GEW Bremen
Sie sind hier:

Zukunftsforum Lehrer*innenbildungPodiumsdiskussion zur Lehrer*innenbildung verdeutlicht:

Der Regelweg muss der Regelweg bleiben

05.11.2018 - Bernd Winkelmann

Bremen – Unter dem Titel „Studierende in die Schule“ diskutierten die Personalrätin Angelika Hanauer, die Masterabsolventin Stefanie Geue und GEW-Landesvorstandssprecher Bernd Winkelmann mit dem Konrektor für Lehre und Studium der Uni Bremen, Prof. Dr. Thomas Hoffmeister, über die Situation von Studierenden, die während ihres Studiums Vertretungsunterricht an den Schulen des Landes Bremen geben. Die Einschätzung war einvernehmlich: Durch den Mangel an Lehrkräften befinden sich die Schulen in einer Notsituation, die als solche auch benannt werden muss.
Und: Praxisanteile im Studium sind sinnvoll und notwendig, die Bedingungen für die Studierenden müssen allerdings stimmen.

Alle Diskussionsteilnehmer*innen unterstrichen den Maßstab einer qualitativ hochwertigen Ausbildung für Lehrkräfte. Hinsichtlich der Wissenschaftlichkeit, Fachlichkeit sowie eines theoriegeleiteten Praxisbezugs dürfe es keine Abstriche geben. Deshalb kann der Quereinstieg von Personen mit anderen beruflichen Qualifikationen auch nicht als neues dauerhaftes Verfahren zur Lehrer*innenbildung angesehen werden. Quereinsteiger*innen leisten in der aktuellen Situation wertvolle Arbeit, für die sie berufsbegleitend, vom Staat finanziert und unter akzeptablen Bedingungen weitergebildet werden müssen. Diese Maßnahmen bleiben aber der derzeitigen Not des Fachkräftemangels geschuldet.

Deshalb muss man auch unterscheiden, in welcher Funktion Studierende in die Schulen gehen. Deren Tätigkeit muss ihrer Ausbildung zuträglich sein, um perspektivisch umfänglich ausgebildete Kolleg*innen an die Schulen zu bekommen.

Ein kurzfristiger Feuerwehreinsatz zum Ausgleich der mangelhaften Unterrichtsversorgung reicht als Zielstellung nicht, sondern kann das Studium sogar verlängern.

Dies bedeutet aber für den Einsatz der Studierenden an Schulen: Weniger (eigenverantwortliche) Unterrichtsstunden und bezahltes Mentoring als Unterstützung vor Ort. Letztes ist zwingend nötig, eine „Selbstreflexion“ der Unterrichtstätigkeit wird nicht reichen und die Aneignung falscher Routinen ist später nur schwer auszugleichen.

In einem zweiten Diskussionsstrang versuchte die Runde Perspektiven für eine ausreichende Versorgung mit Lehrkräften zu entwickeln. Die Mittel bleiben begrenzt in Bremen (auch nach 2020), die Einrichtung neuer Studiengänge dauert Jahre, deren Akkreditierung ist ein aufwändiger Prozess. Was weiterhin wirklich irritiert, ist die fehlende Datenlage tatsächlicher (Fach-) Bedarfe. Schon wird von interessierter Seite unverantwortlicherweise ein neuer Lehrerüberhang für das nächste Jahrzehnt herbeigeredet. Deshalb müssen die relevanten Daten endlich erhoben und die Parameter der Schulentwicklung zuträglich definiert werden. „Inklusion“ hat auch mit Migration und Armut zu tun. Diese Kriterien müssen in jede Bedarfsplanung für pädagogisches Personal einbezogen werden.

Für Nachfragen steht zur Verfügung: Bernd Winkelmann | 0162-97 31 230

An den Bremischen Schulen arbeiten derzeit über 250 Studierende ohne Masterabschluss als Vertretungslehrkräfte. Die Schulen sind in Zeiten des Fachkräftemangels dringend auf die Studierenden angewiesen um die Unterrichtsversorgung zu gewährleisten. Für Studierende ist der Nebenjob an der Schule eine zunächst eine verheißungsvolle Möglichkeit, Erfahrungen im angestrebten Beruf zu sammeln und das bei einem attraktiven Stundenlohn.

Was kurzfristig nach einer Win-Win-Situation für Schulen und Studierende aussieht, erweist sich jedoch oft als problematisch, teilweise mit langfristig negativen Folgen. Die Qualität der Lehramtsausbildung droht ins Hintertreffen zu geraten und dies zu einer Zeit, in der die Schulen dringend auf gut ausgebildete Lehrer*innen angewiesen sind. Etliche Studierende berichten über Überforderung angesichts der neuen Aufgaben und der großen Verantwortung. Bei denjenigen Lehramtsstudierenden, die sich nicht abschrecken lassen, rückt das eigene Studium dann oft in den Hintergrund und der Studienabschluss oder der Seminarbesuch werden in die Zukunft verschoben. Andere Studierende hingegen ziehen die Notwendigkeit einer vollständigen Ausbildung in Zweifel, schließlich stellen sie regelmäßig unter Beweis, dass sie bereits eigenverantwortlich unterrichten können.

Einer Gewerkschaft, die die Interessen der gegenwärtigen und zukünftigen Lehrkräfte vertritt und für eine gute Bildung für alle Kinder einsteht, muss diese Entwicklung ein Dorn im Auge sein.  Deshalb wollten wir dieses Dilemma im Rahmen einer Podiumsdiskussion näher beleuchten um anschließend Handlungsoptionen und Auswege zu diskutieren.   

Am Montag, 5. November 2018 diskutierten:

  • Prof. Dr. Thomas Hoffmeister | Konrektor für Lehre und Studium, Universität Bremen
  • Bernd Winkelmann  | Landesvorstandsprecher GEW Bremen
  • Angelika Hanauer | Vorstand Personalrat Schulen Bremen
  • Stefanie Geue | Master Absolventin und Vertretungslehrkraft
  • Matthias Eckhardt | Hauptseminarleiter am Landesinstitut für Schule (angefragt)

Moderation: Inge Kleemann | Organisationsreferentin GEW Bremen

Zurück