GEW Bremen
Sie sind hier:

Personalversammlungen der Lehrräfte sowie der pädagogischen Mitarbeiter*innen im Schlachthof

Pädagogische Mitarbeiter*innen fordern bessere Arbeitsbedingungen (Stellenportal, Kooperationszeit und Fortbildung in der Regelarbeitszeit)

Lehrkräfte fodern: „Lehrkräfte entlasten und Unterrichtsqualität verbessern“

16.06.2018 - Andrea Köster/André Sebastiani

Gut besuchte Personalversammlung der Lehrkräfte im Schlachthof

André Sebastiani

Mit einer emotionalen Rede, traf GEW Landesvorstandssprecher Chrisitian Gloede den Nerv der Teilpersonalversammlung für alle Lehrkräfte, Lehrmeister*innen und ReBUZ am 6.6. im Schlachthof. Eigentlich hätte er zu den anstehenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst sprechen sollen. Diesem Thema widmete er sich aber erst gegen Ende seiner Rede, denn zuvor war bekannt geworden, dass die AfD mittels einer Dienstaufsichtsbeschwerde versucht, einen unliebsamen Lehrer in Bremen-Nord zum Schweigen zu bringen. Dieser hatte eine Presseerklärung eines AfD-Abgeordneten in seinem Unterricht behandelt, der Abgeordnete sieht darin eine Verletzung der Neutralitätspflicht. „Wenn es darum geht, sich den Faschisten entgegenzustellen, gibt es keine Neutralitätspflicht“, rief Gloede den Kolleginnen und Kollegen unter lautem Beifall entgegen.

Bei bestem Wetter war der Schlachthof gut gefüllt. Vor Christian Gloede hatte GEW-Landesvorstandssprecherin Ina von Bötticher die Forderung der GEW-Kampagne „JA-13!“ bekräftigt, um eine gerechte Bezahlung von mindestens A13/E13 für alle Lehrkräfte zu erreichen.

Mit Wut im Bauch

„Mit Wut im Bauch“, sprach nach eigenem Bekunden GEW-Personalrätin Angelika Hanauer zu den Kolleg*innen. Sie war unmittelbar von einem Termin zum „IQHB“, dem in Gründung befindlichen Qualitätsinstitut, gekommen und hatte dort feststellen müssen, dass einmal mehr die Mitbestimmungsgremien nicht von Anfang an eingebunden wurden und bereits Gespräche mit Schulen und Kolleg*innen geführt wurden, die der Personalrat-Schulen vertritt. In ihrem Beitrag nannte sie Beispiele, was alles „weg“ kann, um Lehrkräfte zu entlasten und die Unterrichtsqualität zu verbessern.

Keine Konsequenzen

„Schulentwicklung gescheitert – die falschen Versprechen der Bildungsreformer“ heißt das Buch von Prof. Dr. Jörg Schlee, auf das Petra Kumm in ihrem Beitrag Bezug nahm. Teile aus einem Vortrag Schlees wurden projiziert, der darin zu dem ernüchternden Fazit kommt: „Es fehlt der Schulentwicklungsidee eine fundierende Theorie und zweitens es fehlt die Bereitschaft aus dem Ausbleiben der erwünschten Effekte (…), glaubwürdige evaluative Konsequenzen zu ziehen. Wenn aber Evaluation nur gut und wichtig für andere sein soll, nicht aber auch für sich selbst bedeutsam sein kann, dann ist es mit der Glaubwürdigkeit und Stimmigkeit einer Idee nicht weit her.“ Der sehenswerte Vortrag ist auf der Homepage des PR-Schulen verlinkt. Es folgten Informationen zur Kostenübernahme von Klassenfahrten, KompoLei und zur Entlastungsstunde für Mentor*innen.

Zum Ende der Teilpersonalversammlung sprachen eine Schülerin und ein Schüler vom alten Gymnasium. In ihrer eindrücklichen Rede forderten sie die Senatorin für Kinder und Bildung auf, für Gute Bildung für Geflüchtete Sorge zu tragen und Integration nicht durch Separierung zu erschweren, sondern das teilintegrative System fortzuführen. Sie baten die Kolleg*innen, ihre Forderungen mit ihrer Unterschrift zu unterstützen, was diese auch zahlreich taten.

Nach eineinhalb Stunden ging eine informative und unterhaltsame Teilpersonalversammlung zu Ende. Viele Kolleg*innen blieben anschließend bei einem Getränk im Biergarten des Schlachthofs im Gespräch.

Teilpersonalversammlung der Pädagogischen Mitarbeitenden der Bremer Schulen

Andrea Köster

Auf einer sehr gut besuchten Teilpersonalversammlung der Pädagogischen Mitarbeitenden der Bremer Schulen im Schlachthof am 29. Mai wurde Klartext geredet. Die Arbeitsbedingungen der KollegInnen müssen spürbar verbessert werden, wenn in Zeiten eines erkennbaren Fachkräftemangels dieser Arbeitsbereich nicht abgehängt werden soll, so die Hauptforderung.

Michal Myrcik, Vorsitzender des PR-Schulen, beschrieb in seiner Eingangsrede die Situation von PMs in den Schulen. Sie leisten einen unverzichtbaren Bestandteil für die Umsetzung des Bildungsauftrages in einer sich wandelnden Schulwelt. Zwar hat der PR in der Vergangenheit schon zahlreiche Verbesserungen für die Beschäftigten erreicht, wie zuletzt eine einvernehmliche Regelung für den Krankheitsfall im Urlaub, dennoch hinken die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit im Schulbereich noch immer vergleichbaren Tätigkeitsfeldern bei anderen Dienstherren hinterher.

Katharina Krieger (GEW-Referentin) betonte, dass besonders der hohe Anteil von Teilzeitbeschäftigten die Gefahr der Altersarmut für die KollegInnen erhöht, denen nur selten die Möglichkeit geboten wird mit einem vollen Stundenkontingent in ihrem Berufsfeld zu arbeiten. Einhergehend  mit ihrer schlechteren Grundbesoldung in Schulen und den allgemeinen Rentenreduzierungen wird ihr Ruheentgeld nicht für eine auskömmliche Alterssicherung ausreichen. Aber nicht nur perspektivisch besteht Handlungsbedarf, auch aktuell sind dringend Verbesserungen der Arbeitsbedingungen angezeigt. So forderte  Ina von Boetticher (GEW-Landesvorstandssprecherin) eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für PMs in Schulen, um die Attraktivität des Berufsfeldes zu steigern.

Die wichtigsten Forderungen der PMs wurden in drei Anträgen an die Bildungssenatorin deutlich formuliert:

1. Ein Stellenportal analog zu Modellen in anderen Arbeitsbereichen der Schulen muss auch für PMs eingerichtet werden, damit diese die Möglichkeit erhalten , selbstbestimmt alternative Arbeitsangebote der Behörde (zum Beispiel mit höherer Stundenzahl, befristete Vertretungen) wahrzunehmen.

2. Trägerübergreifend sollen bei einer Vollzeitstelle 28 Stunden Arbeit am Kinde geleistet und das restliche Arbeitsvolumen als Vorbereitung- und Kooperationszeit anerkannt bzw.  geleistet werden. Auch den PMs ist Altersteilzeit zu gewähren.

3. Auch PMs wird trägerübergreifend die Möglichkeit eingeräumt, Fortbildung während ihrer Regelarbeitszeit von 8 - 16 Uhr zu belegen.

Zurück