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Personalversammlung der Bremer Grundschulen fordert bessere Ressourcen

Am 9. Juni 2015 fand eine Personalversammlung für die stadtbremischen Grundschulen statt. Über 1200 Kolleginnen und Kollegen nahmen teil. Mit mehreren Beschlüssen forderte die Personalversammlung eine erhebliche Erhöhung der Stellenzahl. Damit sollen die notwendigen Ressourcen für Unterricht, soziale Arbeit und Kooperation erzielt werden, um den bildungspolitischen Auftrag der Grundschulen erfüllen zu können.

09.06.2015 - Petra Lichtenberg

Folgender Antrag wurde beschlossen:

Notwendige Ressourcen für Unterricht, soziale Arbeit und Kooperation

Die Grundversorgung der Schulen ist mangelhaft und den Bedarfen nicht angepasst!

Im Vergleich der Stadtstaaten liegt Bremen weit zurück. An den öffentlichen Schulen gaben 2014 Hamburg und Berlin 7400 € pro SchülerIn aus. In Bremen waren es nur 6300 €. Um dieses Defizit auszugleichen, fehlen an den öffentlichen Grundschulen rein rechnerisch durchschnittlich 17 Millionen für die Beschulung der 15.700 SchülerInnen.

Diese massive Unterfinanzierung der Grundschulen hat Folgen: Massive Personalknappheit und hoher verdeckter Unterrichtsausfall, Überlastung aller Beschäftigten verbunden mit einem hohen Krankenstand. Leiharbeit und prekäre Beschäftigungsbedingungen durch Schulvereine und andere Träger sind an der Tagesordnung. Pädagogische Mitarbeiter, Sozialpädagogen und Sonderpädagogen werden als Lückenfüller im Vertretungsbereich eingesetzt, die sonderpädagogische und sprachliche Förderung findet kaum noch statt. Alle Schulen leiden unter einer überbordenden Unkultur von Dokumentationen, Vergleichstests und verdeckten Rankings, die fundiertes Lernen behindern statt zu fördern.

Wir haben einen bildungspolitischen Auftrag, dem wir gerecht werden wollen!

Die Grundschule knüpft an die gesellschaftlichen, d. h. vor allem an die sozialen und familiären Lebensbedingungen ihrer Kinder an. In Bremen ist ein Drittel der Kinder arm, ein Drittel der Kinder hat einen Migrationshintergrund, jeden Tag kommen neue, z.T. schwer traumatisierte Flüchtlingskinder dazu, viele Kinder haben Defizite in ihrer sozio-emotionalen Entwicklung, über die Hälfte der Grundschulen arbeiten im Ganztag und alle Grundschulen beschulen seit 1999 inklusiv.

Die sich daraus ergebenden Aufgaben erfordern eine neue Qualität und Ausstattung von Grundschule!

Unsere Aufgaben:

  • Unterricht zum Erwerb grundlegender Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Erlernen der Kulturtechniken
  • Begabungen erkennen, Benachteiligungen ausgleichen, Kinder umfassend fördern sowie Verschiedenheit annehmen und durch Differenzierung gezielt individuelle Lernentwicklung begleiten
  • Die Entwicklung der Persönlichkeit, des Sozialverhaltens, der Lern- und Leistungsmotivation, die kognitive und motorische Entwicklung, die Entwicklung musischer Talente und die emotionale Entwicklung.

Die sich daraus ergebenden Aufgaben erfordern eine neue Qualität und Ausstattung von Grundschule!

Wir fordern die notwendigen Ressourcen für Unterricht, soziale Arbeit und Kooperation, um unseren bildungspolitischen Auftrag erfüllen zu können!

