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SchwerpunktOhne uns kein normaler Schulalltag

Verwaltungsangestellte leiden unter geringer Wertschätzung

 

 

16.07.2021 - Ilona Venus

Warum werden in den Medien beim Thema Schule und Pandemie immer nur SchülerInnen (SuS), Eltern und Lehrkräfte genannt? Gibt es uns nicht? Verwaltungsangestellte an Schulen (VaS) sind wir und werden doch nicht erwähnt. Warum vergisst man uns? Gehören wir nicht dazu? Als dauerpräsente Ansprechpartnerinnen sind wir für alle seit Beginn der Pandemie erreichbar. Ob für Behörden, Schulleitung (SL), Lehrkräfte (LK), SuS, Eltern oder sonstige Personen. Es gab und gibt kein Homeoffice für uns. Unsere Arbeit kann man nicht per Laptop mit nach Hause nehmen. Die Dauerpräsenz führt/e zu sehr hohen Kontaktzahlen. Beim Impfen hatten andere Personen Vorrang, trotz der vielen Kontakte. Jede neue Corona-Verordnung verlangte wieder ein Umdenken, Verändern und Erstellen von Listen mit Eingaben die durch die VaS oder durch die Schulleitung erfasst wurden. Leider sind wir keine Nutznießer einer Corona-Prämie geworden.

 

„Das wäre zu viel für mich“

Im Front- und Backoffice sind wir als Assistenz der Schulleitung bzw. eines Geschäftsbereichs, genauso wie die Vorzimmerdame eines Abteilungsleiters in der Bildungsbehörde anzusehen. Wir sind wichtigstes Bindeglied zwischen Schule, Eltern, Lehrkräften und Bildungsbehörde. Mit Verfahren und Vorgängen sowie Vorgaben in der Schule und in der Bildungsbehörde sind wir bestens vertraut. VaS haben eine grundsolide und qualifizierte Ausbildung vorzuweisen, einige sogar mit Studium sowie langjährigen Berufserfahrungen. Wo bleibt die Akzeptanz unserer Arbeitsplätze? Dazu die schlechte Bezahlung nach TV-L 6. Die EG 6 wurde nach achtjährigem (!) Kampf erreicht. Eine Wertschätzung unserer Arbeit mit TV-L 8 wäre erforderlich. Die Merkmale für diese Eingruppierung erfüllen wir. Uns werden dieser Tarife aber nicht zugestanden, wo wir doch die Schulen ohne diese Merkmale nicht am Laufen halten könnten. „Wie schaffst du das bloß?“; „Das wäre viel zu viel für mich.“ – Sätze, die wir tagtäglich hören.

Keine Vertretungsreserve

Unsere Arbeitsplatzbeschreibung stammt aus dem Jahr 2003. Seitdem sind viele neue Aufgaben und Programme hinzugekommen. Geändert wurde nichts. Wir arbeiten mit 14 verschiedenen Programmen bzw. Teilen davon. Wer kann uns überbieten? Viele Kolleginnen sind älter als 50 Jahre. Das Alter der Mitarbeiter wird in unserem Job nicht berücksichtigt. Zuschüsse für medizinische Hilfsmittel sind eindeutig zu niedrig. Wir schleppen ständig volle Ordner, die Schülerakten werden von Jahr zu Jahr dicker. Es immer mehr Formulare, z.B. für die iPads (neue Zusatzaufgabe). Die Büros sind z. T. so klein, dass Büromaterialien oder Ordner in anderen Räumen gelagert werden müssen. Einige Büros entsprechen nicht den gesetzlichen Vorschriften und sind Durchgangsraum zur SL und SL-Vertretung. Krank werden darf man nicht, da es keine Vertretungen gibt und die Arbeit liegen bleibt.

Wir müssen für alles kämpfen

Für die geleisteten Arbeiten mit den Vorklassen, die seit 2015 mit einer Leistungsprämie vergütet wurden, müssen wir die Bezahlung seit 2019 vor dem Amtsgericht einklagen. Selbst Gerichtsurteile vom Amtsgericht reichten nicht aus, die Bildungsbehörde von unserem erstrittenen Recht zu überzeugen. Unsere Vertretung im PR Schulen hat viel zu wenig Stunden zur Verfügung, um unsere Interessen in vollem Umfang zu vertreten. Wir benötigen eine Vollzeitkraft, die nicht nebenbei noch ein Schulsekretariat leiten muss. Unser PR muss ständig ansprechbar und abrufbereit sein, denn es gibt sehr viele Probleme in den Schulbüros. Warum müssen wir immer um alles kämpfen? Fühlt sich in der Bildungsbehörde niemand für uns verantwortlich – besser gesagt zuständig? Es kann doch nicht sein, dass wir zu keiner Abteilung dazugehören! Man nimmt sich mal unser an, wenn ein Thema aufkommt. In der Bildungsbehörde weiß niemand, was wir eigentlich in den Schulbüros täglich machen. Das ist die Aussage eines Sachbearbeiters.

Zusätzlicher Stress

Im Weser-Kurier stand: Das Kollegium habe ein Gefühl der Überlastung. Das Sekretariat sei unterbesetzt und würde doch sehr wichtig sein, um Schulleitung und Lehrkräfte zu entlasten. Toll, dass wir auch mal in Erscheinung treten. In den Medien meldete Senatorin Frau Dr. Bogedan: „An allen Schulen wird jedes Kind zwei Mal in der Woche getestet.“ Welche Arbeit und welch ein Zeitaufwand damit verbunden sind, das wissen nur wir. Die Schulbüros sehen aus wie Testlabore an der Uni. Seit mehreren Monaten geben wir für alle SuS und dem Personal die Schnelltests aus. Die Büros quellen über und selbst die Räume der Schulleitungen dienen als Lagerfläche für Schnelltests und Masken. In einem großen Gymnasium z.B. werden ca. 2.400 Tests wöchentlich ausgegeben. Der Büroalltag geht währenddessen weiter. Man kommt bis 9.30 Uhr kaum zum Arbeiten, weil ständig SuS und LK nach Tests fragen. Während dieser Stunden kommen wir in Stresssituationen, die gesundheitlich schädlich sind.

Wir sind eindeutig der Meinung: Ja, wir sind systemrelevant! Ohne uns würde so manche Schule den organisatorischen und verwaltungstechnischen Schulalltag nicht stemmen und so gut dastehen, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. 