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NachrufPrägend für die Bremer Bildungslandschaft

Ein Nachruf auf Armin Stolle

 

16.06.2019 - Marianne Berger und Uwe Helmke

Nach einer Tischlerlehre beginnt Armin Stolle 1959 das Studium an der Pädagogischen Hochschule in Bremen. Nach der Ersten Lehrerprüfung wird er einer Schule zugewiesen und beginnt zu unterrichten. Jedoch:

Die Einstellungsurkunde lässt auf sich warten. Mühsame Nachforschungen ergeben schließlich: Der Verfassungsschutz hat Einwendungen. Begründung: Armin Stolle hatte sich »Das Neue Deutschland« zu seiner eigenen Information zusenden lassen. Das war 1961 - Kalter Krieg.

Die Einstellung klappte dann doch noch - zum Glück für die bremische Schullandschaft. Denn diese hat Armin über mehrere Jahrzehnte mit pädagogischem Enthusiasmus und Engagement mit gestaltet. 56 ]ahre war Armin Stolle aktives Mitglied der GEW. Sein Wort hatte Bedeutung für die Kolleginnen und Kollegen.

Beim Start der ersten Bremer Gesamtschulen Anfang der 70er-]ahre war er dabei, in der Schulleitung der GSO. Die Anfangserfahrungen mit den großen, Anonymität fördernden Gesamtschulen führten zu Unzufriedenheit. Man wünschte sich kleinere Einheiten, in denen sich Lehrer und Schüler auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam das Lernen gestalten konnten. Die gesellschaftspolitischen Zielvorstellungen der Gesamtschulbewegung verband Armin mit den dazugehörigen Elementen der Pädagogik. Unterstützung bekam er von der bildungsbewussten Elternschaft im Viertel. Es entstand die Gesamtschule-Mitte, unter Leitung von Armin Stolle. Auf der Basis seiner humanistischen Grundhaltung lebte er mit seinen Kindern und Jugendlichen, stützte ihre Lust an der Schule, lenkte ihr Interesse auf gesellschaftspolitische Aktivitäten.

Die weitere Entwicklung der Gesamtschule Mitte - wie auch der übrigen Gesamtschulen – verlief nicht ohne erheblichen Widerstand aus der politischen Szene.
Einer der Höhepunkte der Spannungen führte für Armin bis zur Androhung der  Suspendierung. Anlass dafür war Armins anhaltender Protest gegen die Erhöhung der Schülerzahl in den Klassen - eine scheinbar nebensächliche Veränderung. Aber sie stand für einen schmerzhaften Eingriff in die Grundsätze der Unterrichtsreform. Außerdem stand.sie als Signal für eine von der Politik nicht gewollte Strukturreform des Schulsystems. Armin wollte die Veränderung nicht verantworten. Er weigerte sich. Schließlich musste er nachgeben. Seine soziale und demokratische Grundhaltung brachte ihn dazu, sich auf vielen gesellschaftlichen Feldern zu engagieren. Er war einer der Mitbegründer des Bremer Friedensforums. Unermüdlich warnte er vor den Gefahren der Atomenergie und unterstützte den Widerstand gegen die Atommülllagerung im Wendland. Besorgt verfolgte er das Aufkommen rechtsradikaler Bewegungen und wies auf die Gefahren hin. Internationale Solidarität war ihm wichtig. Deshalb hatte er Kontakt zu entwicklungspolitischen Gruppen und Flüchtlingsinitiativen.

Zu all diesen Themen sammelte Armin Berichte und Bilder in seinem umfangreichen Archiv. Aber das Material verstaubte nicht. Seine Kenntnisse (und Kopien) waren in Beratungen und Versammlungen gefragt und trugen zur Urteilsbildung bei. Bis zuletzt nahm er aktiv an Diskussionen, Demos und strategischen Überlegungen teil. Seine konsequente Haltung war Vorbild für Mitstreiter, aber er hatte nie einen Führungsanspruch. Aufmerksam hörte er Argumenten zu, sein Gegenüber war ihm wichtig. Das brachte ihm auch die Achtung junger Leute ein. Armin Stolle hinterlässt Lücken in vielen Bereichen. Wir haben ihm viel zu verdanken.

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