Das heißt

  • die Ausstattung der Grundschulen mit einer Vertretungsreserve für Unterricht und soziale Arbeit von 6 % und einer Reserve für Fortbildung und Schulentwicklung von 3 % im Grundbedarf
  • Doppelbesetzungen in allen Klassen zur Umsetzung der Inklusion
  • die 2-stündige Absenkung der Unterrichtsverpflichtung für Elternarbeit, Dokumentationen, jahrgangsübergreifendem Unterricht, Kooperation, Koordination und Absprachen im Bereich der Inklusion und der Ganztagsbeschulung und für sozial-/pädagogische Fachkräfte die Zuweisung von je 4 Kooperationsstunden
  • den Ausbau der Schulsozialarbeit und die Einstellung von Sonderpädagogen, Motopäden, Logopäden, Ergotherapeuten und Psychologen, die in multiprofessionellen Teams an den Schulen arbeiten
  • den Abbau prekärer Beschäftigung, die Übernahme der bei nicht tarifgebundenen Trägern und Schulvereinen Beschäftigten an Schulen in den öffentlichen Dienst, tarifliche Bezahlung und eine vertragliche Arbeitszeit, die eine Sicherung des Lebensunterhalts ermöglicht
  • die Aufstockung des Verwaltungsstundenschlüssels entsprechend der tatsächlichen Aufgaben der Verwaltungskräfte

Weitere Beschlüsse:

Für den Bereich Inklusion beschließt die Personalversammlung:

  • Wir fordern eine ausreichende Versorgung der Grundschulen mit Sonderpädagogikstunden. Für Beratung, Diagnostik und Kooperation müssen den Schulen zusätzliche Stunden zur Verfügung gestellt werden.
  • Wir brauchen eine ausreichende Vertretungsreserve auch für Sonderpädagoginnen. Doppelbesetzungen dürfen nicht aufgelöst werden.
  • Wir lehnen eine systemische Stundenzuweisung wie die ID 1051 ab, solange sie nicht die realen Bedarfe von Schulen und Kindern widerspiegelt. Jedes Kind hat neben einer systemischen Versorgung weiterhin auch einen individuellen Anspruch auf Förderung, dieser muss eingelöst werden.
  • Bei besonderen Bedarfen einzelner SuS muss es Nachsteuerungsmöglichkeiten geben, damit sie in der Grundschule ihres Einzugsgebietes verbleiben können.
  • Außerdem müssen Grundschulen durch die Bereitstellung entsprechender Mittel auf Dauer in die Lage versetzt werden, auch SuS mit anderen Behinderungsarten außer LSV aufzunehmen.
  • Wir fordern auch für den Primarbereich eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation.
  • ZuP-Leitungsstellen müssen besser ausgestattet und schnellstmöglich besetzt werden. Bei ZuP- Verbünden müssen alle SuS in die Berechnungsgrundlage einbezogen werden.
  • Für Schulen in besonderen Problemlagen müssen schlüssige Konzepte, besonders auch für den Ganztagsbereich, entwickelt werden.
  • Innerhalb der Behörde muss es eine Steuerungs- und Organisationseinheit geben, die sich für den Inklusionsprozess verantwortlich zeigt, die ihn begleitet und vorantreibt.

Multiprofessionelle Teams

Die TPV fordert die Senatorin für Bildung und Wissenschaft auf, die formalen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen, dass den multiprofessionellen Teams (Pädagogische Mitarbeitende, Schulsozialarbeiter, Sozialpädagogen, persönliche Assistenzen, …) an Schulen zur Verbesserung der Lehr- und Lernqualität regelhaft in ausreichendem Umfang (min. 4 Wochenstunden) Kooperationszeiten zur Verfügung gestellt werden. Die Umsetzung dieser Maßnahme erfolgt zeitnah.

 

Rechtzeitige Zuweisung vor dem neuen Schuljahr

Die Behörde der Senatorin für Bildung wird aufgefordert die Personalversorgung an den Schulen sicher zu stellen, Die verbindliche personelle Zuweisung aller Mitarbeiter muss mindestens vier Wochen vor den Sommerferien erfolgt sein.
Nur so ist eine vorausschauende Planung möglich und das kommende Schuljahr kann verlässlich für Kinder, Eltern und Kolleginnen starten.

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