GEW Bremen
Sie sind hier:

Ökonomische Bildung

Wer auf der Homepage des LIS nach Materialien zum Thema „Wirtschaft“ sucht, wird schnell auf die Kürzel „WiGy“ und „IÖB“ stoßen. WiGy verspricht „Wirtschaft zum Anfassen“ und „Unterrichtsmaterialien für einen modernen praxisorientierten Wirtschaftsunterricht“. Die Homepage wird herausgegeben vom „Institut für Ökonomische Bildung, gemeinnützige GmbH“ in Oldenburg. Dessen Kooperationspartner sind u.a. das Handelsblatt und die Bertelsmann-Stiftung. Sucht man unter „Ökonomische Bildung“ die Homepage von Bertelsmann auf, so wird man wieder auf das IÖB in Oldenburg stoßen. Beide zusammen betreiben ein „modularisiertes Qualifizierungsprogramm“, das eine „Lücke in der Lehrerbildung“ schließen soll: Ökonomische Bildung online.

16.12.2012 - Nützliche Internet-Adressen zur Bewertung der LIS-Materialien und zu alternativen Angeboten

Ein Zirkel mächtiger Lobby-Interessen

Der Bielefelder Wissenschaftler Reinhold Hedtke hat sich ausführlich mit den Aktivitäten und Materialien beschäftigt, die seit einigen Jahren die Schulen überschwemmen. Er schreibt: „Insbesondere Wirtschaftsverbände, unternehmernahe Stiftungen, Institute und Initiativen fordern seit einem Jahrzehnt mehr ökonomische Bildung an Schulen. … In und mittels der ökonomischen Bildung befördert dieses Netzwerk die Interessen der privaten unternehmerischen Wirtschaft sowie politische Positionen des wirtschaftsliberal-konservativen Spektrums. In diesem Sinne sollen auch die Schülerinnen und Schüler einseitig beeinflusst werden. Das legen Analysen einiger Unterrichtsmaterialien nahe, die Akteure aus diesem Netzwerk entwickelt haben und verbreiten. Pluralistische Ansätze in Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik sucht man dort meist vergebens. Über Lehr-Lern-Materialien strebt insbesondere die Finanzindustrie nach Präsenz im Klassenzimmer, ihre Mitarbeiter sollen zu Finanzieller Allgemeinbildung unterrichten. Das ist eine bemerkenswerte Vermischung von Bildungsauftrag und Gewinninteressen.“ Seine Studie „Wem gehört die Ökonomische Bildung?“ kann heruntergeladen werden unter:

http://www.iboeb.org/moeller_hedtke_netzwerkstudie.pdf

Eine weitere Studie hat die Hans-Böckler-Stiftung herausgegeben: „Ökonomische Bildung – eine neutrale Sache? Wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Einfluss auf Unterrichtsinhalte an allgemein bildenden Schulen ausübt“ von Carina Mitschke. Sie ist zu finden unter:

http://www.iboeb.org/aktuelles/detail/iboeb/oekonomische_bildung_eine_neutrale_sache_2012.html.

Alternatives Unterrichtsmaterial

Auch wenn, wie Prof. K.-J. Bönkost im Interview auf S.8 (Arbeitslehre - bald nur noch Bildungsgeschichte?)feststellt, die Zahl der Unterrichtsmaterialien von anderen Institutionen eher gering ist, so sollen hier doch einige aktuelle Sammlungen vorgestellt werden:

Böckler Schule - Lehrerportal zur sozioökonomischen Bildung

Hier werden Materialien für den sozioökonomischen Unterricht in Sekundarstufe I und II: didaktisch aufbereitete Unterrichtseinheiten, Themenhefte zu ausgewählten aktuellen Themen, anschauliche Grafiken und Artikel zu neuesten Forschungsergebnissen angeboten. Alle sind kostenlos verfügbar.

Aktuelle Themen sind u.a.:

"Europas Sparpolitik - Teufelskreis oder Befreiungsschlag?"

"Eurokrise - Die Währungsunion in Bedrängnis"

"Niedriglohn: Arm trotz Arbeit - wie kann das sein?"

"Mindestlohn - Wege aus der Niedriglohnfalle"

"Minijobs - eher Fluch als Segen?"

Weitere Anregungen und Materialien finden sich unter „Böckler-Impuls“ und „Böckler-Boxen“.

Schulportal für Verbraucherbildung

(http://www.verbraucherbildung.de/, herausgegeben vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Dort gibt es neben einem Materialkompass, der Unterrichtsmaterialien analysiert und bewertet, auch ganze Unterrichtseinheiten.

Und schließlich sei hier noch ein Projekt genannt, an dem auch die GEW beteiligt ist:

Initiative Schule und Arbeitswelt

Derzeit bestehen laut einer Online-Umfrage der GEW regelmäßige Kooperationen von allgemeinbildenden Schulen zu 45 Prozent mit Wirtschaftsunternehmen und nur zu zwei Prozent mit Gewerkschaften. Unter der Adresse schule.dgb.de können Kontakte für Betriebserkundungen und Praktika mit Vertrauensleuten, Betriebsräten und Jugendvertretungen hergestellt werden. Natürlich geht das auch vor Ort mit den hiesigen Einzelgewerkschaften.

 

 

Zurück