden.

Was folgt daraus für uns an Schule Beschäftigte und für die GEW als gewerkschaftliche Interessenvertretung?

Die Gewerkschaft droht ihren Einfluss auf Entscheidungen im Bildungsbereich zu verlieren. Sie kommt zunehmend in die Situation, Entscheidungen der Bildungspolitik und Behörde nur noch im Nachhinein kritisieren zu können.

Gleichzeitig führen die Verdichtung der schulischen Arbeit und die verringerten Mitbestimmungs- und Kommunikationsmöglichkeiten an Schule zu einer zunehmenden Arbeitsüberlastung gerade auch jüngerer Kolleg*innen. Die Bereitschaft zu bildungspolitischem oder gewerkschaftlichem Engagement nimmt darum ab. Die GEW droht ihre Verankerung in den Kollegien zu verlieren.

Wollen wir als Beschäftigte also auch zukünftig die Schul- und Unterrichtsentwicklung und damit auf unsere Arbeitsbedingungen Einfluss nehmen, so muss die Frage der Mitbestimmung und Partizipation im Bildungsbereich im Zentrum unserer gewerkschaftlichen Forderungen stellen.

Gemeinsame Gegenwehr tut not!
An jeder Schule und in jedem Kollegium!

Zentraler Ansatzpunkt ist dabei vor Ort an der Schule die Stärkung der Gesamt- und Schulkonferenzen: Es ist auf gewählte Konferenzleitungen zu drängen, die regelmäßig im Vorfeld von Konferenzen die Themenwünsche der Kolleg*innen abfragen, um anschließend gemeinsam mit der Schulleitung die Tagesordnung festzulegen und zeitlich zu strukturieren. Dabei ist eine Antrags- und Beratungskultur zu entwickeln, die auf klar formulierte Beschlussanträge und auf Beschlusskontrolle Wert legt.

Darüberhinaus sollten schulinterne Fortbildungen genutzt werden, um sich im Kollegium über Workshops und Plenen regelmäßig zu Fragen der Schul- und Unterrichtsentwicklung auszutauschen und zu beraten. Schulentwicklungsgruppen oder Steuerungsgruppen können aus der Gesamtkonferenz eingerichtet werden, um diesen Prozess zu unterstützen.

Der zentrale Ansatz:
Partizipation und Schulkultur entwickeln

Zielsetzungen der Schul- und Unterrichtsentwicklung aus dem Kollegium sind eine Schulkultur der gegenseitigen Wertschätzung und Teamkooperation, die Entschleunigung und Entdichtung der Schularbeit, die aktive Ausgestaltung des eigenen Schulprofils und Schullebens unter Beteiligung von pädagogischem Personal, Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern.

Die GEW sollte ausgehend von den Fachgruppen und den Vertrauensleuten eine Initiative „Partizipative Schulkultur – Schule gestalten mit Allen für Alle“ starten, in der Ideen und Positionen zur Weiterentwicklung der betrieblichen Mitbestimmung gesammelt und ausgearbeitet werden. Inhaltliche Punkte der Mitbestimmung wären zum Beispiel: die Rechenschafts- und Transparenzpflicht der Schulleitungen, ausgeweitete Rechte von Gesamt- und Schulkonferenzen, die Ausweitung der Aufgaben und Rechte der Personalausschüsse usw.

Ein solches Positionspapier (Handlungsleitfaden) könnte in den gewerkschaftlichen Diskussionsprozess einfließen und dort überarbeitet werden. In einem zweiten Schritt könnte dann überlegt werden, ob in Zusammenarbeit mit den Parteien daraus ein Gesetzesentwurf gestaltet werden kann. 

Wochenendseminar: "Schulentwicklung an Oberschulen demokratisch gestalten – Wie bringen wir uns ein?"
Freitag 12. November 2021, 15.30 Uhr – Samstag 13. November 2021, 13.00 Uhr | Bildungsstätte Bad Zwischenahn

Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie sich die Oberschule als Lebensraum und Arbeitsplatz für Schüler*innen und Lehrer*innen so gestalten lässt, dass sich eine hohe Berufszufriedenheit, persönliche Entwicklungsräume sowie pädagogisches Engagement auch über ein langes Berufsleben erhalten lassen. Hierzu sollen mit den Seminarteilnehmenden konkrete Handlungsmöglichkeiten erarbeitet werden.

Ein Seminar der GEW-Fachgruppe Oberschule - Eine Schule für Alle; Anmeldung einfach über info@gew-hb.de