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Reform der Reform - Das Turboreferendariat!

Vor zwei Jahren hat man die Ausbildung im Referendariat, die 2. Lehrerphase um 25% gekürzt. Ein Viertel Nachlass, sonst eher im Schlussverkauf üblich. Die neue Prüfungsordnung, noch kein Jahr alt, gibt keine Auskunft über Gründe: Wir schlussfolgern, dass die Phase eben kürzer ist, damit die Schulen früher mit der Mangelware Lehrkraft versorgt werden können. An der stofflichen Fülle hat sich nichts geändert, mehr Stoff in kürzerer Zeit verheißt nichts Gutes.

16.01.2010 - von Wilfried Meyer

Hinzugekommen für Prüflinge ist noch die Erstellung eines Portfolios, welches zur mündlichen Prüfung vorgelegt werden muss und über zwei Arbeitsfelder innerhalb der Ausbildung zu dokumentieren hat. Dem wäre durchaus zuzustimmen, wenn für die übrigen Arbeiten ausreichend Zeit bliebe und klar wäre, was diese Neuerung in der Prüfung tatsächlich für eine Rolle spielen soll und kann. Auch der Termin für die 1. Lehrprobe rückt erheblich nach vorn. Insgesamt also mehr Stoff in kürzerer Zeit.
Die Stundenverpflichtung beträgt 12 Wochen-Stunden. Die werden in der Regel von den Schulen voll in den Unterricht eingebaut und dankend angenommen. Obwohl die Verordnung im §6,Absatz (2) sich um die Festlegung des Allein-Unterrichtens drückt, dort es heißt schwammig: „zwölf Wochenstunden Unterricht unter zusätzlicher Anleitung der jeweils fachlich zuständigen Mentorin... und selbst verantworteten Unterricht ... entfallen 10 Stunden auf die Durchführung selbst verantworteten Unterrichts. Klarer wäre formuliert: 2 Stunden unter Anleitung und 10 Stunden allein.
Da die Schule auch ein ausführliches Gutachten mit Bewertung über die Leistungen erstellt, welches Bestandteil der Prüfung ist, ist die ReferendarIn natürlich auf ein gutes Klima in der Schule angewiesen. So sind die ReferendarInnen weitgehend auf sich gestellt, denn die Fachleiterinnen und Ausbildungsbeauftragte des LIS schaffen es auch nur unter größten Anstrengungen regelmäßig zu hospitieren. Vorgesehen sind 6-9 Hospitationen, tatsächlich schaffen die Meisten aber nur 6. Also auch dort eine Kürzung um über 30%.
In Ausbildungsgruppen mit durchschnittlich 15 Auszubildenden stehen den SeminarleiterInnen durch das LIS nur 0,65 Stunden pro Auszubildender zur Verfügung. Ehemals war es eine Stunde. Eine Kürzung um über 30%, das bringt keine Qualität, sondern nur Verdruss. Was früher als Fulltimejob galt, ist heute Teilzeit, denn 15x0,65 = 9,75 Stunden. Und damit sollen 15 Ref. betreut werden?! Bei supervollem Seminar mit 30 Ref. werden 18 Stunden angerechnet?! Damit liegt Bremen derzeit im Ländervergleich ganz am Ende der Ausstattung. Und Einige haben auch noch StudentInnen zusätzlich zu betreuen. Der Rest der Arbeitszeit wird mehrheitlich im Unterricht an Schule verbracht. Dies wird als großer Spagat empfunden, der auch gesundheitlich Spuren hinterlässt. Einige LIS-MitarbeiterInnen haben auch deswegen die Stunden reduziert.
So bleibt die Feststellung, dass es durch die neue Ausbildungs-und Prüfungsordnung vom Februar 2008 insgesamt keine Verbesserung gab, sondern eine Verschlechterung. Die Kürzung der Ausbildungsdauer, der Stunden für die Ausbilder, der Hospitationen können weder unter Qualitätsverbesserung noch unter Verbesserung überhaupt verbucht werde. Das Turbo-Referendariat schließt somit nahtlos an Turboabi und Bachelor an. Wünschenswert ist eine echte Re-Form (etwas wieder in Form bringen!), die Schaffung weiterer Referendariatsplätze (Einige klagen sich gerade ein), die Festeinstellung aller Lehrerinnen und Lehrer, die zum Teil in durch die Stadtteilschule geringfügig bezahlt arbeiten und natürlich eine bessere Ausstattung des LIS mit Stunden und Personal.
Und zum einjährigen Geburtstag dieser Verordnung wagen wir die Prognose:
Die „Reform“ zum Zweisäulenmodell an Bremer Schulen und der Umbau der Förderzentren zu ZuPs und Rebuz wird uns schnell die nächste „Reform“ der Ausbildung bescheren. Wetten!

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