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Referendar*innen in der GEWSchlecht bezahlte Mehrarbeit

Ausbildungspersonalrat fordert bessere Ausbildungsbedingungen als wirksames Mittel gegen den Lehrkräftemangel

16.09.2019 - Mizgin Ciftci, Referendar an der Oberschule Lerchenstraße und Finnja Jaschke, Referendarin

Die neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Referendare im Land Bremen hat zu neuen Abhängigkeiten geführt. Das Schulgutachten als gewichtiger Teil der Abschlussprüfung ist heute für viele Referendare ein Unsicherheitsfaktor.
Die Anforderungen der Schulen sind nicht transparent und es gibt gravierende Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausbildungsschulen.
Werden von Seiten der Schule Anforderungen an die Referendare herangetragen, so haben diese kaum die Möglichkeit, die Aufgaben abzulehnen - aus Angst vor negativen Auswirkungen auf das Schulgutachten.
Gleichzeitig führt das Schulgutachten in seiner bestehenden Form zu einer Veränderung der Rolle der
Mentor*innen hin zu einer widersprüchlichen Doppelrolle. Da die Schulleitungen und Ausbildungskoordinator*innen die Referendare oft nicht gut genug kennen, um das Schulgutachten fundiert verfassen zu können, bekommen oftmals die Mentor*innen diese Rolle zugewiesen. Hierdurch gelangen sie in eine Doppelrolle aus Ausbildungsbegleiter*innen, die bei Fragen und Sorgen den Referendaren mit offenem Ohr zur Verfügung stehen, zugleich sollen sie die Referendare jedoch auch bewerten. Dies hat in Einzelfällen bereits dazu geführt, dass vertrauliche Informationen der Referendare an ihre Mentor*innen sich im Schulgutachten als Kritikpunkte wiederfanden. Insgesamt untergräbt eine solche Struktur die Vertrauensbasis zwischen Referendaren und Mentor*innen durch ein weiteres, intransparentes Bewertungsverhältnis.

Auch die Ausbildungsbedingungen und ihre Qualität unterscheiden sich in den Schulen gravierend; eine Qualitätskontrolle findet nicht statt. Dabei darf Ausbildungsqualität keine Standortfrage sein! Zu einer weiteren Belastung während der Ausbildung führt die Ausbildung der meisten Referendare an zwei Ausbildungsschulen bzw. das Praktikum in der angrenzenden Schulstufe. Die Koordination zwischen den verschiedenen Ausbildungsstandorten ist in der Praxis oft die Aufgabe der Referendare. Hinzu kommen zusätzliche Fahrtzeiten.

Ausbildungsqualität sinkt

Der allgemeine Personalmangel an den Schulen wirkt sich auch und insbesondere auf die Referendare aus. So leisten mittlerweile knapp ein Drittel aller Referendare schlecht bezahlte Mehrarbeit an ihren Ausbildungsschulen. Für diese Mehrarbeit werden einzelne Honorarverträge mit einem Stundenlohn von nur 17 Euro gezahlt - und das, obwohl die Referendare teilweise Oberstufenkurse und sogar Klassenleitungen übernehmen. Die Mehrarbeit wird stundenweise von Seiten der Referendare abgerechnet und Ferienzeiten nicht ausgezahlt. Finanziell profitieren die Referendare von dieser Mehrarbeit kaum; die Ausbildungsqualität leidet darunter jedoch massiv - nur der Bildungshaushalt wird „geschont“. Der Personalmangel zeigt sich darüber hinaus auch am LIS, wo viele Fachleiter*innen trotz großem Engagement es häufig nicht mehr schaffen, die Referendare entsprechend der Ausbildungsordnung im Unterricht zu besuchen.

Referendariat aufwerten

Das größte Problem für viele Kolleg*innen, insbesondere für diejenigen mit Kindern, ist - und das ist kein neues Problem - die schlechte Bezahlung im Referendariat. So erhalten Lehramtsanwärter*innen trotz Masterabschluss ein Nettogehalt, das ungefähr dem einer Vollzeitbeschäftigung nach Mindestlohn entspricht. Vor dem Hintergrund steigender Mieten in Bremen ist das für viele Referendare eine besonders belastende Situation.

Vor diesem Hintergrund formulieren wir als Ausbildungspersonalrat folgende Forderungen an den neuen Bremer Senat:

  • Eine deutliche Aufwertung des Referendariats durch einer gerechtere Besoldung,
  • die Schaffung neuer Ausbildungskapazitäten am LIS durch mehr Fachleiter*innen und weiterer Referendariatsplätze,
  • Referendare, die während des Referendariats über ihre Ausbildungsverpflichtungen hinaus Mehrarbeit leisten, müssen entsprechend des ersten Einstiegsamtes nach dem Referendariat für diese Stunden entlohnt werden.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!

Nur durch eine deutliche Aufwertung der Ausbildungsphase des Lehrer*innenberufs wird es mittel- und langfristig gelingen, den Personalmangel an Bremer Schulen zu überwinden.

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